Helferkreis Asyl Ottobrunn / Hohenbrunn  

Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn



Presse / Nachrichten

Kolumne in dem Gemeinde-Journal "Mein Ottobrunn"


07 / 2020     Von Bangladesch nach Bayern
Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn (Seite 16)
06 / 2020     Gemeinsam Masken nähen
Helferkreis Asyl / Klawotte Kinder und kreativ (Seite 16)
05 / 2020     Paten helfen Kindern
Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn (Seite 16)

Artikel im "Gemeindeblatt Hohenbrunn"



05 / 2020     Wie gelingt Integration ?
Vom Riemerling über Neapel nach Niebüll

Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn (Seite 63)
03 / 2020     Erfolgreiche Flüchtlingsschwimmkurse
Riemerlinger Haie (Seite 45)
Neues aus dem Cafe International
Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn (Seite 53)
12 / 2019     Syrische Familien luden zum Kochkurs ein
Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn (Seite 59)


Die vollständige Liste der Artikel im Gemeinde-Journal "Mein Ottobrunn" und im "Gemeindeblatt Hohenbrunn" erhalten Sie hier.



Jahresberichte des Helferkreises Asyl


2019     Jahresbericht des Helferkreises Asyl
2018     Jahresbericht des Helferkreises Asyl
2017     Jahresbericht des Helferkreises Asyl
2016     Jahresberichte des Helferkreises Asyl
2015     Jahresberichte des Helferkreises Asyl
2014     Jahresberichte des Helferkreises Asyl und Bericht von der Nikolausfeier mit Flüchtlingen vom Eine-Welt-Kreis
2013     Erklärung des Helferkreises Asyl, unterzeichnet von 36 Mitgliedern
2012     Schritt ins Leben: Christen aus dem Landkreis unterstützen Asylbewerber
(Südost-Kurier, 30.10.2012),   (gedruckte Version, pdf)

Weitere Information erhalten Sie von unserem Team Öffentlichkeitsarbeit (E-Mail: presse@helferkreis-asyl.com ).




Übersicht der folgenden Beiträge






Helferkreis Asyl Ottobrunn / Hohenbrunn (Juli 2020)

Von Bangladesch nach Bayern

Tanjena A., 26 Jahre, kommt aus einer guten Familie in Brahmanbaria, wo sie mit zwei Brüdern und einer Schwester aufwuchs. Sie konnte eine weiterführende Schule besuchen und drei Semester Philosophie in englischer Sprache an der Universität studieren. Während ihres Studiums wurde sie zur Flüchtlingshelferin und betreute zum Teil auf eigene Kosten obdachlose Kinder. Denn nach Bangladesh waren hunderttausende der im Nachbarland Myanmar vertriebenen Rohingya geflohen. Unter den Rohingya-Flüchtlingen lernte sie ihren späteren Ehemann kennen. Obwohl die Verbindung nicht erwünscht war, heirate sie 2012. Ihr Mann schaffte es, mit seinem Bruder 2013 nach Deutschland zu kommen Tanjena konnte 2017 - mit Unterstützung ihrer Brüder - über Mailand nach München einreisen. 2018 wurde die gemeinsame Tochter Muskan geboren. Tanjena wartet noch auf die Entscheidung über ihren Asylantrag und lebt mit ihrer Familie in Ottobrunn.
Tanjena besuchte bis zum Corona-Ausbruch einen Deutschkurs in Pasing mit Kinderbetreuung, die aber das kleine Mädchen teilweise unter heftigen Protesten ablehnte. Da Tanjena aber unbedingt schnell Deutsch lernen wollte, erteilt ihr Mary Siegle-Collins aus unserem Helferkreis Unterricht. Ich wurde gefragt, ob ich mit der jungen Frau aus Bangladesh hin und wieder spazieren gehen könnte, da diese so schüchtern sei und nicht gern alleine auf die Straße gehe. So begann unsere Bekanntschaft. Ich kam zu ihr in die kleine Wohnung in der Ottobrunner Ortsmitte, wo sie mit ihrem Mann und der kleinen Tochter (damals 6 Monate alt) lebte. Wenn das Wetter es zuließ, gingen wir spazieren. Um sie zum freien Sprechen ohne Bezug zu Texten im Lehrbuch zu veranlassen, fragte ich sie nach dem Leben in Bangladesh.
Es unterscheidet sich im bevölkerungsreichsten Flächenstaat der ganzen Welt natürlich wesentlich von dem in Deutschland. Die Zahl an Analphabeten ist sehr hoch; gearbeitet wird hauptsächlich im Agrarbereich mit Ausfuhrmöglichkeiten von Baumwolle, Tee, Reis. Für den Eigenbedarf gibt es Fisch, Geflügel, Obst, Gemüse u.a. Größere und kleinere Überschwemmungen gehören zum Alltag: Man geht bis zu den Knien im Wasser auf den Straßen und muss sich dann zu Hause waschen. Lange Zeit war die Geburtenrat sehr hoch. So berichtet Tanjena aus ihrer Familie: Die Frauen heiraten sehr früh, im Alter von 13, 14 Jahren, und haben dann oft bis zu 10 Kindern, für die sie zuständig sind, sodass eine berufliche Tätigkeit nicht vorgesehen ist.
Tanjena dagegen wollte unbedingt einen Arbeitsplatz, den sie mit Glück und einiger Unterstützung auch fand: Derzeit arbeitet sie als Putzhilfe in der Küche eines Ottobrunner Seniorenheims, aber nur sonntags, da der Vater, in der Woche in einem usbekischen Restaurant in München beschäftigt, dann die kleine Tochter betreut. Für den Herbst ist inzwischen ein Platz für Muskan in der Kinderkrippe Spatzennest gefunden, und ein Volkshochschulkurs für Tanjena ins Auge gefasst.
Eva Maria-Stiebler, Helferkreis Asyl Ottobrunn / Hohenbrunn (Juli 2020)

(siehe auch: „Mein Ottobrunn“, 07/2020, Seite 16)





Helferkreis Asyl / Klawotte Kinder und kreativ (Juni 2020)

Gemeinsam Masken nähen

Die Klawotte Kinder & Kreativ ist schon lange ein Ort des Zusammenhalts und der gegenseitigen Hilfe für die Bevölkerung von Ottobrunn und Umgebung. Bürger spenden Kleider, Spielzeug und Bücher, Freiwillige arbeiten ehrenamtlich, Bedürftige sind die erwünschten und gern gesehenen Kunden, und viele tauschen sich regelmäßig nach dem Einkauf bei einer Tasse Kaffee in den freundlich dekorierten Räumen in der Putzbrunner Straße aus. Aber dann kam die Corona-Ausgangsperre. Wie kann man die Zeit der Schließung kreativ nutzen? Alltagsmasken Nähen, war eine Idee, die auch bei der Klawotten- Leiterin Spiri Schnabel wie ein Blitz einschlug. Der Raum und die Ausstattung mit Nähmaschinen waren vorhanden. Nähabende mit Flüchtlingsfrauen hatten längst stattgefunden, und seit einem Jahr wurden auch die Schneiderkurse der vhs in der Klawotte durchgeführt. Zwei afghanische Mütter waren daraufhin in der Herstellung von phantasievoll gestalteten Recycling-Taschen aus gespendeten Stoffen tätig geworden.
Von daher konnte in den Klawotte-Räumen die ersten 100 Masken für das Pflegepersonal im Hans-Seidel-Haus genäht werden. Für Kliniken und Gemeinden reichten die Kapazitäten der Klawotte noch nicht aus. Daneben begann der Verkauf an private Kunden in kleinen Mengen. Es ging noch um den freiwilligen Schutz. Noch vor Ostern hatten Merkur und Hallo einen Aufruf gebracht: Stoffe und Gummis wurden gespendet, zusätzliche Nähmaschinen geliehen. Eine Krankenschwester erklärte den Näherinnen, worauf es bei der Fertigung ankommt. Die heiße Phase begann. Es kamen Aufträge von Ärzten für ihre Arztpraxen. Es wurden Faltenmodelle mit Stofffiltern als extra Einlage hergestellt, die einen besseren Schutz boten. Seither arbeiten in der Klawotte die Schneiderinnen unter Vorsichtsmaßnahmen täglich. „Die Hauptdarstellerin ist Najia A. aus Afghanistan, sie ist phantasievoll und schnell“, sagt Spiri Schnabel. Dazu kommt als Profi, Fabienne S., die Vhs-Kursleiterin, Karin R. aus dem Klawotte-Team und dem Helferkreis sowie eine weitere Flüchtlingsfrau, Khutar aus Syrien. Auch weil externe Schneiderinnen noch fertige Masken brachten und spendeten, wurde eine große Produktion möglich. Najia war auch diejenige, die fand, dass Arbeitsteilung effektiver sei, und fortan wurde wie am Fließband produziert, erst zugeschnitten und gebügelt, dann genäht und zuletzt die Gummis angebracht. Spiri Schnabel organisierte vormittags, nachmittags war sie die Chefvorbüglerin. „Manchmal waren wir so im Arbeitsrausch, dass ich mich nicht traute aufzuhören, weil Najia weitermachte, aber sie auch nicht, weil ich dran blieb, sagt Spiri Schnabel.
Dann kam der Materialengpass: Gummis wurden knapp, Bestellungen langwierig, dazu Dienstag nach Ostern die Maskenpflicht. Neue Modelle, bei denen der Stoff näher an die Ohren reicht, wurden um Gummi zu sparen, herausgebracht, schließlich Modelle mit Bändern. „ Als die Schule wieder anfing, kamen die Jungens und wollten schwarze Masken, nur schwarze! Aber so viel schwarzen Stoff hatten wir nicht. Also gingen wir durch unsere Räume und zerschnitten alles, was an schwarzer Kleidung dort hing. Überhaupt versuchen wir, uns in die Kunden hineinzuversetzen: Es ist ein bedrängendes Gefühl, eine Maske stundenlang tragen zu müssen.“ Komfort ist gefragt. Neuerdings gibt es individuelle Modelle in verschiedenen Größen und mit besonderen Aufdrucken oder Accessoirs, immer zum gewohnten, moderaten Preis.
Aber die Produktion ist nicht alles. „Oft hat sich bei der Arbeit ein so bombiges Gefühl eingestellt, Kreativität, Erfolg, Lachen, gute Laune. Manchmal haben wir Corona komplett vergessen! Manchmal geben uns Firmen ein Trinkgeld, dann kaufe ich Pizza für alle. Unsere Nähwerkstatt ist so stark wie nie und wird das auch bleiben, denn ein neues Projekt läuft schon an, aber das ist ganz wörtlich: Stoff für eine andere Geschichte“.
Claudia Bernardoni, Helferkreis Asyl Ottobrunn / Hohenbrunn (Juni 2020

(siehe auch: „Mein Ottobrunn“, 06/2020, Seite 16)





Helferkreis Asyl - Paten helfen Kinder (Mai 2020)

Schule daheim – Was bedeutet Corona für Flüchtlingskinder?

