Helferkreis Asyl Ottobrunn / Hohenbrunn  

Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn



Presse / Nachrichten

Kolumne in dem Gemeinde-Journal "Mein Ottobrunn"


09 / 2019     Quer durch die neue Heimat
Flüchtlingsfußballmannschaft »Ramasuri« an der Ostsee, Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn (Seite 24)
07 / 2019     Ein bayerischer Syrer
Helferkreis Asyl: Gelungene Integration – Teil 7 (8) (Seite 21)
06 / 2019     Eine ganz normale Familie
Helferkreis Asyl: Gelungene Integration – Teil 6 (7) (Seite 14)

Artikel im "Gemeindeblatt Hohenbrunn"



07 / 2019     Wie gelingt Integration ? Von der Mittelschule in die Arztpraxis
Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn (Seite 53)
06 / 2019     Sicher in die Sommer-Badesaison
Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn (Seite 49)
04 / 2019     Wie gelingt Integration ? Aus der Wissenschaft in die Praxis.
Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn (Seite 55)


Die vollständige Liste der Artikel im Gemeinde-Journal "Mein Ottobrunn" und im "Gemeindeblatt Hohenbrunn" erhalten Sie hier.


Jahresberichte des Helferkreises Asyl


2018     Jahresbericht des Helferkreises Asyl
2017     Jahresbericht des Helferkreises Asyl
2016     Jahresbericht des Helferkreises Asyl
2015     Jahresbericht des Helferkreises Asyl
2014     Jahresbericht des Helferkreises Asyl und Bericht von der Nikolausfeier mit Flüchtlingen vom Eine-Welt-Kreis
2013     Erklärung des Helferkreises Asyl, unterzeichnet von 36 Mitgliedern
2012     Schritt ins Leben: Christen aus dem Landkreis unterstützen Asylbewerber
(Südost-Kurier, 30.10.2012),   (gedruckte Version, pdf)

Weitere Information erhalten Sie von unserem Team Öffentlichkeitsarbeit (E-Mail: presse@helferkreis-asyl.com ).



Juli 2019:  
Gelungene Integration Teil 7: Ein bayerischer Syrer

Abdu, Jahrgang 1988, kommt aus dem syrischen Aleppo. Der Familie ging es gut. Abdu konnte eine englische Privatschule mit Internat besuchen und nach dem Abschluss in Damaskus Betriebswirtschaft studieren. Nach vier Jahren machte er seinen Bachelor und ging noch für ein Jahr ans Goethe-Institut, um die deutsche Sprache und Literatur zu studieren. Er legte die Deutsch-Prüfung ab. Weil er drei Jahre lang mit deutschen Architekturstudenten in Damaskus zusammenwohnte, sprach er fließend und mit um-fangreichem Wortschatz. Sogar ein Master-Studium in Hamburg war von der Familie für ihn als Grundstein für seine Karriere geplant. Doch der Krieg machte diese Pläne zunichte. Aleppo war im Sommer 2012 Ziel schwerer Angriffe von Assads Truppen: Dabei wurde auch das Haus von Abdus Familie zerstört. Abdu floh nach Istanbul, arbeitete dort für ein Reisebüro und versuchte, ein Visum für das Studium in Deutschland zu bekommen. Vergeblich, denn er hatte keine Zeugnisse und Dokumente bei sich. 2015 entschloss er sich, trotzdem nach Deutschland zu gehen.

Die Flucht begann
Abdu bestieg in Izmir ein Boot, das ihn auf die griechische Insel Lesbos bringen sollte. Es geriet in bewegte See und kenterte. Abdu musste viele Stunden schwimmen, um an Land zu kommen. Und das im Winter. Nach zwei Tagen im Krankenhaus von Mytilene war er wieder auf den Beinen. Gemeinsam mit einem Tross von Flüchtlingen, darunter viele Familien mit Kindern, durch den Balkan, wanderte er über Ungarn und Slowenien nach Österreich. Auf dem ganzen Weg übersetzte er für alle und für die Mitarbeiter vom Roten Kreuz Arabisch-Englisch und Arabisch-Deutsch. Endlich kamen sie an die österreichische Grenze. Als sie eine Bahnstation passierten, hörte Abdu die Lautsprecher-stimme: Achtung, Achtung, ein Zug fährt durch. »Ich hörte Deutsch«, erzählt Abdu. Das war der beste Moment seit 4.000 Kilometern Weg. Von Wien nahm er den Zug nach München. Dort angekommen, rief er einen seiner Studienfreunde aus der Zeit in Aleppo an. Der fiel aus allen Wolken – und kam sofort aus Nürnberg, um ihn in der Erstaufnahmeeinrichtung zu besuchen. Nach der Anhörung beim Bundesamt erhielt Abdu bald eine Aufenthaltserlaubnis für drei Jahre. Das versetzte ihn in die Lage, seine Zukunft ohne fremde Hilfe in sichere Bahnen zu lenken. 2017absolvierte er seinen Integrationskurs mit Abschluss auf Niveau B2 und machte ein Praktikum im Management-Bereich bei BMW. Nachdem er – wie viele Praktikanten – nicht übernommen wurde, schrieb er Bewerbungen, um eine Stelle in der Gastronomie zu finden. Mit seiner Bewerbung um eine Wohnung in Riemerling hatte er auf Anhieb Glück.