Auf jeden Fall eine außergewöhnlich schwierige Situation. Lehrer der Grundschulkinder schicken einmal pro Woche einen Plan und Aufgaben, die Lösungen aber erst eine Woche später. Für jüngere Kinder ist dieser zeitliche Abstand sicher viel zu groß, wenn niemand ihnen zeitnah sagen kann, ob die Aufgabe richtig gelöst wurde. Gerade für sie ist die Beziehung zum Lehrer so wichtig, die jetzt fehlt. Die älteren Schüler brauchen zum Lernen einen ruhigen Ort, der kaum vorhanden ist, wenn man in einer Flüchtlingsunterkunft wohnt, und sie müssen zeigen, dass sie sich selbst organisieren können.
Grundsätzlich sind die Probleme der Flüchtlingskinder beim „Homeschooling“ jetzt die Probleme aller Kinder, die in schwierigeren und ärmeren Verhältnissen leben, in denen Eltern wenig oder nicht helfen können. Für Flüchtlingseltern gilt es aber ganz besonders. Sie sprechen manchmal weniger gut Deutsch als die Kinder, die schon einige Jahre hier zur Schule gehen. Sie haben unser Schulsystem nicht selbst erlebt und wissen nicht sicher, was regelmäßig wiederholt werden muss, wie viel Eigeninitiative von den Schülern erwartet wird und wie viel Aufmerksamkeit die Eltern den Aufgaben ihrer Kinder geben sollten. Hinzu kommt, dass die digitale Ausstattung oft fehlt, denn Hausaufgaben allein auf dem Handy zu bewältigen, ist nicht möglich. Da ist die Unterstützung von Seiten der Flüchtlingshelfer gefragt. Paten aus dem Helferkreis drucken die Arbeitsblätter aus und bringen sie den Familien. Für Notebooks und Drucker sorgt Michael Steinacker, der gespendete Geräte wieder aufrüstet. Unlängst hat er Jugendlichen aus vier Flüchtlingsfamilien Notebooks geliefert.
Mit Ramez, einem 16jährigen Afghanen aus Riemerling, der die 9. Klasse eines Gymnasiums besucht, bearbeite ich die Aufgaben aus dem Literaturunterricht. Da ist es gut, im Live Chat darüber sprechen zu können. Ramez hat sich eine entsprechende App installiert, was funktioniert, wenn das Internet nicht gerade streikt. Die digitale Kompetenz von Schülern dieser Altersstufe kann also genutzt werden. Lediglich ganz neue Themen z. B. in Physik erwiesen sich für ihn als schwierig. Aber über Emails und in Online Meetings konnte er Fragen stellen, die auch sofort beantwortet wurden. In den Schulwochen vor den Ferien hat Ramez im Durchschnitt etwa so viel Zeit mit Lernen daheim verbracht, wie das in der Schule auch erforderlich gewesen wäre.
Für die jüngeren Kinder zu sorgen, ist schwieriger. Die Helfer können ihre Patenfamilien nicht besuchen, und die digitalen Kompetenzen sind nicht so gut wie bei den älteren Schülern. Aber manchmal gelingt Hilfe, beispielsweise, wenn der Onkel, der in normalen Zeiten als Vermessungstechniker arbeitet, seine syrischen Nichten und Neffen unterrichtet.
Kritisch wird es für Schüler, denen Prüfungen bevorstehen. Ruslan, 16 Jahre alt, aus Lugansk in der Ostukraine, will einen guten Quali schaffen. Karin Rieder, Helferkreismitglied und geplante Kursleiterin für den ausfallenden vhs-Ferienkurs Mathe in den Osterferien, bot den Eltern von drei 15-16jährigen Jungs, darunter Ruslan, an, telefonisch Nachhilfeunterricht zu erteilen. Bereits zwei Wochen vor den Osterferien begann der Telefontreff von täglich einer Stunde pro Schüler an drei Tagen in der Woche. Ruslan wünschte sich sogar eine vierte Wochenstunde. Gerne! Der Erfolg stellte sich ein, und nichts macht einer engagierten Lehrerin und einem guten Schüler mehr Freude. Wer denkt, Mathe sei nicht so sprachabhängig wie andere Fächer und damit auch für Flüchtlingskinder leichter, irrt. „Materialschwund“, oder „Verschnitt“, ein Öltank ist „leck“ geworden. Die Quali- Aufgaben sind sehr komplex und in schwieriger Sprache verfasst. Ein Beispiel: „ Ein Silberschmied schmilzt 280 g Silber (Dichte: 10,5 g/cm³), um daraus Rohlinge für Schlüsselanhänger zu gießen. Wie viele Rohlinge kann er damit gießen?“ Nachdem das Gewicht (Masse) berechnet war, und Karin Rieder fragte: „Was haben wir denn jetzt für ein Ergebnis?“, sagte Ruslan: „Der Silberschmied wiegt 47 g“.
Ruslan braucht im Herbst aber auch eine Lehrstelle, er möchte Elektriker werden. Bisher hatte er erst ein Vorstellungsgespräch. Das war leider nicht erfolgreich. Ich habe ihm also einen Fragenkatalog geschickt, den er sich anschauen und seine Antworten überlegen sollte. Dann haben wir per live Chat das „Vorstellungsgespräch“ geführt. Gar nicht so leicht für einen 16jährigen, er soll sich ja nicht verstellen, aber „Personaler“ erwarten auch ein sicheres Auftreten, das ein Flüchtlingsjunge nicht ohne weiteres vorweisen kann. Den Fragenkatalog werden wir noch ein paar Mal durchgehen, ergänzen und einfach weiter üben. Und dann wird er es trotz Corona zu gegebener Zeit hoffentlich schaffen, einen Ausbildungsvertag zu erhalten, der ihm Spaß macht und ihn auf seinem Lebens-und Berufsweg voranbringt.
Helferkreis Asyl Ottobrunn / Hohenbrunn, Ulla Müller

Der Helferkreis Asyl für Flüchtlinge Ottobrunn/Hohenbrunn bittet um Spenden von gebrauchten Notebooks: spenden@helferkreis-asyl.com

(siehe auch:„Mein Ottobrunn“, 05/2020, Paten helfen Kinder, Seite 16)





Helferkreis Asyl: Gelungene Integration – Teil 9 (8): (April 2020)

Riemerling, Neapel, Niebüll

Die heute 46-jährige Stella kam im Jahr 2015 mit ihren beiden Kindern, Tochter Merit, damals neun, und Sohn Emmanuele, damals drei Jahre, als Flüchtling nach Riemerling und zog in eine Unterkunft des Landratsamtes. Stella ist Nigerianerin und katholische Christin. Das ist eine Seltenheit unter den Flüchtlingen, die der Helferkreis Asyl betreut, denn fast alle hiesigen Nigerianer sind evangelikale Christen.
Joshua, Emmanueles Vater, stieß erst ein Jahr später zur Familie. Im Herbst 2017 heiratete das Paar. Der amtliche Ehevertrag wurde, wie in Nigeria üblich, von den jeweiligen Eltern in Abwesenheit des Brautpaars in Benin-City geschlossen.
Das nigerianische Dokument wurden von den deutschen Behörden allerdings nicht anerkannt. Das führte Anfang 2019 zur Trennung der Familie, denn Joshua musste wegen seines negativ entschiedenen Asylverfahrens Deutschland wieder verlassen.

Stellas holpriger Weg
Stella besuchte von Anfang an Deutschkurse an der Volkshochschule. In einem anderen vhs-Kurs lernte sie mit Begeisterung das Schneidern und nähte Kleider für ihre Familie. Merit besuchte gerne die hiesige Mittelschule und Emmanuele ging seit 2018 in die Grundschule; war in seiner Klasse sehr beliebt. Stella fand 2018 Arbeit als Küchenhilfe in einem großen Münchner Gastronomiebetrieb. Aber das Glück der begonnenen Integration währte nicht lange.

Stella besitzt eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis in Italien, die ein Arbeitsrecht in Ländern der EU einschließt. Aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit in Italien, war sie jedoch chancenlos, dort Arbeit und Wohnung zu finden. Bei ihrer Ankunft 2015 in Deutschland hatte sie einen Asylantrag gestellt, ein Irrtum zu ihren Ungunsten, auf den sie von der Behörde nie hingewiesen wurde. Denn der nun notwendige sogenannte Spurwechsel vom Status des Geflüchteten hin zum Arbeitnehmer wäre früher möglich gewesen. Im Sommer 2019 musste Stella mit den Kindern für drei Monate nach Italien zurückkehren, um als Arbeitsmigrantin wieder einreisen zu dürfen. In dieser Zeit lebte sie in der Nähe von Neapel unter schwierigsten Umständen. Der Helferkreis Asyl unterstützte sie aus der Ferne, so gut es ging. Im Herbst kehrte sie nach München zurück. Da sie in den erlaubten 90 Tagen keine Wohnung fand, konnte sie nicht bleiben. Ein Umzug nach Schleswig-Holstein brachte Erfolg. Stella fand eine Putzstelle in einem Sylter Hotel und eine Wohnung in Niebüll auf dem Festland. Sie hat zwar eine Stunde Arbeitsweg, aber der Arbeitsplatz und die Wohnung in vorschriftsmäßiger Größe sichern ihr und ihren Kin- dern die längerfristige Aufenthaltserlaubnis. Die Familie ist froh, dass sie nach vielen Jahren des ungesicherten Aufenthalts in Europa endlich ein geregeltes Zu- hause hat.
Claudia Bernardoni, Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn / MO

(„Mein Ottobrunn“, 04/2020, Seite 16)





Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn, Ulla Wolf (März 2020)

Neues aus dem Café International

Internationale Kuchenspezialitäten, deutscher Kaffee oder wahlweise indischer Tee, gut gelaunte große und kleine internationale Gäste und engagierte Helfer – das ist der Mix, aus dem beim Café International des Helferkreises Ottobrunn Hohenbrunn seit 2016 einmal im Monat eine fröhliche Atmosphäre entsteht.
Das Café im EJO Haus der Evangelischen Jugend Ottobrunn ist ein beliebter Treffpunkt, wo Paten und ihre Familien sich austauschen können. Meistens sind auch Mitglieder des Helferkreises vor Ort, mit denen die Gäste Ausbildungs- und Schulprobleme besprechen oder sich über die Möglichkeiten, (besser) Deutsch zu lernen informieren können.
Vor allem die Frauen genießen es, mit ihren syrischen und afghanischen Freundinnen ganz einfach mal „ratschen“ zu können. Das für unsere Geflüchteten nach wie vor von viel Bürokratie beherrschte Leben in Deutschland lässt dafür oft wenig Zeit.
Der Spielplatz direkt nebenan ist für die Kinder ideal – sie können gefahrlos klettern und schaukeln, während die Eltern in Ruhe ihren Kaffee trinken. Auf der Wiese im Garten ist Platz zum Fußball spielen – genügend Fußbälle sind vorhanden!
Seit drei Jahren bietet das Café International den Firmlingen des Pfarrverbandes 4 Brunnen die Möglichkeit, während der Vorbereitung auf die Firmung ein Sozialpraktikum machen. Die jungen Leute helfen beim Auf- und Abbau der Tische, suchen das Gespräch v.a. mit den jungen Geflüchteten und spielen mit ihnen. Und bekommen dabei einen Einblick in fremde Kulturen, aber auch in die Arbeit des Helferkreises.
Die nächsten Termine sind 14. März und 24. April, 15 – 17 Uhr in der Gartenstraße 1, Ottobrunn. Auf interessierte Gäste freut sich das Helferkreisteam. Herzlich Willkommen!
Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn, Ulla Wolf

("Gemeindeblatt Hohenbrunn", 03/2020, Seite 53)





Sendereihe “Einfach Leben“ des Münchner Kirchenradios (3.3.2020)

Integration:

In der Sendereihe "Einfach leben" des Münchner Kirchenradios waren Herr Stocker und Frau Bernardoni in den Faschingsferien zu Gast, und haben ein beeindruckendes Plädoyer für die Integration der Flüchtlinge und unser aller ehrenamtlichen Arbeit gehalten.
"Wie wirkt sich wachsender Fremdenhass aus auf anerkannte Flüchtlinge, die sich hier ein Leben aufbauen wollen und auf ihre Unterstützer? Ist eine gewisse Normalität eingekehrt?
Im Jahr 2012 hat sich in Ottobrunn und Hohenbrunn ein ökumenischer Helferkreis Asyl zusammengefunden. Kurz darauf im Nachbarort Putzbrunn, wo später eine Flüchtlingsunterkunft entstand. Diakon Karl Stocker koordiniert die Arbeit der Helferkreise seitdem, Claudia Berhardoni engagiert sich seit 2013. Fast die Hälfte der Flüchtlinge, die zwischen 2013 bis 2016 nach Deutschland gekommen sind, hat inzwischen Arbeit gefunden. belegt eine aktuelle Studie. Welche Erfolge hatte das Engagement für Flüchtlinge, wie sieht deren Alltag heute aus?
Hinter jedem Flüchtling, der eine gelungene Integration aufzuweisen hat, steht ein ganzes Netz von Helfern für Jahre dahinter“, betont Claudia Bernhardoni. Doch eine echte Einwanderung ist für Flüchtlinge kaum möglich, denn das Asylrecht bietet Schutz auf Zeit. So werden manche Familien schon aufgefordert, nach Syrien zurückzukehren. Helfer brauchen also eine hohe Frustrationstoleranz.
Ist der Elan der Helfer gebremst, auch durch wachsende Fremdenfeindlichkeit? Wird ihre Arbeit noch geschätzt?"

Dauer 49 Minuten,






Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn (Februar 2020)

Begegnungen schaffen

Die Begegnung zwischen Einheimischen und Geflüchteten liegt dem Helferkreis Asyl besonders am Herzen. Deshalb bietet er Aktivitäten an, die dafür Raum schaffen wollen – u.a. das Café International, »Essen über den Tellerrand« oder die Weihnachtsfeier.

Café International
In Ottobrunn eröffnete das Café International des Helferkreises Asyl im Jahr 2016. Seither findet das Café monatlich statt. Internationale Kuchenspezialitäten – darunter immer eine großzügige Spende einer örtlichen Bäckerei -, Kaffee, gut gelaunte große und kleine internationale Gäste und engagierte Helfer – das ist der Mix, aus dem beim Café eine fröhliche Atmosphäre entsteht. Dank der Unterstützung der Michaelskirchengemeinde können die Räume der evangelischen Jugend Ottobrunn genutzt werden. Der direkt nebenan gelegene Spielplatz bietet Platz für die kleinen Gäste, während die Eltern mit ihren Familienpaten dringende Angelegenheiten besprechen oder sich mit den Ottobrunner Gästen austauschen können. Nicht zuletzt ist das Café auch ein beliebter Treffpunkt für die Frauen, die mit ihren syrischen und afghanischen Freundinnen ganz einfach mal »klönen« können. Das nächste Café International findet am 8. Februar statt.

Essen über den Tellerrand
Ein weiteres Angebot ist »Essen über den Tellerrand«. Dieses Kochprojekt führt Kochfreunde aus Syrien, Afghanistan und Deutschland zusammen – gemeinsam werden Mahlzeiten in der heimischen Küche vorbereitet und dann mit geladenen deutschen Gästen zusammen verspeist. Im November gab es zum ersten Mal einen »Kochkurs« in deutscher Küche für die neuen Ottobrunner aus Afghanistan und Syrien.

Jährlicher Höhepunkt
Jährlicher Höhepunkt der Aktivitäten ist die Weihnachtsfeier. Auch hier ist der Michaelskirchengemeinde für die Überlassung des Gemeindehauses zu danken. An die 100 Gäste kommen dabei zusammen. Dabei können die Kinder basteln, es gibt ein üppiges Büffet mit Kuchen und internationalen Spezialitäten und es werden Weihnachtsbräuche vorgestellt.
Neben diesen Aktivitäten gibt es enge Kontakte zwischen den Familien und ihren Paten vom Helferkreis Asyl.
Ulla Wolf, Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn / MO


Beim Café International: Ulla Wolf (2.v.l.) und Monika Löser (rechts daneben) vom Helferkreis Asyl mit Flüchtlingen (v.l.) aus Afghanistan, Somalia, Kamerun und Sri Lanka.
Foto: privat


(„Mein Ottobrunn“, 02/2020, Seite 23)






Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn (Januar 2020)

Jahresbericht 2019

Im siebten Jahr seines Bestehens unterstützte der Helferkreis ca. 230 Flüchtlinge in Ottobrunn, Riemerling und Hohenbrunn, darunter 36 Ehepaare und 8 Alleinerziehende mit 113 Kindern und Jugendlichen. Die Flüchtlinge wohnen in dezentralen Asyl-Unterkünften des Landratsamtes sowie in eigenen Wohnungen. Zusätzlich werden ca. 30 Menschen, die in Nachbargemeinden gezogen sind, weiter von ihren Paten begleitet

Vier anerkannte Flüchtlingsfamilien und ein Alleinstehender haben als Neuzugezogene Kontakt zum Helferkreis gesucht.

Die zu uns geflüchteten Menschen kommen aus Afghanistan, Syrien, Iran, Irak, Somalia, Pakistan, Nigeria, Uganda, Senegal, Eritrea, Ukraine, Indonesien, Bangladesch.

Die meisten der von uns Betreuten sind vor vielen Jahren aus ihren Herkunftsländern geflüchtet. In der Mehrheit sind sie aus humanitären Gründen anerkannt und besitzen eine Aufenthaltserlaubnis, einige die echte Flüchtlingseigenschaft nach der Genfer Flüchtlingskonvention. Manche haben bereits ein Visumverfahren durchlaufen, das heißt, sie sind kurzfristig ausgereist und mit einem Visum der deutschen Botschaft als Migranten wieder eingereist und arbeiten nun hier als ausländische Arbeit-nehmer. Einige wenige Geflüchtete haben ihr Asylverfahren noch immer nicht abschließen können oder leben hier mit einer Duldung.

Unsere Aufgaben in Bezug auf die aufenthaltsrechtliche Integration hatten im letzten Jahr einen besonderen Schwerpunkt, nämlich Familienangehörige. Unsere Bemühungen bezogen sich auf die Aufenthaltssicherung für Familienangehörige, auf die Aufenthaltsverfestigung, zum Beispiel durch Niederlassungserlaubnis, und auf Familiennachzug. Bei der Aufenthaltssicherung für Familienväter ging es um traditionell geschlossene Ehen von Afrikanern, die nicht anerkannt werden, selbst, wenn sie von den Behörden im Herkunftsland beglaubigt sind. Sodass auch der Ehemann einer anerkannten Frau nur eine Duldung erhielt, aber durch einen festen Arbeitsplatz seine Chancen erhöhen konnte. Der sog. Spurwechsel einer wegen Bürgerkrieg im Herkunftsland hier Asylsuchenden zur Arbeitsmigrantin durch das Visumverfahren war für die Familienmutter erfolgreich, aber selbst die eigenen Kinder sind dadurch nicht automatisch mit dem gleichen Recht versehen, was weitere Schritte zur Existenzsicherung der Familie nötig macht. In Bezug auf Niederlassungserlaubnis erwies sich die Sonderregelung für anerkannte Jugendliche mit guten Schul- und Integrationsleistungen im Berichtszeitraum als nicht ohne weiteres umsetzbar, ist jedoch in Zukunft sicher zu erreichen. Schließlich erweist sich der Familiennachzug von Kindern aus Ländern, in denen sie besonders bedroht sind, wie Somalia, als extrem schwierig und langwierig. Erfolge sind andererseits bei der weiteren Sicherung des Aufenthaltsrechts durch Ausbildungsduldung und den Abschluss von anerkannten Ausbildungen durch bestandene Prüfungen zu verzeichnen.


Integration durch Sprache und Arbeit
  • Der Helferkreis ergänzt das Angebot der VHS Südost an Deutschkursen mit Deutsch-Training und Lernpatenschaften. Wir bezuschussen Kurs- und Prüfungskosten.
  • Der Arbeitskreis Job & Ausbildung unterstützt bei der Suche von Praktika, Ausbildungs- und Arbeitsplätzen. Mit dem Gewerbeverband Hohenbrunn erfolgt ein reger Austausch, es kam zu Jobvermittlungen. Die meisten Flüchtlinge, die arbeiten dürfen, und die Integrationskurse abgeschlossen haben, konnten inzwischen eine Arbeit beginnen. Hilfe bei Kündigungen zu Saison-Ende oder prekären Arbeitsverhältnissen sind weitere Aufgaben.
  • Junge Menschen mit Schulabschlüssen haben mit Ausbildungen begonnen, z.B. zum zahnmedizinischen Fachangestellten. Ein Familienvater begann eine Ausbildung als Elektroniker für Betriebstechnik bei der Deutschen Bahn. Berufsschüler erhalten von Lernpaten individuell Nachhilfe. Auszubildende konnten ihre Abschluss-Prüfungen erfolgreich ablegen, als Hotelfachmann, Kfz-Mechatroniker, Maler.
  • Dem Helferkreis ist es ein Anliegen, für die Mütter Qualifizierungen und Ausbildungen zu ermöglichen. Erfolgreich abgeschlossen wurden eine Qualifizierung im örtlichen Bonusmarkt und eine Office-Ausbildung an der VHS.
  • Begleitung zu Behörden und Unterstützung beim Ausfüllen von umfangreichen Formularen nehmen immer noch viel Zeit in Anspruch.
  • Paten lernen mit Kindern und Jugendlichen, die inzwischen auch Realschulen, Gymnasien oder Fachoberschulen besuchen. Intensiv werden junge Menschen auf ihre Abschlüsse an den Mittelschulen vorbereiten. Eine Absolventin der FOS begann das Studium Maschinenbau an der Hochschule München.
  • Schüler, Auszubildende, Arbeitssuchende erhielten Notebooks und Software, andere Rat und Hilfe beim Anlegen von Mail-Accounts, Internet-Anschlüssen usw.

Integration durch gesicherte Wohnverhältnisse

Mit einer sicheren, bezahlbaren Wohnung kann man die Zukunft planen, Kontakte mit Nachbarn schließen, sich einbringen in das Wohnumfeld. Solange das Bleiben in einer Asyl-Unterkunft unsicher ist, besetzen Angst und Unsicherheit einen guten Teil der Lebensenergie. Der Helferkreis unterstützt Flüchtlinge bei der Wohnungssuche, bei Umzügen, bei der Möbelbeschaffung, auch noch bei Verlust der Wohnung und Einweisung in eine Obdachlosenunterkunft.

Zwei alleinerziehende Mütter mit Kleinkindern zogen in Unterkünfte mit größerem Wohnraum, 6 Familien mit 12 Kindern und zwei Alleinstehende konnten in eigene Wohnungen ziehen.


Integration durch Teilhabe am sozialen Leben
  • Der Helferkreis Asyl war bei mehreren Veranstaltungen in der Öffentlichkeit mit seinem attraktiven Stand präsent: Beim Fest der Kulturen im Wolf-Ferrari-Haus Ottobrunn, beim Rie-West-Straßenfest des Gewerbeverbandes Hohenbrunn, beim Ottostraßenfest und bei der Bürgerversammlung Ottobrunn. Bei allen Festen wirkten Flüchtlinge mit, andere nutzten die Gelegenheit, den Stand und das Fest zu besuchen.
  • Der Frauen-Schwimmkurs mit einer Schwimmtrainerin des Phönix Sport Teams wurde durch eine zweite Staffel im Frühjahr vertieft. Die drei Kinderschwimmkurse des TSV Riemerling liefen bis zu den Sommerferien. Im Herbst begannen dann neue Kinderschwimmkurse in drei Leistungsgruppen mit dem Ziel Pinguin-, Seepferdchen- und Haie-Prüfung.
  • Die eigene Fußballmannschaft des Helferkreises „Ramasuri“ beteiligte sich an verschiedenen Turnieren und konnte Pokale nach Hause bringen. Die finanzielle Unterstützung einer Charity Organisation ermöglichte es, ins Trainingslager an die Ostsee zu fahren.
  • Das Team des Café International lädt einmal im Monat zur Begegnung von Flüchtlingen und Einheimischen ein. Das schöne Wetter erlaubte oft den Café-Betrieb im Garten des Evangelischen Jugendhauses. Das Café wird gerne von Familien besucht, der große Garten und der Spielplatz daneben sind ideal für Kinder. Flüchtlinge und Firmlinge der kath. Pfarreien arbeiteten im Betrieb des Cafés mit.
  • In sechs Tafelrunden „Über’n Tellerrand“ kamen sich Flüchtlinge, Migranten und Einheimische beim Kochen, Backen und Essen näher. Speisen aus Afghanistan, Syrien, aber auch deutsches Frühstück und deutsche Herbstküche boten Gesprächsstoff, um die Ess-Kulturen der Länder kennen zu lernen. Zwei der Termine fanden als Kochkurse von Senioren für Senioren in der AWO Kaiserstiftung in Riemerling statt.
  • Mütter aus Syrien und Afghanistan engagieren sich ehrenamtlich in der AWO Klawotte Kinder & Kreativ, im Seniorenzentrum Kaiserstiftung Riemerling und im Verein Mammalade für Karla e.V.
  • Ein Elternworkshop des Vereins Brücken Bauen e.V. bot afrikanischen Müttern die Möglichkeit, sich damit vertraut zu machen, wie Eltern und Kita-Einrichtung zum Wohle der Kinder zusammenarbeiten.
  • Im Kulturprojekt besuchten Flüchtlinge gemeinsam mit Paten Theater- und Musikvorstellungen im Wolf-Ferrari-Haus. Im Sommer wurden zwei Ausflüge nach München unternommen, in die Residenz und zum Schloss Nymphenburg. Eine Kunsthistorikerin führte –angepasst an den Teilnehmerkreis –in Geschichte und Kunstepochen ein.
  • Wir fördern die Teilnahme von Kinder und Jugendlichen an den Ferienprogrammen der Gemeinden und anderer Organisationen, ebenso die Mitgliedschaft in den verschiedensten Sparten der Sportvereine, bei den Pfadfindern, den Angeboten der Kirchen, des KJR, beim Ramadama und der Jugendbürgerversammlung. Ein Pfadi-Ferienlager in Holland und die Teilnahme am Weltpfadfindertreffen in Kanada konnte zwei Jugendlichen ermöglicht werden.
  • Die Flüchtlinge können sich lokal mit Kleidung, Spielsachen, Geschirr und Möbeln versorgen - dank der AWO Klawotten und der AWO Rumpelkammer. Bei der Beschaffung von Fahrrädern, beim Ersatz von Elektro-Großgeräten oder Reparaturen in der Wohnung hilft die Mobile Caritas Werkstatt. Der Caritas Ottobrunner Tisch ist eine große Hilfe für viele.