Ausbildung zum Hotelfachmann
Schon bald erhielt er auf seine Bewerbung Antwort vom Brauereigasthof Aying. Direktor Christian Hollweck lud ihn zum Vorstellungsgespräch ein und bot ihm daraufhin eine Stelle an. Zunächst arbeitete Abdu im Minijob, begann jedoch im Januar 2018 mit der Ausbildung zum Hotelfachmann. Abdu kommt mit Kollegen und Vorgesetzten gut aus. Die Familien Inselkammer und Hollwick sind zufrieden mit seiner Arbeit und freuen sich über seine Aufgeschlossenheit und gute Laune. Abdu arbeitet gern, unter anderem im Biergarten Bräustüberl mit seinem Chef Alexander Moosbauer. Von ihm hat er viel über die bayerische Wirthauskultur gelernt. Einmal in der Woche geht er wie viele Azubis zur Nachhilfe ins Kolpinghausnach München. Trotz alldem findet Abdu noch die Zeit, im Helferkreis Asyl mitzuarbeiten und Landsleute zu betreuen.

Bayerische Episode
Von seiner Arbeit erzählt er noch eine echt bayerische Episode: Als er den zweiten Tag im Ayinger Bräustüberl hinter der Theke stand, kam ein Stammgast mit Gamsbart auf dem Hut und in Lederhose auf ihn zu und sagte: »Eh, du, a Halbe!« Abdu verstand gar nichts – und griff nach seinem Handy. Zum Glück gibt es Suchmaschinen. Da stand: eine Halbe – ein halber Liter Bier. Abdu konnte den Kunden bedienen. Am nächsten Tag kam der Kunde zu-rück. Abdu wartete nicht lange, sondern rief ihm zu: »Eh, du, a Halbe?« Der Mann und seine Freunde brachen in schallendes Gelächter aus. Von daan fragten sie immer nach ihm, wenn er mal nicht da war.

Helferkreis Asyl Ottobrunn / Hohenbrunn
(„Mein Ottobrunn“, 07/2019, Seite 21)




Juni 2019:  
Sicher in die Sommer-Badesaison

Im Herbst 2018 startete der TSV Riemerling im Riemerlinger Hallenbad wieder mit neuen Schwimmkursen für über 30 Flüchtlingskindern im Alter von 6 – 14 Jahren, in der Pinguin-, der Seepferdchen- und der Haie-Gruppe. Das Durchschnittsalter ist höher als in den üblichen Kinder-Schwimmkursen, durch wenig private Übungs-Möglichkeiten haben die Kinder hier ausreichend Zeit, sicher schwimmen zu lernen. Vor Ostern erhielten die begeisterten Kinder ihre Urkunden, für das Seepferdchen eine Medaille und in der Haie-Gruppe ein Vereins-T-Shirt. Im Mai konnten neue Kinder beginnen.
Auf die Frage, was im Kurs besonders gefallen hat, verraten Hamza und Mustafa „Dass wir die ganze Zeit spielen, und dabei auch viel üben“. Gift aus Nigeria ist froh, dass sie jetzt in tiefem Wasser gut schwimmen kann. Sumaya, Dila und Amir lieben das Springen. Sami aus Afghanistan sagt „Dass wir viel spielen und neue Freunde haben, hier neben mir sitzt mein syrischer Freund. Ich möchte im See schwimmen können.“ Dieser Wunsch kann jetzt in den Ferien sicher erfüllt werden!
In den Heimatländern hatten viele Mütter der Kinder keinerlei Möglichkeiten, schwimmen zu lernen. Manche waren auf der Flucht in Booten traumatischen Situationen ausgesetzt. Damit sie die Angst vor dem Wasser verlieren, und ihre Kinder ins Freibad begleiten können, wurde im Winter ein zweiter Schwimmkurs in kleiner Gruppengröße und nur für Frauen im Schulschwimmbecken der Grundschule Lenbachallee durchgeführt. Das Phönix Sport Team stellt die Trainerin. Von viel Lachen in geschützter Umgebung war dieser Kurs begleitet, aber auch von Ängsten, die im Einzelfall auch bleiben können.
Frauen und Kinder, die bisher nicht vom Helferkreis Asyl angesprochen wurden, können sich gerne beim Helferkreis Asyl Ottobrunn / Hohenbrunn melden, per E-Mail info@helferkreis-asyl.com. Im Herbst 2019 werden die Schwimmkurse fortgeführt.