Entwicklung im Helferkreis
  • 125 Ehrenamtliche sind Mitglieder im Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn; darunter 15 Flüchtlinge. Die jüngsten Helfer sind 14 Jahre, der älteste ist 87 Jahre alt. Mitglieder scheiden aus, neue Mitglieder kommen dazu. Gegenseitiges Vertrauen, Kontinuität bei den Verantwortlichen im Helferkreis, die Kultur, sich miteinander zu freuen und auch zu feiern, tragen zum guten Miteinander im Helferkreis bei. Mitglieder können zeit- und ortsnah eine individuelle Supervision in Anspruch nehmen.
  • Der Helferkreis trifft sich dreimal im Monat im Pfarrsaal St. Magdalena. In internen Weiterbildungen wurde an 8 Treffen zu aktuellen Themen informiert und diskutiert. Individuell nutzen die Mitglieder die von vielen Organisationen angebotenen Weiterbildungen zu Flucht und Integration. Mitglieder nahmen an den Oberbayrischen Asylgipfeln in Tutzing und München teil, an der Demo „Ein Europa für alle“ und dem ökumenischen Gottesdienst für die Toten im Mittelmeer im Münchner Liebfrauen-Dom.
  • Mit der Integrationsbeauftragte der Gemeinde Ottobrunn besteht eine intensive Zusammenarbeit. In der Gemeinde Hohenbrunn ist die Stelle des Integrationsbeauftragten noch vakant. Der Austausch am Runden Tisch hat sich etabliert, zweimal jährlich im Rathaus Ottobrunn und in der Gemeinde Hohenbrunn. In der Caritas Asylsozial- und Migrationsarbeit gab es im Sommer personelle und strukturelle Änderungen, die Sozialarbeiter sind jetzt im Caritas Zentrum Ottobrunn in der Putzbrunner Str. 11 mit eigenem Büro und Sprechzeiten erreichbar.
  • Wir informieren die Öffentlichkeit über unsere Homepage, www.helferkreis-asyl.com, und in den Gemeindeblättern Hohenbrunn und Ottobrunn. Die Artikelserie „Wie gelingt Integration“ mit Berichten über die Geschichte unserer Flüchtlinge wurde fortgesetzt.

Eine Wohnung zu finden, ist eine der Hauptsorgen unserer anerkannten Flüchtlinge in Ottobrunn und Hohenbrunn. Bitte melden Sie sich bei Diakon Stocker, Tel. 089 / 42 00 179 - 01, E-Mail KStocker@ebmuc.de, wenn Sie dazu Auskünfte wünschen oder helfen können.

Mit Geldspenden von Privatpersonen, Organisationen und Gemeinden können Angebote für Flüchtlinge finanziert werden, in Notlagen kann individuell und unbürokratisch geholfen werden. Dafür danken wir allen Spendern herzlich!

„So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Bürger“, diese Worte aus dem Epheser-Brief im Neuen Testament werden auch im kommenden Jahr Leit-Motto für den Helferkreis sein.


Heidi Maurer und Claudia Bernardoni
Sprecherinnen Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn




Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn (Dezember 2019)

Flüchtlinge erleben Kultur

Deutsche Kultur sollte für Flüchtlinge nicht allein bedeuten: S-Bahn-Fahrten, Formulare für alle Lebenslagen, aber auch nicht nur Kartoffelsalat, Brezen und Weißwurst oder die »Wiesn«. Der Begriff Kultur wird viel zu häufig im Sinn von »unsere Kultur« als Gegensatz zu »fremden Kulturen« gebraucht. Kultur heißt vor allem, großartige Ereignisse zu genießen, sich gut zu unterhalten und zu bilden. Als Linda Stiller vom örtlichen Helferkreis Asyl hörte, dass Flüchtlinge oft nicht mehr kennen als den Weg von Ottobrunn zum Landratsamt, dachte sie sich: Das müssen wir ändern.
Sie machte im Helferkreis den Vorschlag zu einem spendenfinanzierten Kulturprogramm und begann im September 2018 – zunächst mit einem kleinen Budget – Besuche bei Vorstellungen von Theateraufführungen im Wolf- Ferrari-Haus zu organisieren. Jeweils zwei bis drei Flüchtlinge konnten sich aus dem Kreis der Patenschaften des Helferkreises melden. Seither erhalten Flüchtlinge einmal im Semester eine Eintrittskarte; begleitende Helfer zahlen selbst.
Im November 2018 besuchten syrische und afghanische Flüchtlinge mit guten Deutschkenntnissen »Hamlet« und die Oper »Carmen«, die viel Gefallen fand, auch aufgrund der eindrucksvollen Ausstattung und weil Linda Stiller zuvor die Handlung erklärt hatte. Den Abschluss machte »Im weißen Rössl« im Januar. Für die Flüchtlinge mit an Orientalisches gewöhnten Ohren war es ungewohnte Musik. Die Reaktionen in waren aber positiv: »lustig« und »gut«.

Ausflüge zu Schlössern und Museen
Als die Veranstaltungsreihe zu Ende war, tauchte die Frage auf: Was machen wir jetzt? Die Idee, Ausflüge zu Schlössern und Museen, fand Zustimmung. Das erste Ziel war im März die Münchner Residenz. Linda Stiller gewann die vhs-Dozentin Ursula Merz-Georgii für die Führung und 15 Personen staunten über die prachtvolle Einrichtung, das eindrucksvolle Aquarium und den Kaisersaal, in dem große bayerische Staatsempfänge stattfinden.
Der nächste Ausflug im August führte wieder mit Ursula Merz-Georgii in das Schloss Nymphenburg, und diesmal waren sogar 20 Personen, davon die Hälfte Kinder, mit von der Partie. Im steinernen Saal begutachteten die Handwerker unter den Flüchtlingen fachkundig die Stuckarbeiten, im Jagdschlösschen interessierten sich vor allem die Kinder für die Jagdhundeboxen und die Hirschgeweihe und in der historischen Küche vor dem offenen Kamin redeten die Frauen über den doch sehr angenehmen Standard beim Kochen hier bei uns heutzutage. Nach der Besichtigung der Ahnengalerie, u.a. mit dem Porträt von Lola Montez, waren alle begeistert von dem Ausflug.
Für das Kulturprogramm des Winters sind schon einige Events geplant: Vor allem die »Zauberflöte« und »Mutter Courage« stellen verlockende und wichtige Kulturerfahrungen dar. So ist das Kulturprogramm des Helferkreises ein voller Erfolg. Kultur ist kein alter Hut; für Flüchtlinge hat sie den Zauber des Unbekannten, Nichtalltäglichen, Erstaunlichen in Gegenwart und Vergangenheit.
Claudia Bernardoni / MO (Foto: privat)


Nach der Besichtigung des Schloss Nymphenburg freuten sich vor allem die Kinder darüber, die Enten im Schlosspark zu beobachten.


(„Mein Ottobrunn“, 12/2019, Seite 20)





Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn (Dezember 2019)

Weihnachtgeschenke für Flüchtlingskinder

Immer wieder treten Bürger und Institutionen an uns heran, die den Flüchtlingskindern etwas schenken möchten. Viele Flüchtlingsfamilien wohnen in beengten Wohnungen und sind häufig schon eine Weile hier. Die Grundbedürfnisse an Kleidung und Spielsachen sind gedeckt, u.a. auch weil die Eltern günstig in der Klawotte einkaufen können.

Aus unserer Sicht eignen sich daher Aktionen, die den Kindern Gelegenheiten bieten, Deutsch zu sprechen, Zeit mit Einheimischen zu verbringen und aus den engen Wohnungen herauszukommen. Ideen wären z.B.:

  • Gemeinsamer Besuch eines Puppentheaters / Kindertheaters / Konzertes / Zirkus
  • Gemeinsamer Besuch des Christkindlmarktes
  • Einladung zur Faschingsfeier oder Weihnachtsfeier im Verein, Kindergarten oder in der Schule
  • Schwimmbad-Eintrittskarten oder gemeinsamer Besuch
  • Kino-Eintrittskarten oder gemeinsamer Besuch
  • Einladung zum Schlittenfahren, Eislaufen oder einen Ausflug

Besonders geeignet für Unternehmungen sind die Schulferien, in denen die Kinder oft wenig Kontakt zur „deutschen“ Umgebung haben.

Gerne können sie auch auf unser Konto spenden. Mit diesen Spenden finanzieren wir z.B. Schwimmbadkarten, Theaterkarten, Feiern, Sportartikel, Teilnahme an Ferienkursen für die Kinder.

Alle Familien haben Paten im Helferkreis. Bitte sprechen Sie uns an, die Paten werden sich dann mit Ihnen in Verbindung setzen.





Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn (Dezember 2019)

Syrische Familien luden zum Kochkurs ein

Schon von weitem lockte ein exotischer Duft die Gäste, die an einem Oktoberabend in den Seniorentreff Kaiserstiftung in Riemerling kamen.
Zwei syrische Familien luden am Nachmittag zu einen dreistündigen Kochkurs und weihten fünf Frauen und zwei Männer in die Geheimnisse der syrischen Küche ein. Eifrig wurde geschnippelt und gerührt, und dabei über die besten Einkaufsquellen für Lammhackfleisch und große Mengen Petersilie diskutiert. Das Abschmecken mit den orientalischen Gewürzen übernahmen dann die Syrerinnen Eida und Sana.
Eine wichtige Regel in syrischen Familien lautet: Alleine essen geht gar nicht! Man wartet, bis alle Familienmitglieder zu Hause sind. Zusammen schmeckt es einfach besser. So wurde dann auch für die geladenen Gäste mit gedeckt. Alles kommt gleichzeitig auf den Tisch: orientalische Vorspeisen wie Hummus, Auberginenmus, Tabouleh-Salat, neben würzigen Fleischbällchen und Geflügelteilen, die mit aromatisiertem Reis, Kartoffelauflauf, gefülltem Gemüse, Joghurtsauce, verschiedenen Salaten und Fladenbrot gegessen werden. Den krönenden Abschluss bildete eine Süßspeise aus Gries, Mascarpone, Rosenwasser und Pistazien, genossen mit einem Tässchen Mokka mit Kardamom.
Im November revanchierten sich die Senioren mit einem Kochkurs. Gemeinsam mit interessierten Frauen und Männern aus dem Irak, Syrien, Angola und dem Kamerun wurde ein typisch deutsches Herbst-Menü gekocht.
„Wir wollen, dass Menschen, die sich sonst nie getrof¬fen hätten, an einem Tisch zusam¬men kommen. Das Essen und die Zubereitung sind oft ein guter Einstieg ins Gespräch“, so die Initiatorinnen des Helferkreis-Projektes „Über’n Tellerrand“.
Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn

("Gemeindeblatt Hohenbrunn", 12/2019, Seite 59)




Flüchtlingsfußballmannschaft »Ramasuri« an der Ostsee (September 2019)

Quer durch die neue Heimat

Jedes Jahr fährt die Flüchtlingsmannschaft »Ramasuri« des Helferkreises Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn für drei Tage ins Trainingslager – bisher immer in die bayerischen Berge. Doch dieses Jahr konnte die Mannschaft an die Ostsee reisen. Eine Freundin der Betreuerin Brigitte Barthmann hatte sie in ihr Haus an der Lübecker Bucht eingeladen. Dank einer Spende, die der Gymnasiast Timon Gregg über die soziale US Organisation »Greenheart« vermitteln konnte (wir berichteten in Mein Ottobrunn 4-2019), wurde die Bahnfahrt bezahlt. So erlebten 13Männer im Alter von 22 bis 30 Jahren (neun Afghanen, ein Syrer und drei Eritreer) fünf schöne Tage an der Ostsee und lernten weitere Teile ihrer neuen Heimat kennen.