Helferkreis-Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn
(Gemeindeblatt Hohenbrunn, Ausgabe 06/2019, Seite 49)





März 2019:   Fest der Kulturen 2019


Am 17. März 2019 hat der Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn am 7. Fest der Kulturen teilgenommen, das wie zuvor die Agenda Ottobrunn-Neubiberg veranstaltete. Unser Stand, reich ausgestattet mit Informationsmaterial und dekorativen Stücken aus den Herkunftsländern der Flüchtlinge, war wieder ein Anziehungspunkt für Besucher beim Markt der Initiativen und Kulturen. Viele Helfer, aber auch viele Flüchtlinge betreuten den Stand und beteiligten sich an den Gesprächen mit den Besuchern. Ein besonderes Angebot waren Proben von Fruchtblättern – Früchte aufs Wesentliche reduziert – des Start-Up-Unternehmens „Fruchtschmaus“, das von einer Russin aus dem Kreis unserer anerkannten Flüchtlinge mitbegründet wurde. Neu war dies Jahr ein Informationsstand über Kamerun. Er war von einem kamerunischen Arzt und seiner Frau, die mit dem Helferkreis kooperieren, mit ausgerichtet worden. Neben uigurischen und mongolischen Darbietungen auf der Bühne, legten ein kamerunscher Mini-Tanz-Workshop und der Kamerun-Stand Zeugnis ab für die ständige Erweiterung des interkulturellen Horizonts in unserer Region.


Foto: Evelyn von Hörmann

Foto: Evelyn von Hörmann

Foto: Gunter Hahn





Januar 2019:   Über‘n Tellerrand geschaut - Syrisch-kurdische Familie lud zum Essen ein


Nachbarn und Freunde aus dem Helferkreis waren die Gäste. Gleich zu Anfang erfuhren die Anwesenden, dass eine mit der Familie sehr vertraute Nachbarin am Vortag ihren 80. Geburtstag feierte. So konnten sie ihr ein Geburtstagsständchen bringen. Das Buffet im Flur der gemütlich eingerichteten Wohnung war reich gefüllt mit köstlichen, orientalischen Speisen, die man auch als Bestandteil des Hauptgangs isst. Mutter Rawan (37) und ihre beiden Söhne, Ahmad (17) und Reschad (12), haben gekocht und gebacken. Die Chefköchin Rawan erschien noch mit einer großen Platte gebratener Hühnerschenkel auf gewürztem Reis. Zum Nachtisch gab es vielfältige Gebäckstücke und ein raffiniert zubereitetes Kürbisdessert. Kein Wunder, dass die Gespräche lebhaft waren.
Rawan und Ahmad haben uns ein typisch kurdisches Rezept verraten:

„Jike“ – eine appetitanregende Speise
1 Joghurtbecher kleiner, feiner Bulgur wird eine Viertelstunde ½ Becher in Wasser eingeweicht, aber nicht gekocht. Eine fein gehackte Zwiebel, 2 Tomaten- und 1 Paprikaschote würfeln, pürieren und daruntermischen. Salz und Chili kommen dazu. Dann wird etwas Öl leicht angewärmt und unter die Masse geknetet. Anschließend kleine Portionen formen, gehackte Petersilie darauf streuen und auf Salatblättern servieren. Eine gehaltvolle Variante mit Tatar ist möglich.

Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn







Helferkreis Asyl Ottobrunn / Hohenbrunn:

Jahresbericht 2018


Im sechsten Jahr seines Bestehens begleitete der Helferkreis ca. 260 Flüchtlinge in Ottobrunn, Riemerling und Hohenbrunn. Dazu gehören an die 40 Familien mit über 100 Kindern. Zu 48 Unbegleiteten Minderjährigen in Wohngruppen verschiedener Träger bestand in Einzelfällen Kontakt (Fußballmannschaft, Nachhilfe, Unterstützung bei Ausbildungsplatzsuche).

Die Flüchtlinge wohnen in 12 dezentralen Asylbewerberunterkünften des Landratsamtes, in 5 Wohngruppen für minderjährige Flüchtlinge sowie in eigenen Wohnungen.

Zusätzlich werden 8 Familien mit 19 Kindern und einige Alleinstehende, die in Nachbargemeinden gezogen sind, weiterhin von ihren Paten begleitet.

Die zu uns geflüchteten Menschen kommen aus Afghanistan, Syrien, Iran, Irak, Somalia, Pakistan, Nigeria, Uganda, Senegal, Eritrea, Russland, Ukraine, Indonesien, Jordanien, Myanmar.

2018 lag der Schwerpunkt unserer Hilfe für anerkannte Flüchtlinge auf der Vertiefung der Integration und der Vorbereitung auf den Erwerb eines unbefristeten Aufenthaltsrechts. 2018 erhielten auch noch Geflüchtete aus Afghanistan eine Aufenthaltserlaubnis, nachdem die Mitwirkungspflichten bei Dokumenten leichter zu erfüllen waren. Schätzungsweise besitzen ¾ der zu uns Geflüchteten inzwischen eine Aufenthaltserlaubnis. Viele von ihnen machen eine Ausbildung oder arbeiten, Frauen mit kleinen Kindern in Teilzeit. Unter den Geflüchteten, deren Asylverfahren noch nicht beendet ist und die auf den Ausgang von Klageverfahren warten, befinden sich einige nigerianische Familien. Geflüchtete aus sicheren Herkunftsländern, aber auch aus der Ukraine und aus Nigeria sind zunehmend auf das Visumverfahren verwiesen worden, nämlich die zeitweise Rückkehr ins Herkunftsland und die Beantragung eines Arbeitsvisums bei der Deutschen Botschaft. Der Weg zum Aufenthaltsrecht in der Bundesrepublik wird bei Erfolg über die Arbeitsmigration führen.

Integration durch Sprache und Arbeit
  • Der Helferkreis ergänzt das Angebot der VHS Südost an Deutschkursen mit wöchentlichen Deutsch-Training, Lernpatenschaften in besonderen Situationen, z.B. für Mütter mit Babys oder zur Prüfungsvorbereitung. Wir unterstützen bei Kurs- und Prüfungskosten.
  • Der Arbeitskreis Job & Ausbildung konnte Praktika bei Firmen und auf den Gemeinden Ottobrunn und Hohenbrunn vermitteln. Mit den Helferkreisen Taufkirchen und Unterhaching und dem Gewerbeverband Hohenbrunn erfolgte ein Austausch. Diese Vorarbeiten führten zu Jobangeboten. Die meisten Flüchtlinge, die arbeiten dürfen, und nicht mehr durch Integrationskurse zeitlich gebunden sind, konnten inzwischen eine Arbeit beginnen. Eine neue Herausforderung ist, die Arbeitenden in ihrer Qualifizierung zu fördern, damit sie ihre Familie einschließlich Wohnung von eigenem Einkommen unterhalten können.
  • Junge Menschen, die im Sommer ihre Schulabschlüsse absolvierten, haben mit Ausbildungen begonnen, u.a. als Vulkaniseur, zahnmedizinischer Fachangestellte/r, Metallbauer, Hotelfachmann, Anlagenmechaniker Heizung, Klima, Sanitär, Fachkraft für Lagerlogistik, Elektriker. Berufsschüler erhalten von Lernpaten individuell Nachhilfe. Auszubildende konnten ihre Prüfungen erfolgreich ablegen, als Hotelfachmann, Koch, Kfz-Mechatroniker, Bautenund Objektbeschichter.
  • Eine Mutter begann eine Qualifizierung im örtlichen Bonusmarkt, eine weitere konnte ihre Ausbildung als Krankenschwester im Heimatland durch eine einjährige Qualifizierung hier anerkennen lassen.
  • Anerkannte Flüchtlinge, die ALGII-Leistungen beziehen, müssen laufend komplexe Anträge stellen. Sie sind dabei auf Unterstützung angewiesen, Helferkreis-Mitglieder entwickeln sich zu Formular-Experten.
  • Paten lernen mit Kindern und Jugendlichen, die inzwischen auch Realschulen, Gymnasien oder die Fachoberschule besuchen. Intensiv werden junge Menschen auf ihre Abschlüsse an den Mittelschulen vorbereiten.
  • Schüler, Auszubildende, Arbeitssuchende erhielten gespendete Notebooks und PCs.
Integration durch Teilhabe am sozialen Leben
  • Im Januar fand eine Begegnung mit 13 Abiturienten eines Gymnasiums aus Cortona, Italien statt, die zum Austausch mit der Montessori-Schule in Hohenbrunn nach Deutschland kamen. Helferkreis-Mitglieder und 13 Flüchtlinge aus 7 Ländern diskutierten mit den Lehrerinnen und Schülern über „Toleranz“.
  • Beim Fest der Kulturen im Wolf-Ferrari-Haus Ottobrunn trugen afghanische und afrikanische Musiker zur Unterhaltung bei, der Stand des Helferkreises wurde mit den Flüchtlingen gestaltet. Auch die Adventsfeier in der Michaelskirche wird inzwischen gemeinsam von Flüchtlingen und Helfern veranstaltet.
  • Im Herbst konnte der TSV Riemerling wieder drei Schwimmkurse für Flüchtlingskinder starten. Im November startete ein neuer Schwimmkurs für Frauen im Schulschwimmbecken einer Grundschule, mit einer Schwimmtrainerin des Phönix Sport Teams.
  • Die eigene Fußballmannschaft des Helferkreises „Ramasuri“ beteiligte sich an verschiedenen Turnieren und konnte Pokale nach Hause bringen. Im Sommer war ein Wochenend-Trainingslager in Mittenwald möglich.
  • Das Team des Café International lädt einmal im Monat zur Begegnung von Flüchtlingen und Einheimischen ein. Das schöne Wetter erlaubte von März bis September den Café-Betrieb im Garten des Evangelischen Jugendhauses. Das Café wird vor allem gerne von Familien besucht, der große Garten und der Spielplatz daneben bieten Spielmöglichkeiten für die Kinder. Flüchtlinge und Firmlinge arbeiteten im Betrieb des Cafés mit.