Fußball auf dem Dorfplatz
Gleich nach der Ankunft gingen alle Mannschaftsmitglieder zum Baden in die Ostsee. Die meisten sind Nichtschwimmer und waren begeistert vom flach abfallenden Wasser. Schon bald konnten die Nachbarn hören, dass die bayerischen Fußballer angekommen waren.
Im Garten der Gastunterkunft war genug Platz für Sport aller Art: Volleyball, Badminton und Boccia wurden täglich gespielt. Einmal machten sie auch einen Ausflug zu einem Minigolfplatz.
Um Fußball zu spielen, nutzten die Spieler den Sportplatz im Dorf. Der lag allerdings nahe an Privatgrundstücken, so dass der Ball in einem Garten landete. Einer der Spieler holte ihn zurück, und der ältere Hausbesitzer fragte den Mann neugierig, woher er denn käme. »Aus Bayern« sagte der junge Mann, denn das ist nun – nach einer langen Flucht – seine neue Heimat. Der Hausbesitzer hatte natürlich das Herkunftsland des Fußballers wissen wollen. Er erfuhr, dass er aus Afghanistan kam. Um sicher zu gehen, dass der junge Afghane die hiesigen Regeln einhielt, teilte er ihm noch mit, dass ab 13.00 Uhr nicht mehr gespielt werden dürfte. Generell war das Thema Regeln und deren Einhaltung in der Gesellschaft ein großes Thema in diesen Tagen. Nicht etwa das Einhalten der Hausregeln. Nein, es ging um etwas anderes: Am Strand stand ein Schild mit einem FKK-Verbot. Trotzdem tummelten sich immer wieder Nackte dort. Das führte bei den Flüchtlingen zu Diskussionen. Warum sich manche Deutsche denn nicht an die eigenen Regeln halten und warum ihnen auch dann nichts passiert, wenn sie hartnäckig dagegen verstoßen. Und warum noch nicht mal jemand wagt, sie auf das Verbot aufmerksam zu machen, wurde immer wieder gefragt.

Geliebter Blick aufs Meer
Im Haus der Gastgeberin herrschte gute Stimmung; es wurde gemeinsam gekocht und gegessen, Musik gehört und Karten gespielt. Die jungen Männer saßen gerne am Grundstücksende auf einer Bank unter einer alten Kastanie und genossen den Ausblick übers Meer, besonders als sie ein Fernglas entdeckt hatten. Die Gastgeberin, eine Biologin, erklärte ihnen die Dünenbepflanzung und den Naturschutz sowie die Lebensweise der Fledermäuse, die abends durch den Garten schwirrten. Zum Dank für ihre Gastfreundschaft halfen die jungen Männer bei Garten- und Hausarbeiten. Einer schaufelte das lange nicht mehr benutzte Feuerloch aus. So gab es am letzten Abend ein Lagerfeuer mit Blick über die Ostsee und langen Gesprächen.

Gegenbesuch und Einladung
Inzwischen ist die Gastgeberin in Ottobrunn zu Besuch gewesen, hat ein afghanisches Menü genossen und der Gruppe erneut eine Einladung für den nächsten Sommer ausgesprochen. So haben die jungen Männer einmal quer durch Deutschland ein Band geknüpft.
MO

Die Mitglieder der »Ramasuri«-Mannschaft genossen es, auf der Bank unter der alten Kastanie zu sitzen und auf die Ostsee zu schauen. Foto: privat

(„Mein Ottobrunn“, 09/2019, Seite 24, „Gemeindeblatt Hohenbrunn“, 10/2019, Seite 62)





Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn (September 2019)

Aus Ottobrunn zum Weltpfadfindertreffen in den USA

Das World Scout Jamboree 2019 fand vom 22. Juli bis 02. August in West Virginia, USA, statt. Jamboree, ein Wort mit ungeklärter Herkunft und Bedeutung, vielleicht ehemals das friedliche Treffen verschiedener indianischer Stämme, heißt für die Pfadfinder heutzutage Spaß, Abenteuer, fremde Kulturen, internationaler Austausch und viele neue Freunde aus der ganzen Welt. Theresa, 16 Jahre, älteste Tochter einer Flüchtlingsfamilie aus Uganda, die wir seit vielen Jahren betreuen, ist seit 2012 Mitglied bei den St. Georgs-Pfadfindern Ottobrunn. Die Pfadfinderin, die auch weiter dabei bleiben und weitere Stufen im Rang hinaufklettern möchte, besucht ab September eine Fachoberschule. Diesen Sommer hatte sie die einzigartige Gelegenheit, am alle vier Jahre stattfindenden Weltpfadfindertreffen teilzunehmen.

Eingeladen hatten die Pfadfinder aus den Vereinigten Staaten, aus Kanada und aus Mexiko. Insgesamt versammelten sich 45 0000 Jugendliche im Alter zwischen 14 bis18 Jahren aus 152 Ländern im Hauptlager in West Virginia. Das deutsche Kontingent, bestehend aus allen Pfadfinderorganisationen des Landes, war mit 1300 Teilnehmern nach den Briten und den Schweden die drittgrößte Nationalitätengruppe. Aus dem Ottobrunner Stamm kamen 25 Jugendliche. Zwei Jahre lang haben sich die Stämme an den verschiedenen Orten auf die Reise vorbereitet. Nicht nur für das deutsche Programm, sondern auch um durch Aktionen, wie Musik machen, Kuchen backen und verkaufen, Geld für die Teilnahme von Jugendlichen aus bescheidenen Verhältnissen und für die Unterstützung von Kontingenten aus ärmeren Ländern zu sammeln. Spenden der Pfadfinder, der Erzdiözese München und aus privater Quelle ermöglichten Theresa B. die Reise zum Jamboree.

Nach drei Tagen im Vorlager der Deutschen in Goshen bei Washington D.C., in denen die Jugendlichen auch die amerikanische Hauptstadt sahen, etwa von außen das Weiße Haus, ging es weiter nach West Virginia zum Hauptlager auf dem Summit Bechtel Reserve. Dort wurden die sechs base camps errichtet, wobei die nationalen Kontingente immer auf verschiedene Camps verteilt biwakierten, die Deutschen in schwarzen Zelten, Theresas Gruppe zusammen mit Amerikanern, Polen, Briten, Japanern, Chinesen, Mexikanern, Kanadiern, Koreanern und Jugendlichen aus Katar. Als sie am Abend der Ankunft ihre Zelte aufschlugen, regnete es heftig, die Tagestemperaturen von bis 38 Grad in Goshen waren plötzlich nur noch 24 Grad in West Virginia und vor allem sank die Nachttemperatur auf den Nullpunkt. Auf Rat der Leiter hatten die Deutschen nur Sommerschlafsäcke mitgebracht. Kein Wunder, dass Theresa krank wurde. Sie musste vier Tage im Lager verbringen und wurde im „Sani-Zelt“ behandelt, während die anderen bereits auf eigene Faust losziehen konnten. Aufgabe des Jamboree war, Kontakte zu machen, Freunde finden und auf diese Weise Brücken zwischen den Nationen bauen. Zu diesem Zweck hatte jeder „Pfadi“ eine elektronische Novusuhr, auf der die persönlichen Daten eingespeichert waren. Wenn die Jugendlichen einander kennenlernten, legten sie die Displays der Geräte aufeinander und tauschten damit ihre Daten aus. Außerdem wurden „badges“ (Abzeichen der einzelnen Stämme) ausgetauscht, um später zu Hause auf die Kluft genäht werden. Theresa kommunikativ und muttersprachlich englisch, holte die verlorene Zeit rasch nach und half ihren deutschen Begleitern auf Spaziergängen durch die Base-Camps auch manchmal sprachlich aus.


Foto: Christian Schnaubelt

Das Motto des Jamborees war „unlock a new world“ (Erschließen wir eine neue Welt). Dazu gab es Anregungen im „global development village“, bei den Deutschen zum Thema Umwelt und Klima. Theresa und ihre Freunde staunten nicht schlecht, als sie im Zelt der Tschechen erfuhren, dass Pfadfinderorganisationen nach Niederschlagung des Prager Frühlings im Jahr 1968 für viele Jahre verboten waren, ihre Leiter ins Gefängnis kamen und sich durch Klopfzeichen nach dem Morsealphabet verständigten. Das konnten Theresa und ihre Freunde praktisch ausprobieren. Die Kulturen der verschiedenen Länder wurden jedoch auch an lustigen Beispielen dargestellt. So konnte man sich im britischen Zelt zusammen mit der Queen (aus Holz) fotografieren lassen. Die Mexikaner boten ausgezeichnetes Essen zum Weinen an, bei den Chinesen konnte man sich ein Tattoo mit chinesischen Tierkreiszeichen auf die Haut zaubern lassen, oder mit ägyptischen Jugendlichen konnte man tanzen, was Theresa besonders gefiel. Sie erzählte, dass die deutschen Mädchen gern tanzten, die Buben aber ihre Scheu erst am Abschlussabend überwanden.

Sportlich gab es ein überaus reichliches Angebot. Theresa übte Mountainbiken, Skaten und Tauchen mit Sauerstoffgerät. Ein Konzert begeisterte sie, weil die Broadwaystars aus den Disney Filmen auftraten mit legendären Songs, etwa von Mary Poppins, Tarzan oder König der Löwen. „Damit bin ich aufgewachsen, – wow – die live zu erleben, das war unglaublich cool!“

Claudia Bernardoni




Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn (August 2019)

Straßenfeste – Gelegenheit für Begegnung und Information

„Kommen denn noch neue Flüchtlinge in unsere Gemeinden?“ „Wie kann man jetzt noch helfen, ist nicht schon alles geregelt?“ Diese und ähnliche Fragen beantworten die Mitglieder des Helferkreises an ihrem Stand bei den örtlichen Straßenfesten. Manche der zu uns geflüchteten Menschen sind inzwischen selbst Mitglieder im Asylhelferkreis, und bereichern mit ihren Fertigkeiten den Helferkreis-Stand. So gab es schon musikalische Auftritte mit Gesang und Tanz, süße Kostproben aus den Heimatregionen. Mutige konnten sich Dread Locks flechten lassen. Interessierte Besucher haben Gelegenheit, sich persönlich mit Menschen aus vielen Ländern zu unterhalten und Info-Material mitzunehmen.
Und nicht zuletzt kommen die Flüchtlinge selbst gerne als Besucher am Stand des Helferkreises vorbei und genießen die offene und heitere Atmosphäre auf den Straßenfesten. Sie können Kontakte zu Vereinen, Organisationen und Arbeitgebern knüpfen. Beim Rie-West-Fest des Gewerbeverbandes Hohenbrunn im Mai 2019 in Riemerling präsentierte ein afghanischer Familienvater seinen Buben stolz den Stand seines Arbeitgebers!
Um eine der Fragen oben gleich hier zu beantworten: Ja, es werden zu Beginn des neuen Schuljahres wieder Lernpaten gesucht, für Kinder in Grundschulen, Realschulen, für Azubis, zur Vorbereitung auf Deutschprüfungen. Es werden Patinnen gesucht für Frauen und Mütter mit Kindern. Es werden Wohnungen gesucht für große Familien. Weitere Informationen dazu können Sie am Helferkreis-Stand auf dem Ottostraßenfest erhalten, am Samstag, den 7. September, ab 11 Uhr. Oder per E-Mail an info@helferkreis-asyl.com.