  • In sechs Tafelrunden „Über’n Tellerrand“ kamen sich Flüchtlinge, Migranten und Einheimische beim Kochen, Backen und Essen näher. Speisen aus Uganda, Afghanistan, Syrien, Eritrea und dem Irak boten Gesprächsstoff, um die Kulturen der Länder kennen zu lernen.
  • Mütter aus Syrien, Afghanistan und Russland engagieren sich ehrenamtlich in der AWO Klawotte Kinder & Kreativ und im Seniorenzentrum Kaiserstiftung Riemerling.
  • In zwei Kursen wurden afrikanische Mütter mit „Erziehungskompetenzen“ und Erwartungen an die Elternarbeit in Kindergarten und Schule vertraut gemacht.
  • Im neu gestarteten Kulturprojekt besuchen Flüchtlinge gemeinsam mit Helferkreis-Paten Theater- und Musikvorstellungen im Wolf-Ferrari-Haus.
  • Wir fördern die Teilnahme von Kinder und Jugendlichen an den Ferienprogrammen der Gemeinden und anderer Organisationen, ebenso die Mitgliedschaft in den verschiedensten Sparten der Sportvereine, bei den Pfadfindern, den Angeboten der Kirchen, des KJR.
Zu- und Weg-Züge
  • Die Wohngruppen für Minderjährige Flüchtlinge im Lore-Malsch-Haus in Riemerling wurden im Dezember aufgelöst. Die meisten Jugendlichen wurden mit 18 Jahren in größere Asylbewerberunterkünfte im Landkreis München verlegt.
  • Drei anerkannte Flüchtlingsfamilien und zwei Alleinstehende haben als Neuzugezogene Kontakt zum Helferkreis gesucht.
  • Für vier Familien mit 8 Kindern konnten wir Wohnraum finden. Zwei weitere Familien mit 5 Kindern, denen Wohnraum zur Verfügung gestellt wurde, begleiteten wir beim Umzug.
  • Die Flüchtlinge können sich lokal mit Kleidung, Spielsachen, Geschirr, Fahrrädern und Möbeln versorgen - dank der AWO Klawotten, der AWO Rumpelkammer und der Mobilen Caritas Werkstatt.
Entwicklung im Helferkreis
  • Über 120 Ehrenamtliche sind Mitglieder im Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn; darunter 15 Flüchtlinge. Die jüngsten Helfer sind 12 Jahre, der älteste ist 86 Jahre alt. Mitglieder scheiden aus, neue Mitglieder kommen dazu. Unser Leiter, Diakon Karl Stocker, trat im Sommer 2018 offiziell in den Ruhestand. Er leitet den Helferkreis dankenswerterweise weiter.
  • Der Helferkreis trifft sich 3 x im Monat im Pfarrsaal St. Magdalena. Im internen Weiterbildungsprogramm wurde an 9 Treffen zu aktuellen Themen informiert und diskutiert. Individuell nutzen die Mitglieder die von vielen Organisationen angebotenen Weiterbildungen zu Flucht und Integration.
  • Im März wurde das 5jährige Bestehen des Helferkreises Asyl im Pfarrsaal St. Otto gefeiert. Der Politologe Dr. Robert Staudigl schilderte eindringlich die Situation im Nahen Osten als Brennpunkt von Krieg und Flucht. Bei lebhaften Diskussionen wurde das internationale Buffet, das von Flüchtlingen zubereitet wurde, genossen.
  • Eine große Unterstützung ist die Integrationsbeauftragte der Gemeinde Ottobrunn, Stefanie Marrero. In der Gemeinde Hohenbrunn ist die Stelle des Integrationsbeauftragten seit Sommer wieder vakant. Erstmals fand im Rathaus Ottobrunn und im Rathaus Hohenbrunn ein „Runder Tisch“ statt, mit Beteiligung des Helferkreises. Diese Termine sollen fortgesetzt werden.
  • Wir informieren die Öffentlichkeit über unsere Homepage, www.helferkreis-asyl.com, und über die Gemeindeblätter Hohenbrunn und Ottobrunn Die Artikelserie „Wie gelingt Integration“ mit Berichten unserer Flüchtlinge wird gut aufgenommen. Mit einem Stand war der Helferkreis bei der Bürgerversammlung in Ottobrunn vertreten.
  • Für Mitglieder besteht die Möglichkeit zur individuellen Supervision, zeit- und ortsnah.

„Die Flüchtlinge sind keine Zahlen. Sie sind Personen: Sie haben Gesichter, Namen, Geschichten – und als solche müssen sie behandelt werden“. Papst Franziskus, Tweet, 11.4.2016. Dieses Eingehen auf den Einzelnen, seine Hoffnung, Erfahrungen, Talente prägt wesentlich die Arbeit unseres Helferkreises.

Für anerkannte Familien, Alleinerziehende mit Kindern und Auszubildende, die sich in unseren Gemeinden gut integriert haben, sucht der Helferkreis weiter nach Wohnraum. Bitte melden Sie sich bei Diakon Stocker, Tel. 089 / 42 00 179 - 01, E-Mail:KStocker@ebmuc.de, wenn Sie dazu Auskünfte wünschen oder helfen können.

Mit Geldspenden von Privatpersonen, Organisationen und Gemeinden können Angebote für Flüchtlinge finanziert werden, in Notlagen kann individuell und unbürokratisch geholfen werden. Dafür danken wir allen Spendern herzlich!


Heidi Maurer und Claudia Bernardoni
Sprecherinnen im Helferkreis Asyl Ottobrunn / Hohenbrunn




September 2018:   Über‘n Tellerrand geschaut mit afghanischem Menü


Roqaya und Nadja, zwei Frauen, die mit ihren Familien seit mehreren Jahren hier leben, Roqaya mit Ehemann Ali, einer fünfjährigen Tochter und einem vierjährigen Sohn; Nadja mit Ehemann Mohammad, einer 12jährigen Tochter und einem 10jährigen Sohn, wollten sich schon lange bei allen, die ihnen in Ottobrunn und Umgebung geholfen haben, bedanken. Die Patin beider Familien aus dem Helferkreis Asyl und erprobte Organisatorin bei den verschiedensten Gelegenheiten, schlug ihnen vor, im Rahmen des Helferkreis-Projekts Über’n Tellerrand ein afghanisches Menü auszurichten und Unterstützer/innen; Freunde und Nachbarn einzuladen. Aber zunächst mussten beide noch die Prüfung Deutsch B 2 ablegen und die dringendsten Probleme der Integration wie Kindegarten und Schulbesuch der Kinder regeln, oder gar wie Nadja stundenweise einer Berufstätigkeit nachgehen. Ende Juni 2018 war es soweit: Man einigte sich über Vorlieben und Gerichte und beide Frauen kauften in München bei einschlägigen Geschäften ein: Fleisch und Gemüse beim Türken, Reis, Gewürze, Mandeln und Zutaten für die Süßspeisen in einem afghanischen Geschäft.

Im Pfarrsaal von St. Magdalena waren die Tische sommerlich festlich in hellem Grün gedeckt. Das Essen stand in großen chafing dishes auf den Buffettischen, professionell warm gehalten und sorgfältig in Vorspeisen, Hauptgericht und Nachspeise getrennt. Die Gäste, mehrere Helferkreismitglieder mit ihren jeweiligen Partnern, der Arbeitgeber des Bürojobs von Nadja, die Leiterin der Klawotte Kinder & kreativ, für die Nadja und Roqaya im vorigen Winter phantasievolle Taschen aus gespendeten Stoffresten genäht hatten, sowie Schulfreundin Helena von Roqayas Tochter Zahra mit ihren Eltern.

Die Gäste saßen wie im Restaurant an Tischen zusammen, unterhielten sich und holten sich die Leckerbissen vom Buffet: Als Vorspeise gab es Avocado-Salat, dann einen afghanischen Salat mit rohem Gemüse, ein Chutney und Mantoo (Teigtaschen mit frischem Korianderblättern, roten Linsen und Joghurt). Als Hauptgericht gab es unter anderem zum nacheinander Kosten oder kräftig Zulangen: Kabuli pilau (Reis mit Rosinen, Pistazien, Lammfleisch und Karotten); Zereshke polo (Reis auf iranische Art mit Safran und bei uns ungebräuchlichen, süß-sauren Beerenfrüchten) und Kotlet (Lammkotlette mit gebratenen Kartoffeln). Wer nach diesem reichhaltigen Menü schon streikte, war selbst schuld, denn die Wassermelone zum Nachtisch war bei der Wärme erfrischend und Ghatab (Teigtaschen mit Pistazien und Mandeln) und Goshe FU (Blätterteiggebäck) stellten einen runden Abschluss dar. Ein gelungener Abend für Gäste und Gastgeber.

Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn







August 2018:   Fünf Jahre Spielervereinigung Ramasuri


2013 gab es in Ottobrunn ein Fußballturnier für Flüchtlinge. Es mangelte an allem: am Equipment, an Sprachkenntnissen, an Erfahrung. Mit viel Mut gelang es, den Flüchtlingen eine Abwechslung vom grauen Alltag zu verschaffen. Aus diesem Turnier ist eine Spielervereinigung namens Ramasuri entstanden, die in diesem Sommer ihr fünfjähriges Bestehen feiert.

Ramasuri bedeutet auf bayerisch Durcheinander und beruht auf den vielen Herkunftsländern unserer Spieler: Afghanistan, Eritrea, Mali, Nigeria, Senegal, Somalia, Südafrika, Syrien und auch immer wieder deutsche Spieler.

Mittlerweile haben wir so etwas wie Tradition aufgebaut: Fast jeden Samstag Training, Teilnahme an ein paar Turnieren, ein Trainingslager im August und die Weihnachtsfeier.

Die Spieler sind zwischen 18 und 30 Jahren alt, alleinstehend. Die Männer und jungen Burschen sind mir, der Trainerin, stets mit Respekt begegnet, so wie auch ich ihnen respektvoll gegenüberstehe.

So habe ich in den Jahren unseres Zusammenseins an ihrem Leben teilnehmen dürfen. Ich habe erlebt, wie diese jungen Menschen, die erschöpft, ängstlich und traumatisiert hier angekommen sind, sich wieder aufgerappelt haben. Die deutsche Sprache gelernt haben, den Schulbesuch genossen haben („zu Hause musste ich die Schule verlassen, als ich schreiben gelernt hatte“). Ich habe gesehen, wie sie sich mittels Praktikumsplätzen für Berufe entschieden haben, die ihnen bis dato völlig unbekannt waren. Ich habe auch schon feiern dürfen, dass Ausbildungen abgeschlossen, die Zulassung für die FOS erreicht wurde.