Helferkreis-Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn




Helferkreis Asyl: Gelungene Integration – Teil 8 (7): (Juni 2019)

Ein bayerischer Syrer

Abdu, Jahrgang 1988, kommt aus dem syrischen Aleppo. Der Familie ging es gut. Abdu konnte eine englische Privatschule mit Internat besuchen und nach dem Abschluss in Damaskus Betriebswirtschaft studieren. Nach vier Jahren machte er seinen Bachelor und ging noch für ein Jahr ans Goethe-Institut, um die deutsche Sprache und Literatur zu studieren. Er legte die Deutsch-Prüfung ab. Weil er drei Jahre lang mit deutschen Architekturstudenten in Damaskus zusammenwohnte, sprach er fließend und mit um-fangreichem Wortschatz. Sogar ein Master-Studium in Hamburg war von der Familie für ihn als Grundstein für seine Karriere geplant. Doch der Krieg machte diese Pläne zunichte. Aleppo war im Sommer 2012 Ziel schwerer Angriffe von Assads Truppen: Dabei wurde auch das Haus von Abdus Familie zerstört. Abdu floh nach Istanbul, arbeitete dort für ein Reisebüro und versuchte, ein Visum für das Studium in Deutschland zu bekommen. Vergeblich, denn er hatte keine Zeugnisse und Dokumente bei sich. 2015 entschloss er sich, trotzdem nach Deutschland zu gehen.

Die Flucht begann
Abdu bestieg in Izmir ein Boot, das ihn auf die griechische Insel Lesbos bringen sollte. Es geriet in bewegte See und kenterte. Abdu musste viele Stunden schwimmen, um an Land zu kommen. Und das im Winter. Nach zwei Tagen im Krankenhaus von Mytilene war er wieder auf den Beinen. Gemeinsam mit einem Tross von Flüchtlingen, darunter viele Familien mit Kindern, durch den Balkan, wanderte er über Ungarn und Slowenien nach Österreich. Auf dem ganzen Weg übersetzte er für alle und für die Mitarbeiter vom Roten Kreuz Arabisch-Englisch und Arabisch-Deutsch. Endlich kamen sie an die österreichische Grenze. Als sie eine Bahnstation passierten, hörte Abdu die Lautsprecher-stimme: Achtung, Achtung, ein Zug fährt durch. »Ich hörte Deutsch«, erzählt Abdu. Das war der beste Moment seit 4.000 Kilometern Weg. Von Wien nahm er den Zug nach München. Dort angekommen, rief er einen seiner Studienfreunde aus der Zeit in Aleppo an. Der fiel aus allen Wolken – und kam sofort aus Nürnberg, um ihn in der Erstaufnahmeeinrichtung zu besuchen. Nach der Anhörung beim Bundesamt erhielt Abdu bald eine Aufenthaltserlaubnis für drei Jahre. Das versetzte ihn in die Lage, seine Zukunft ohne fremde Hilfe in sichere Bahnen zu lenken. 2017absolvierte er seinen Integrationskurs mit Abschluss auf Niveau B2 und machte ein Praktikum im Management-Bereich bei BMW. Nachdem er – wie viele Praktikanten – nicht übernommen wurde, schrieb er Bewerbungen, um eine Stelle in der Gastronomie zu finden. Mit seiner Bewerbung um eine Wohnung in Riemerling hatte er auf Anhieb Glück.

Ausbildung zum Hotelfachmann
Schon bald erhielt er auf seine Bewerbung Antwort vom Brauereigasthof Aying. Direktor Christian Hollweck lud ihn zum Vorstellungsgespräch ein und bot ihm daraufhin eine Stelle an. Zunächst arbeitete Abdu im Minijob, begann jedoch im Januar 2018 mit der Ausbildung zum Hotelfachmann. Abdu kommt mit Kollegen und Vorgesetzten gut aus. Die Familien Inselkammer und Hollwick sind zufrieden mit seiner Arbeit und freuen sich über seine Aufgeschlossenheit und gute Laune. Abdu arbeitet gern, unter anderem im Biergarten Bräustüberl mit seinem Chef Alexander Moosbauer. Von ihm hat er viel über die bayerische Wirthauskultur gelernt. Einmal in der Woche geht er wie viele Azubis zur Nachhilfe ins Kolpinghausnach München. Trotz alldem findet Abdu noch die Zeit, im Helferkreis Asyl mitzuarbeiten und Landsleute zu betreuen.

Bayerische Episode
Von seiner Arbeit erzählt er noch eine echt bayerische Episode: Als er den zweiten Tag im Ayinger Bräustüberl hinter der Theke stand, kam ein Stammgast mit Gamsbart auf dem Hut und in Lederhose auf ihn zu und sagte: »Eh, du, a Halbe!« Abdu verstand gar nichts – und griff nach seinem Handy. Zum Glück gibt es Suchmaschinen. Da stand: eine Halbe – ein halber Liter Bier. Abdu konnte den Kunden bedienen. Am nächsten Tag kam der Kunde zu-rück. Abdu wartete nicht lange, sondern rief ihm zu: »Eh, du, a Halbe?« Der Mann und seine Freunde brachen in schallendes Gelächter aus. Von daan fragten sie immer nach ihm, wenn er mal nicht da war.

Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn
(„Mein Ottobrunn“, 07/2019, Seite 21)




Helferkreis Asyl: Gelungene Integration – Teil 7 (6): (Juni 2019)

Eine ganz normale Familie

Nach seinem Abschluss der höheren Schule im Irak wurde der19-jährige Faris N. sofort als Sol-dat eingezogen und musste unter Diktator Saddam Hussein acht Jahre lang im ersten Golfkrieg zwischen dem Iran und Irak (1980-1988) kämpfen. Zwei Jahre später begann der Kuwait-Krieg (zweiter Golfkrieg 1990-1991), zu dem er erneut eingezogen wurde. Wieder zu Hause in Bagdad beschützte er als Soldat die chaldäische Kirchengemeinde. Er begleitete die Priester als Bodyguard. Nebenher betrieb er ein kleines Fuhrunternehmen. 1993 heiratete er seine Rita und sie bekamen vier Kinder. Rita erzählt: „Ich hat-te immer wieder große Ängste: Bagdad war zerbombt, Kinderwurden entführt und getötet, Eltern erpresst, Menschen auf der Straße ausgeraubt.“ Da fasste die Familie den Entschluss, das Land zu verlassen.
Faris floh im November 2011 über die Türkei nach Griechenland und weiter auf dem Landweg bis nach Deutschland. Das kostete sehr viel Geld. Glücklicherweise fand er in München Aufnahme bei seinem Bruder. Im Rahmen der Familienzusammenführung konnte Rita Ende2012 mit den vier Kindern nach-kommen; die Familie war wiedervereint. Sie wurden als Flüchtlinge anerkannt und bekamen staatliche Unterstützung und Hilfe von Verwandten, die schon länger in Deutschland lebten. Im April 2014 konnte die Familie in eine Wohnung in Ottobrunn ziehen.

Alltag der Familie
Der Familienvater ist schon seit langem sehr krank; doch dank der guten ärztlichen Versorgung hier ist sein Gesundheitszustand stabil. Er lernt fleißig Deutsch: zunächst bei verschiedenen Kur-sen. Inzwischen übt ein Ehren-amtlicher des Helferkreises Asyl einmal in der Woche mit ihm. Mutter Rita hat Deutsch-Kurse bis zum Niveau B1 geschafft. Ihren technischen Beruf kann sie in Deutschland nicht ausüben, daher möchte sie gerne als Friseurgehilfin arbeiten.
Tochter Olfia (23) wird im Juni ihre Ausbildung als zahnmedizinische Fachangestellte in einer kieferorthopädischen Praxis beenden. Vor kurzem hat sie ihren Führerschein gemacht, für den sielange gespart hat.
Sohn Fadi (19) besuchte bis vorkurzem die Carl-Steinmeier-Mittelschule, wo er sich wohl fühlte. Die Lehrer und Sozialpädagogen schätzten ihn und halfen ihm beider Integration. Zurzeit arbeitet er als bezahlter Praktikant in einer Zahnarztpraxis und beginnt dort im September eine Ausbildung als zahnmedizinischer Fachangestellter.
Der jüngere Sohn Joseph (12) hatte lange mit den Folgen der Umsiedlung zu kämpfen; er störte öfter im Unterricht. Lehrer und Eltern zeigten jedoch Verständnis und mittlerweile kommt er gut zurecht. In seiner Freizeit spielt Joseph gerne Fußball beim TSV Ottobrunn.
Santa (10), die Kleinste, ist ein fröhliches Kind und eine gute, eifrige Schülerin. Zusammen mit Joseph lernte sie beim TSV Hohenbrunn-Riemerling Schwimmen und beide machen bei den Ferienprogrammen und Sportcamps der Gemeinden mit.

Familienfest gefeiert
Die Familie gehört der chaldäisch-katholischen Kirche an, einer mit Rom unierten Ostkirche. Die Liturgiesprache ist Aramäisch, die Sprache, die Jesus gesprochen hat. Die Familie besucht regelmäßig den Gottesdienst der irakischen Gemeinde in der St. Wolfgang-Kirche am Rosenheimer Platz. Dort gingen Josef und Santa auch zur Ersten Hl. Kommunion. Nach orientalischem Brauchwurden die beiden geehrt wie Prinz und Prinzessin. Mit über 100Gästen feierten sie im Pfarrsaal von St. Albertus Magnus; ein Fest fast wie zuhause in ihrer irakischen Heimat.

Herzenswünsche
Auf die Frage nach den Herzens-wünschen antwortet Mutter Rita, dass sie gerne öfter mit ihren sechs noch lebenden Geschwistern zusammen sein möchte; Vater Faris wünscht sich Frieden und Freiheit auf der ganzen Welt.

Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn
(„Mein Ottobrunn“, 06/2019, Seite 14)




Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn (Juni 2019)

Sicher in die Sommer-Badesaison

Im Herbst 2018 startete der TSV Riemerling im Riemerlinger Hallenbad wieder mit neuen Schwimmkursen für über 30 Flüchtlingskindern im Alter von 6 – 14 Jahren, in der Pinguin-, der Seepferdchen- und der Haie-Gruppe. Das Durchschnittsalter ist höher als in den üblichen Kinder-Schwimmkursen, durch wenig private Übungs-Möglichkeiten haben die Kinder hier ausreichend Zeit, sicher schwimmen zu lernen. Vor Ostern erhielten die begeisterten Kinder ihre Urkunden, für das Seepferdchen eine Medaille und in der Haie-Gruppe ein Vereins-T-Shirt. Im Mai konnten neue Kinder beginnen.
Auf die Frage, was im Kurs besonders gefallen hat, verraten Hamza und Mustafa „Dass wir die ganze Zeit spielen, und dabei auch viel üben“. Gift aus Nigeria ist froh, dass sie jetzt in tiefem Wasser gut schwimmen kann. Sumaya, Dila und Amir lieben das Springen. Sami aus Afghanistan sagt „Dass wir viel spielen und neue Freunde haben, hier neben mir sitzt mein syrischer Freund. Ich möchte im See schwimmen können.“ Dieser Wunsch kann jetzt in den Ferien sicher erfüllt werden!
In den Heimatländern hatten viele Mütter der Kinder keinerlei Möglichkeiten, schwimmen zu lernen. Manche waren auf der Flucht in Booten traumatischen Situationen ausgesetzt. Damit sie die Angst vor dem Wasser verlieren, und ihre Kinder ins Freibad begleiten können, wurde im Winter ein zweiter Schwimmkurs in kleiner Gruppengröße und nur für Frauen im Schulschwimmbecken der Grundschule Lenbachallee durchgeführt. Das Phönix Sport Team stellt die Trainerin. Von viel Lachen in geschützter Umgebung war dieser Kurs begleitet, aber auch von Ängsten, die im Einzelfall auch bleiben können.
Frauen und Kinder, die bisher nicht vom Helferkreis Asyl angesprochen wurden, können sich gerne beim Helferkreis Asyl Ottobrunn / Hohenbrunn melden, per E-Mail info@helferkreis-asyl.com. Im Herbst 2019 werden die Schwimmkurse fortgeführt.