Ich habe beobachtet, wie aus Jungen Männer wurden, wie sie in ihre Heimatsprachen deutsche Wörter wie Meinungsfreiheit importierten, diese Freiheit auch zu schätzen lernten. Wie sie über unterschiedliche Religionen philosophierten und über die Rolle der Frau in Deutschland nachdachten („die deutschen Frauen müssen viel mehr arbeiten als unsere zu Hause“). Wie sie sich über die Entdeckung freuten, dass man auch bei uns das Damespiel kennt. Wie sie vieles aus unserer Kultur annahmen, vieles aus ihrer eigenen zu hinterfragen begannen. So wie auch ich in diesen fünf Jahren gelernt habe, manche meiner Denkweisen als Vorurteil zu erkennen.

Wir sind in den Jahren aneinander gewachsen, haben gelernt über den Tellerrand zu schauen, Toleranz zu üben und uns in einer neuen Welt zu bewegen: die Männer in der deutschen Sprache und Kultur und ich in der Fußballwelt. Es war nicht immer einfach, die verschiedenen Sprachen, Kulturen, Religionen, Gewohnheiten und Erfahrungen unter einen Hut zu bringen. Aber wir haben es geschafft!

Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn





8.4.2018:   Der Helferkreis auf dem Fest der Kulturen 2018


Auch das sechste Fest der Kulturen am achten April im Wolf-Ferrari-Haus in Ottobrunn war ein voller Erfolg für die Veranstalter und unseren Helferkreis sowohl auf der Bühne als auch mit unserem dekorativen Stand beim Markt der Initiativen.

Im Bühnenprogramm traten die Musiker und Flüchtlinge aus Afghanistan Amir Ahmadi und Surush Ahmadi auf. Sie spielten zu Anfang vor der Begrüßung durch die Bürgermeister Loderer und Heiland und durch Aniko Balazs, die für die Veranstalter sprach, sowie gleich wieder danach, sodass sie die volle Aufmerksamkeit des Publikums genossen. Die Unterstützung durch eine günstige Platzierung hätten sie jedoch nicht nötig gehabt. Amir spielte auf dem Keyboard traditionelle afghanische Volksmusik und sang dazu, Surush begleitete ihn auf seinen Trommeln. Zu einer Hochzeitsmusik begannen eine afghanische Männerflüchtlingsgruppe und zwei Frauen spontan zu tanzen. Viel Applaus belohnte alle.

Amir ist gerade 17 Jahre geworden, er ist Hazara aus der Provinz Baghlan, mit 13 Jahren nach Deutschland gekommen und macht hier eine Ausbildung zum Lackierer. In Afghanistan hatte er keinen Musikunterricht, weil es in der Schule keinen gab. Und in Gegenden, die unter dem Einfluss der Taliban stehen, ist Musik als verpöntes weltliches Vergnügen verboten. Er hat zwar in zwei Jahren Schule lesen und schreiben gelernt, aber danach bei seinem Vater auf dem Feld gearbeitet. In München hat er Musikunterricht bei einem afghanischen Lehrer für Keyboard und afghanisches Harmonium genommen. Aber Noten? Ich höre und merke es mir einfach, erklärt er und ergänzt: Natürlich unterscheidet sich die Musik der Pashtunen von der der Hazara oder der Tadschikken. Nicht nur in der Sprache, sondern auch im Stil. Ich spiele aber alles und unterscheide nicht, ich habe Respekt vor jeder Kultur.

Surush ist 19 Jahre alt, auch er Hazara aus der Provinz Baghlan (die beiden sind nicht miteinander verwandt). Auch er ist seit mehreren Jahren in Deutschland und macht eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann. Surush hat gleichfalls bei dem afghanischen Musiklehrer in München Unterricht genommen, für das Trommeln auf der „tabla“. Genau wie Amir ist er der einzige Musiker in seiner Familie. Er sagt: Musik ist mir sehr wichtig. Meine tabla ist wie mein Freund, mein bester Freund. Er möchte mit Amir gemeinsam noch öfter auftreten. Manchmal werden sie zu Hochzeiten gebeten oder spielen auf den Treffen der Fußballmannschaft Ramasuri, die Brigitte Barthmann organisiert, die auch beiden Musiker seit Jahren betreut.


Der Helferkreis-Stand im Rahmen des Markts der Initiativen zeichnete sich nicht nur durch Fotowände und eine reiche Dekoration mit volkskundlichen Objekten und Informationsmaterial aus, sondern war während des gesamten Festprogramms sehr gut besucht. Zahlreiche Helferinnen und Helfer, die Gespräche mit vielen Gästen führten und immer wieder die von ihnen betreuten Flüchtlinge begrüßen konnten, berichteten, dass sie zu dieser Gelegenheit keine kritischen oder gar ablehnenden Stimmen zur Flüchtlingsarbeit hörten, sondern im Gegenteil anhaltendes Interesse spürten. Unser Dank für die Organisation unseres Teils am Fest der Kulturen gebührt Dorothea Blässing.

Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn 16.4.2018, Claudia Bernardoni




9.3.2018:    Fest zum fünfjährigen Bestehen des Helferkreises Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn


Im Herbst 2012, als die ersten Flüchtlinge in Ottobrunn eingetroffen und tatkräftig von der Gemeinde Ottobrunn vor allem in der Joseph-Seliger-Siedlung untergebracht worden waren, fand sich eine kleine Gruppe in der Pfarrei St. Magdalena zusammen, um die Flüchtlinge zu unterstützen. Aus dieser Initiativgruppe hat sich unser Helferkreis entwickelt und fünf Jahre lang engagiert gearbeitet. Das wollten wir feiern und luden am 09.03.2018 zu einem Abend mit Vortrag und Fest-Buffet in den Pfarrsaal von St. Otto in Ottobrunn ein.

Diakon Karl Stocker, seit Anfang an der Leiter unseres Helferkreises, begrüßte die zahlreichen Gäste, darunter Bürgermeister Loderer, die Sozialbtreuer/innen der Caritas, den Leiter und die stellvertretende Leiterin der Volkshochschule SüdOst, die Leiterinnen der beiden Klawotten, einige Vermieter von Wohnungen an anerkannte Flüchtlinge und ein engagierter Asylanwalt. Er erinnerte an unsere bewegte Geschichte als stetig anwachsender Kreis, der auch durch den Austausch auf regelmäßigen Treffen die unterschiedlichen Anforderungen durch Flüchtlinge aller Altersgruppen und vieler Herkunftsländer bisher bewältigen konnte.

Heidi Maurer, ehrenamtliche Sprecherin, sprach von dem starken Zusammenhalt, von der emotionalen und humanitären Motivation der Helferinnen und Helfer, der guten Atmosphäre bei den Treffen und in der Zusammenarbeit und dankte für die Unterstützung von Seiten der Gemeinden, Organisationen und Vereine vor Ort. Sie berichtete, dass wir heute ca. 120 Jugendliche, Frauen und Männer zählen; dass unser jüngster Helfer bereits mit 10 Jahren in Begleitung seiner Mutter Kinder im Kirchenasyl besucht hat, dass unsere ältesten Mitglieder 85 Jahre alt sind, und dass auch zehn Flüchtlinge aus Afghanistan, Syrien, Jordanien, dem Senegal Mitglieder sind und anderen Flüchtlingen helfen. Sie rief uns ein Zitat des Alt-Bundespräsidenten Joachim Gauck von 2014 in Erinnerung, das eine gute Überleitung zum folgenden Vortrag bildete: ….“zu den Tragödien… können wir nicht schweigen, wenn wir unsere eigenen Werte ernst nehmen“.

Claudia Bernardoni, zweite ehrenamtliche Sprecherin, stellte den Referenten des Abends, einen Orientalisten, Politologen und wissenschaftlichen Bibliothekar an der Staatsbibliothek München vor. Sie erklärte, dass wir den Vorderen Orient als Vortragsthema gewählt hatten, weil Syrien und Irak seit dem Jahr 2016 die Hauptherkunftsländer der Flüchtlinge auch hier bei uns waren, und unsere Aktivitäten insofern durch das Weltgeschehen geprägt werden. Sie fand, dass die Tragödie des Kriegs im Vorderen Orient uns in Einzelschicksalen, das heißt allerdings auch in Schlaglichtern, vor Augen steht, wir jedoch ein Gesamtbild für ein Mehr an Verständnis und Einfühlungsvermögen brauchen.



Robert Staudigl kam dieser Aufgabe mit beeindruckender Klarheit und Prägnanz nach. Er zeigte, dass die Zerstörung der ältesten Kultur, die auch für unsere europäische Entwicklung entscheidende Impulse gegeben hat, und dass die menschliche Tragödie in der gesamten Region keineswegs ohne das Zutun der westlichen Welt zustande gekommen sind. Im Gegenteil, der Angriff der Amerikaner unter einem ungerechtfertigten Vorwand auf den Irak hat zwar den Sturz Saddam Husseins zur Folge gehabt, andererseits aber auch die Begründung des Islamischen Staates durch Saddams Geheimdienstleute und den Feldzug des IS in Syrien. Damit war der Grund für das heutige Schlachtfeld verschiedener Welt- und Regionalmächte gelegt. Von den Russen, den Iranern und Assad über die Saudis bis hin zur Türkei versuchen sie, dort ihre Interessen durchzusetzen, ihre Einflusszonen zu vergrößern oder verkaufen Waffen wie Deutschland. Er machte klar, dass der Islam nur einen „moralischen“ Deckmantel für die Anwerbung von Jihadsten und damit für Krieg, Terror und Eroberung darstellt und abgesehen von den lokalen Verheerungen auch zu einer tiefen Feindschaft zwischen Sunniten und Schiiten geführt hat. Die Hoffnung auf Frieden in einer so verzweifelten Lage ist seiner Meinung nach dennoch nicht illusionär, aber dazu müssten viele Beteiligte konkrete kleine Schritte der Vertrauensbildung und Versöhnung für eine sehr lange Zeit gehen. Der Referent wurde noch lange, während das Buffet eröffnet war, von begeisterten und diskutierfreudigen Zuhörern umringt.

Köche für unser reichhaltiges Buffet waren Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak. Bei einem Glas Rotwein aus der Beeka-Ebene im Libanon, einem Bier oder einem nicht-alkoholischen Getränk fanden noch viele angeregte Gespräche statt.

Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn





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