Helferkreis-Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn
(Auch: Gemeindeblatt Hohenbrunn, Ausgabe 06/2019, Seite 49 )




Helferkreis Asyl: Gelungene Integration – Teil 6 (5): (April 2019)

Motivierte Auszubildende

Im vergangenen Jahr haben Schülerpaten des Helferkreises Asyl Ottobrunn / Hohenbrunn zwei jungen Schulabgängern der Mittelschule geholfen, einen Ausbildungsplatz zu finden. Die Erfahrungen waren ganz unterschiedlich. Sowohl der damals 17- jährige Afghane Eman als auch die 15-jährige Jasmine aus Uganda hatten ihren Quali-Abschluss im ersten Durchgang bestanden; und das nach nur dreieinhalb Jahren Aufenthalt in Deutschland. Beide waren mit Blick auf einen Ausbildungsplatz hochmotiviert.

Schwieriger Start für Eman
Damals, gleich nach seiner Ankunft in München, hatte Eman einen Blinddarmdurchbruch. Er kam unbegleitet hierher und war sehr dankbar für all die Hilfe. Schon damals hatte sich der Wunsch festgesetzt, eine Ausbildung im medizinischen Bereich zu machen. Er absolvierte daher bei mehreren Ärzten ein Praktikum. Leider ergaben sich daraus keine Ausbildungsstellen, da die Praxen zu klein waren, um jedes Jahr einen Lehrling zu nehmen. Doch er bekam gute Praktikumszeugnisse.
Also machte er sich zusammen mit den Schulpaten vom Helferkreis auf die Suche; Stellenanzeigen gab es reichlich. Wenn Praxen in der Nähe waren, brachte Eman seine Bewerbungen meist selbst vorbei. Nach fünf Monaten intensiver Suche hatte der junge Afghane endlich Erfolg. Seit September 2018 ist er Azubi in einer Münchner Zahnarztpraxis. Sie wird von einer Frau geführt.
In den meisten Fällen bekam er jedoch nicht einmal eine Antwort auf seine Bewerbung; auch auf Nachfrage nicht. Auch stellte Eman fest, dass der Beruf des zahnmedizinischen Fachangestellten sehr frauen-dominiert ist. Mit seiner Ausbildungspraxis ist Eman jedoch sehr glücklich; er hat die Probezeit gut bestanden.

Patin unterstützte Jasmine
Jasmine, heute 17 Jahre alt, hatte schneller Erfolg. Der Arzt ihrer letzten Praktikumsstelle vermittelte sie gleich weiter an einen Kollegen in der Nähe. Die Unterstützung der Patin war auch hier äußerst hilfreich. Nach Praktikumsplätzen suchte sie nur unter den ihr bekannten Betrieben. Anschließend begleitete sie Jasmine zu den Praktikumsplätzen. Jasmine macht nun – wie Eman - seit September 2018 ihre Ausbildung zur zahnmedizinischen Fachangestellten und ist sehr zufrieden. Ihr Chef lobt sie, und dem Unterricht in der Berufsschule kann sie auch gut folgen.

MO (Foto: privat)
(„Mein Ottobrunn“, 04/2019, Seite 19, „Gemeindeblatt Hohenbrunn“, 07/2019, Seite 53)




Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn (März 2019)

Fest der Kulturen 2019

Am 17. März 2019 hat der Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn am 7. Fest der Kulturen teilgenommen, das wie zuvor die Agenda Ottobrunn-Neubiberg veranstaltete. Unser Stand, reich ausgestattet mit Informationsmaterial und dekorativen Stücken aus den Herkunftsländern der Flüchtlinge, war wieder ein Anziehungspunkt für Besucher beim Markt der Initiativen und Kulturen. Viele Helfer, aber auch viele Flüchtlinge betreuten den Stand und beteiligten sich an den Gesprächen mit den Besuchern. Ein besonderes Angebot waren Proben von Fruchtblättern – Früchte aufs Wesentliche reduziert – des Start-Up-Unternehmens „Fruchtschmaus“, das von einer Russin aus dem Kreis unserer anerkannten Flüchtlinge mitbegründet wurde. Neu war dies Jahr ein Informationsstand über Kamerun. Er war von einem kamerunischen Arzt und seiner Frau, die mit dem Helferkreis kooperieren, mit ausgerichtet worden. Neben uigurischen und mongolischen Darbietungen auf der Bühne, legten ein kamerunscher Mini-Tanz-Workshop und der Kamerun-Stand Zeugnis ab für die ständige Erweiterung des interkulturellen Horizonts in unserer Region.


Foto: Evelyn von Hörmann

Foto: Evelyn von Hörmann

Foto: Gunter Hahn






Helferkreis Asyl: Gelungene Integration – Teil 5 (4): (Februar 2019)

»Viel gewonnen – viel verloren«

Die junge Studentin Fatemeh F. hatte große Träume: Sie studierte an der Universität Teheran den Masterstudiengang Erziehungswissenschaften und wollte nach dem Abschluss, der kurz bevorstand, in der Organisation des iranischen Bildungssystems arbeiten. Doch daraus wurde nichts. Sie interessierte sich zu sehr für das Christentum. Mit Studienfreunden traf sie sich regelmäßig, um mehr darüber zu erfahren und Unterschiede zum Islam zu diskutieren. Doch auf Abkehr vom Islam steht im Iran die Todesstrafe. Wenn man denunziert wird, oder sobald die Revolutionswächter etwas erfahren, droht ein Eintrag ins Führungszeugnis. Dieser hat ein Studienverbot zur Folge – oder Schlimmeres. Als die Situation für Fatemeh brenzlig wurde, halfen ihre Brüder ihr, den Iran zu verlassen. Im Jahr 2012 kam Fatemeh nach Ottobrunn.
In der Schule hatte Fatemeh neben Arabisch Englisch gelernt; später begann sie mit Deutsch und legte am Goethe-Institut in Teheran die B1-Prüfung ab. Sie war optimistisch, dass ihr diese Kenntnisse in der Arbeits- und Ausbildungswelt in Deutschland helfen würden.

Taufe in der Michaelskirche
In Ottobrunn lebte sie zunächst mit drei muslimischen Frauen in einer Wohnung. Die Verständigung war schwierig; die kulturellen Unterschiede groß. Ihr Plan, möglichst schnell an der Universität den Masterstudiengang abzuschließen, erwies sich als unmöglich, da sie keine Arbeits- und Studienerlaubnis bekam. Ein anderes Herzensanliegen dagegen erfüllte sich: Sie konvertierte zum Christentum und wurde 2013 in der evangelischen Michaelskirche getauft.

Ausbildung als Erzieherin
Nach zweieinhalb Jahren wurde sie schließlich als Flüchtling anerkannt und fand einen Ausbildungsplatz in einem evangelischen Kindergarten. Trotz ihrer guten Deutschkenntnisse gab es große Probleme in der Berufsschule aufgrund der vielen dort verwendeten Fachausdrücke. Darauf hatten sie die Deutschkurse in Teheran nicht vorbereitet. Dazu kamen Heimweh und Einsamkeit; die Unterstützung ihrer Familie fehlte ihr sehr. Allen Problemen zum Trotz durchlief sie in vier Jahren sowohl die Ausbildung zur Kinderpflegerin als auch zur Erzieherin, was viel Disziplin und Energie erforderte. Da die Ausbildungsvergütung nicht reichte, um die erforderlichen Unterrichtsmaterialien zu kaufen und die Miete für eine kleine Wohnung zu zahlen, nahm sie zusätzlich Nebenjobs an.

Bürokratische Stolpersteine
Wenn die heute 32-jährige Fatemeh zurückblickt, hat sie gemischte Gefühle: »Ich habe viel Positives gewonnen, aber auch viel verloren. « Vor allem das enge Zusammenleben in der Familie fehlt ihr. Da ist es nur ein schwacher Trost, dass ihre Mutter sie inzwischen besuchen konnte.
Rückblickend stellt sie fest, dass viele bürokratische Stolpersteine ihr das Leben schwer gemacht haben. Beispielsweise war es sehr schwer, einen Nebenjob zu finden. Mittlerweile hat es geklappt und Fatemeh arbeitet in einem Kino in Schwabing.
Für Ziele zu kämpfen – allen Widrigkeiten zum Trotz – ist für Fatemeh eine Art Leitthema gewor-den. Ihr nächstes Ziel ist ein Studium der Erziehungswissenschaften an einer Fachhoch¬schule. Momentan ist sie Gruppenleiterin in einer evangelischen Kinderkrippe. Da helfen ihr ihre Erfahrungen als Migarantin: Sie unterstützt Kinder und Eltern mit Migrationshintergrund und vermittelt, wenn es kulturelle Probleme gibt.
Zum Ausgleich treibt sie gerne Sport und trifft sich mit Freunden aus aller Welt. Und bald kann sie hoffentlich ihr Studium fortsetzen.
Ulla Wolf / MO


Orientalische Plätzchen gebacken Dass Integration am besten im kleinen Rahmen funktioniert – vor allem, wenn es ums Essen geht – weiß Ottobrunns Integrations-beauftragte Stefanie Marrero (l.) aus Erfahrung. Daher lud sie im Dezember einige Frauen zum gemeinsamen Orientalischen Backen ein. Die beiden Syrerinnen Mariam (Mitte) und Taqiyeh zeigten, wie man Mamul zubereitet, ein syrisches Gebäck aus Hartweizengrieß mit Dattel- und Pistazienfüllung. Am Rande des Backens gab es Gelegenheit für Gespräche.
(Foto: privat)


(„Mein Ottobrunn“, 02/2019, Seite 23, „Gemeindeblatt Hohenbrunn“, 04/2019, Seite 54)




Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn (Januar 2019)

Über‘n Tellerrand geschaut - Syrisch-kurdische Familie lud zum Essen ein

Nachbarn und Freunde aus dem Helferkreis waren die Gäste. Gleich zu Anfang erfuhren die Anwesenden, dass eine mit der Familie sehr vertraute Nachbarin am Vortag ihren 80. Geburtstag feierte. So konnten sie ihr ein Geburtstagsständchen bringen. Das Buffet im Flur der gemütlich eingerichteten Wohnung war reich gefüllt mit köstlichen, orientalischen Speisen, die man auch als Bestandteil des Hauptgangs isst. Mutter Rawan (37) und ihre beiden Söhne, Ahmad (17) und Reschad (12), haben gekocht und gebacken. Die Chefköchin Rawan erschien noch mit einer großen Platte gebratener Hühnerschenkel auf gewürztem Reis. Zum Nachtisch gab es vielfältige Gebäckstücke und ein raffiniert zubereitetes Kürbisdessert. Kein Wunder, dass die Gespräche lebhaft waren.
Rawan und Ahmad haben uns ein typisch kurdisches Rezept verraten:

„Jike“ – eine appetitanregende Speise
1 Joghurtbecher kleiner, feiner Bulgur wird eine Viertelstunde ½ Becher in Wasser eingeweicht, aber nicht gekocht. Eine fein gehackte Zwiebel, 2 Tomaten- und 1 Paprikaschote würfeln, pürieren und daruntermischen. Salz und Chili kommen dazu. Dann wird etwas Öl leicht angewärmt und unter die Masse geknetet. Anschließend kleine Portionen formen, gehackte Petersilie darauf streuen und auf Salatblättern servieren. Eine gehaltvolle Variante mit Tatar ist möglich.

Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn







Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn (Januar 2019)

Jahresbericht 2018


Im sechsten Jahr seines Bestehens begleitete der Helferkreis ca. 260 Flüchtlinge in Ottobrunn, Riemerling und Hohenbrunn. Dazu gehören an die 40 Familien mit über 100 Kindern. Zu 48 Unbegleiteten Minderjährigen in Wohngruppen verschiedener Träger bestand in Einzelfällen Kontakt (Fußballmannschaft, Nachhilfe, Unterstützung bei Ausbildungsplatzsuche).

Die Flüchtlinge wohnen in 12 dezentralen Asylbewerberunterkünften des Landratsamtes, in 5 Wohngruppen für minderjährige Flüchtlinge sowie in eigenen Wohnungen.

Zusätzlich werden 8 Familien mit 19 Kindern und einige Alleinstehende, die in Nachbargemeinden gezogen sind, weiterhin von ihren Paten begleitet.

Die zu uns geflüchteten Menschen kommen aus Afghanistan, Syrien, Iran, Irak, Somalia, Pakistan, Nigeria, Uganda, Senegal, Eritrea, Russland, Ukraine, Indonesien, Jordanien, Myanmar.

2018 lag der Schwerpunkt unserer Hilfe für anerkannte Flüchtlinge auf der Vertiefung der Integration und der Vorbereitung auf den Erwerb eines unbefristeten Aufenthaltsrechts. 2018 erhielten auch noch Geflüchtete aus Afghanistan eine Aufenthaltserlaubnis, nachdem die Mitwirkungspflichten bei Dokumenten leichter zu erfüllen waren. Schätzungsweise besitzen ¾ der zu uns Geflüchteten inzwischen eine Aufenthaltserlaubnis. Viele von ihnen machen eine Ausbildung oder arbeiten, Frauen mit kleinen Kindern in Teilzeit. Unter den Geflüchteten, deren Asylverfahren noch nicht beendet ist und die auf den Ausgang von Klageverfahren warten, befinden sich einige nigerianische Familien. Geflüchtete aus sicheren Herkunftsländern, aber auch aus der Ukraine und aus Nigeria sind zunehmend auf das Visumverfahren verwiesen worden, nämlich die zeitweise Rückkehr ins Herkunftsland und die Beantragung eines Arbeitsvisums bei der Deutschen Botschaft. Der Weg zum Aufenthaltsrecht in der Bundesrepublik wird bei Erfolg über die Arbeitsmigration führen.

Integration durch Sprache und Arbeit
  • Der Helferkreis ergänzt das Angebot der VHS Südost an Deutschkursen mit wöchentlichen Deutsch-Training, Lernpatenschaften in besonderen Situationen, z.B. für Mütter mit Babys oder zur Prüfungsvorbereitung. Wir unterstützen bei Kurs- und Prüfungskosten.
  • Der Arbeitskreis Job & Ausbildung konnte Praktika bei Firmen und auf den Gemeinden Ottobrunn und Hohenbrunn vermitteln. Mit den Helferkreisen Taufkirchen und Unterhaching und dem Gewerbeverband Hohenbrunn erfolgte ein Austausch. Diese Vorarbeiten führten zu Jobangeboten. Die meisten Flüchtlinge, die arbeiten dürfen, und nicht mehr durch Integrationskurse zeitlich gebunden sind, konnten inzwischen eine Arbeit beginnen. Eine neue Herausforderung ist, die Arbeitenden in ihrer Qualifizierung zu fördern, damit sie ihre Familie einschließlich Wohnung von eigenem Einkommen unterhalten können.
  • Junge Menschen, die im Sommer ihre Schulabschlüsse absolvierten, haben mit Ausbildungen begonnen, u.a. als Vulkaniseur, zahnmedizinischer Fachangestellte/r, Metallbauer, Hotelfachmann, Anlagenmechaniker Heizung, Klima, Sanitär, Fachkraft für Lagerlogistik, Elektriker. Berufsschüler erhalten von Lernpaten individuell Nachhilfe. Auszubildende konnten ihre Prüfungen erfolgreich ablegen, als Hotelfachmann, Koch, Kfz-Mechatroniker, Bautenund Objektbeschichter.
  • Eine Mutter begann eine Qualifizierung im örtlichen Bonusmarkt, eine weitere konnte ihre Ausbildung als Krankenschwester im Heimatland durch eine einjährige Qualifizierung hier anerkennen lassen.
  • Anerkannte Flüchtlinge, die ALGII-Leistungen beziehen, müssen laufend komplexe Anträge stellen. Sie sind dabei auf Unterstützung angewiesen, Helferkreis-Mitglieder entwickeln sich zu Formular-Experten.
  • Paten lernen mit Kindern und Jugendlichen, die inzwischen auch Realschulen, Gymnasien oder die Fachoberschule besuchen. Intensiv werden junge Menschen auf ihre Abschlüsse an den Mittelschulen vorbereiten.
  • Schüler, Auszubildende, Arbeitssuchende erhielten gespendete Notebooks und PCs.
Integration durch Teilhabe am sozialen Leben
  • Im Januar fand eine Begegnung mit 13 Abiturienten eines Gymnasiums aus Cortona, Italien statt, die zum Austausch mit der Montessori-Schule in Hohenbrunn nach Deutschland kamen. Helferkreis-Mitglieder und 13 Flüchtlinge aus 7 Ländern diskutierten mit den Lehrerinnen und Schülern über „Toleranz“.
  • Beim Fest der Kulturen im Wolf-Ferrari-Haus Ottobrunn trugen afghanische und afrikanische Musiker zur Unterhaltung bei, der Stand des Helferkreises wurde mit den Flüchtlingen gestaltet. Auch die Adventsfeier in der Michaelskirche wird inzwischen gemeinsam von Flüchtlingen und Helfern veranstaltet.
  • Im Herbst konnte der TSV Riemerling wieder drei Schwimmkurse für Flüchtlingskinder starten. Im November startete ein neuer Schwimmkurs für Frauen im Schulschwimmbecken einer Grundschule, mit einer Schwimmtrainerin des Phönix Sport Teams.
  • Die eigene Fußballmannschaft des Helferkreises „Ramasuri“ beteiligte sich an verschiedenen Turnieren und konnte Pokale nach Hause bringen. Im Sommer war ein Wochenend-Trainingslager in Mittenwald möglich.
  • Das Team des Café International lädt einmal im Monat zur Begegnung von Flüchtlingen und Einheimischen ein. Das schöne Wetter erlaubte von März bis September den Café-Betrieb im Garten des Evangelischen Jugendhauses. Das Café wird vor allem gerne von Familien besucht, der große Garten und der Spielplatz daneben bieten Spielmöglichkeiten für die Kinder. Flüchtlinge und Firmlinge arbeiteten im Betrieb des Cafés mit.
  • In sechs Tafelrunden „Über’n Tellerrand“ kamen sich Flüchtlinge, Migranten und Einheimische beim Kochen, Backen und Essen näher. Speisen aus Uganda, Afghanistan, Syrien, Eritrea und dem Irak boten Gesprächsstoff, um die Kulturen der Länder kennen zu lernen.
  • Mütter aus Syrien, Afghanistan und Russland engagieren sich ehrenamtlich in der AWO Klawotte Kinder & Kreativ und im Seniorenzentrum Kaiserstiftung Riemerling.
  • In zwei Kursen wurden afrikanische Mütter mit „Erziehungskompetenzen“ und Erwartungen an die Elternarbeit in Kindergarten und Schule vertraut gemacht.
  • Im neu gestarteten Kulturprojekt besuchen Flüchtlinge gemeinsam mit Helferkreis-Paten Theater- und Musikvorstellungen im Wolf-Ferrari-Haus.
  • Wir fördern die Teilnahme von Kinder und Jugendlichen an den Ferienprogrammen der Gemeinden und anderer Organisationen, ebenso die Mitgliedschaft in den verschiedensten Sparten der Sportvereine, bei den Pfadfindern, den Angeboten der Kirchen, des KJR.
Zu- und Weg-Züge
  • Die Wohngruppen für Minderjährige Flüchtlinge im Lore-Malsch-Haus in Riemerling wurden im Dezember aufgelöst. Die meisten Jugendlichen wurden mit 18 Jahren in größere Asylbewerberunterkünfte im Landkreis München verlegt.
  • Drei anerkannte Flüchtlingsfamilien und zwei Alleinstehende haben als Neuzugezogene Kontakt zum Helferkreis gesucht.
  • Für vier Familien mit 8 Kindern konnten wir Wohnraum finden. Zwei weitere Familien mit 5 Kindern, denen Wohnraum zur Verfügung gestellt wurde, begleiteten wir beim Umzug.
  • Die Flüchtlinge können sich lokal mit Kleidung, Spielsachen, Geschirr, Fahrrädern und Möbeln versorgen - dank der AWO Klawotten, der AWO Rumpelkammer und der Mobilen Caritas Werkstatt.
Entwicklung im Helferkreis
  • Über 120 Ehrenamtliche sind Mitglieder im Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn; darunter 15 Flüchtlinge. Die jüngsten Helfer sind 12 Jahre, der älteste ist 86 Jahre alt. Mitglieder scheiden aus, neue Mitglieder kommen dazu. Unser Leiter, Diakon Karl Stocker, trat im Sommer 2018 offiziell in den Ruhestand. Er leitet den Helferkreis dankenswerterweise weiter.
  • Der Helferkreis trifft sich 3 x im Monat im Pfarrsaal St. Magdalena. Im internen Weiterbildungsprogramm wurde an 9 Treffen zu aktuellen Themen informiert und diskutiert. Individuell nutzen die Mitglieder die von vielen Organisationen angebotenen Weiterbildungen zu Flucht und Integration.
  • Im März wurde das 5jährige Bestehen des Helferkreises Asyl im Pfarrsaal St. Otto gefeiert. Der Politologe Dr. Robert Staudigl schilderte eindringlich die Situation im Nahen Osten als Brennpunkt von Krieg und Flucht. Bei lebhaften Diskussionen wurde das internationale Buffet, das von Flüchtlingen zubereitet wurde, genossen.
  • Eine große Unterstützung ist die Integrationsbeauftragte der Gemeinde Ottobrunn, Stefanie Marrero. In der Gemeinde Hohenbrunn ist die Stelle des Integrationsbeauftragten seit Sommer wieder vakant. Erstmals fand im Rathaus Ottobrunn und im Rathaus Hohenbrunn ein „Runder Tisch“ statt, mit Beteiligung des Helferkreises. Diese Termine sollen fortgesetzt werden.
  • Wir informieren die Öffentlichkeit über unsere Homepage, www.helferkreis-asyl.com, und über die Gemeindeblätter Hohenbrunn und Ottobrunn Die Artikelserie „Wie gelingt Integration“ mit Berichten unserer Flüchtlinge wird gut aufgenommen. Mit einem Stand war der Helferkreis bei der Bürgerversammlung in Ottobrunn vertreten.
  • Für Mitglieder besteht die Möglichkeit zur individuellen Supervision, zeit- und ortsnah.

„Die Flüchtlinge sind keine Zahlen. Sie sind Personen: Sie haben Gesichter, Namen, Geschichten – und als solche müssen sie behandelt werden“. Papst Franziskus, Tweet, 11.4.2016. Dieses Eingehen auf den Einzelnen, seine Hoffnung, Erfahrungen, Talente prägt wesentlich die Arbeit unseres Helferkreises.

Für anerkannte Familien, Alleinerziehende mit Kindern und Auszubildende, die sich in unseren Gemeinden gut integriert haben, sucht der Helferkreis weiter nach Wohnraum. Bitte melden Sie sich bei Diakon Stocker, Tel. 089 / 42 00 179 - 01, E-Mail:KStocker@ebmuc.de, wenn Sie dazu Auskünfte wünschen oder helfen können.

Mit Geldspenden von Privatpersonen, Organisationen und Gemeinden können Angebote für Flüchtlinge finanziert werden, in Notlagen kann individuell und unbürokratisch geholfen werden. Dafür danken wir allen Spendern herzlich!


Heidi Maurer und Claudia Bernardoni
Sprecherinnen im Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn



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