Helferkreis Asyl Ottobrunn / Hohenbrunn  

Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn



Presse / Nachrichten

Kolumne in dem Gemeinde-Journal "Mein Ottobrunn"


04 / 2022     Welle der Hilfe
Gemeinde-Journal "Mein Ottobrunn" (Seite 18)
11 / 2021     Helfen schafft Vertrauen
Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn (Seite 17)
07 / 2021     Gelungene Integration: Neuer Glaube, neues Leben
Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn (Seite 20)

Artikel im "Gemeindeblatt Hohenbrunn"



07 / 2022     Wie gelingt Integration? Orte der Begegnung schaffen
Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn (Seite 46)
06 / 2022     Familienpatenschaften
Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn (Seite 56)
05 / 2022     Jahresbericht 2021
Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn (Seite 51)
Gesprächsrunde für ukrainische Seniorinnen und Senioren in der Kaiserstiftung
Seniorentreff Kaiserstiftung und Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn (Seite 34)


Die vollständige Liste der Artikel im Gemeinde-Journal "Mein Ottobrunn" und im "Gemeindeblatt Hohenbrunn" erhalten Sie hier.



Jahresberichte des Helferkreises Asyl


2021     Jahresbericht des Helferkreises Asyl
2020     Jahresbericht des Helferkreises Asyl
2019     Jahresbericht des Helferkreises Asyl
2018     Jahresbericht des Helferkreises Asyl
2017     Jahresbericht des Helferkreises Asyl
2016     Jahresbericht des Helferkreises Asyl
2015     Jahresbericht des Helferkreises Asyl
2014     Jahresbericht des Helferkreises Asyl und Bericht von der Nikolausfeier mit Flüchtlingen vom Eine-Welt-Kreis
2013     Erklärung des Helferkreises Asyl, unterzeichnet von 36 Mitgliedern
2012     Schritt ins Leben: Christen aus dem Landkreis unterstützen Asylbewerber
(Südost-Kurier, 30.10.2012),   (gedruckte Version, pdf)

Weitere Information erhalten Sie von unserem Team Öffentlichkeitsarbeit (E-Mail: presse@helferkreis-asyl.com ).




Übersicht der folgenden Beiträge





Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn (Juli 2022)

Wie gelingt Integration? Orte der Begegnung schaffen

Was ist wichtig, um sich an einem fremden Ort einzuleben, an den es einen durch Krieg, Gewalt, Verfolgung, Hunger verschlagen hat? Neben vielen anderem braucht es Willkommens-Stätten, in denen man „einheimische“ Menschen treffen und kennen lernen kann.

Das Café International im Haus der Evangelischen Jugend Ottobrunn, EJO, lädt monatlich Einheimische, Migranten, Geflüchtete ein. Bei schönem Wetter stehen Tische im Garten bereit, die Kinder können sich auf der großen Wiese oder auf dem Spielplatz daneben tummeln. Die nächsten Termine sind: Samstag, 15 – 17 Uhr, am 30.07., 27.08. Ort: Ottobrunn, Gartenstraße 1.

Das Café Ukraine der Kaiserstiftung Riemerling Foto: Helferkreis
Das Café Ukraine der Kaiserstiftung Riemerling lädt aus der Ukraine geflüchtete Seniorinnen und Senioren alle 14 Tage ein. Eine Dolmetscherin und ein Mitglied des Helferkreises Asyl sind dabei. Die nächsten Termine sind: Montag, 10 – 11:30 Uhr am 11.07., 25.07. Ort:  Riemerling, Rudolf-Diesel-Straße 9

Für ukrainische Mütter mit kleineren Kindern werden Mutter-/Oma-Kind-Gruppen in St. Magdalena am Freitagvormittag, 10 –  12 Uhr und bei entsprechender Nachfrage auch in St. Albertus Magnus angeboten.

Eltern mit kleineren Kindern sind auch im Familientreff der Gemeinde Ottobrunn im EJO an zwei Vormittagen in der Woche und im Elterncafé des Wichtelhauses Riemerling am Dienstagvormittag willkommen!

Die Reihe „Talk am Abend“ in der Kaiserstiftung konnte im Juni fortgesetzt werden. Zwei berufstätige Familienväter aus dem Senegal berichteten über die wirtschaftliche und politische Situation ihres Landes, kulturelle Traditionen und ihren Weg der Integration. Musikalische und kulinarische Kostproben bereicherten den Abend.

Informationen zu den Angeboten erhalten Sie unter E-Mail info@helferkreis-asyl.com

Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn

( siehe auch: "Gemeindeblatt Hohenbrunn", 07/2022,  Seite 46)





Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn (Juni 2022)

Familienpatenschaften

Familienpatinnen und –paten sind eine Herzensangelegenheit des Helferkreises. Sie begleiten über einen oft längeren Zeitraum hinweg eine Familie individuell, ausgerichtet an den Bedürfnissen der Familie und daran, wieviel Zeit man selber einbringen kann.

Ostern auf dem Spielplatz
Foto: privat
Die Patin Monika Geiselbrechtinger berichtet: „Mein erster Besuch galt 2016 einer Familie mit kleinen Kindern in einer neu errichteten Containeranlage in Ottobrunn. Die Familie musste aus dem Irak fliehen, weil ihre Religionsgemeinschaft vom IS vertrieben und vernichtet wurde. In die kleinen Mädchen habe ich mich gleich verliebt! Die Mutter verließ anfangs den Container nur, wenn wir zusammen auf den Spielplatz gegangen sind. Wir verständigten uns ohne Worte; ganz langsam wuchs Vertrauen.“ Auch nachdem die Familie in eine Container-Anlage in Unterhaching verlegt wurde, radelte die Patin weiter zu Besuchen.

2019 wurden sie zurück nach Ottobrunn verlegt, endlich in eine Wohnung. Die Corona-Pandemie erschwerte die Integration der Familie am Ort. Feste zum Kennen lernen fielen aus, eine neue Arbeit für den Familienvater ließ sich nicht finden. Umso mehr freute sich die Familie über die Besuche ihrer Paten-„Oma“. „Wenn ich an der Haustür klingle, stürmen die vier Mädchen oben an die Treppe und winken mir zu“, erzählt die Patin. Die Älteste muss die erste Klasse wiederholen, zu groß waren die Corona-bedingten Rückstände. Jetzt, mit Hilfe einer zweiten Patin, die sich um die Hausaufgaben kümmert, hat das Mädchen Freude am Lernen gefunden und zeigt mit Stolz ihre Schule!

Ziel einer Patenschaft ist es, den Schützlingen zu ermöglichen, in dem für sie fremden Land selbstständig zu werden. Oft entstehen Freundschaften, die Paten werden in die Familie aufgenommen und geachtet. „Ich möchte die vier Mädchen nicht mehr missen“, so Geiselbrechtinger.

Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn

( siehe auch: "Gemeindeblatt Hohenbrunn", 06/2022,  Seite 56)






Ukrainische Flüchtlinge – verschiedene Initiativen (April 2022)

Welle der Hilfe

Die AWO-Klawotten bedanken sich für die vielen Sachspenden, die sie seit Ausbruch des Krieges in der Ukraine entgegennehmen konnten. Inzwischen haben die Leiterin der Ottobrunner Klawotte, Spiri Schnabel, und ihre Kollegin Gabriela Goltios aus Unterhaching einen Hilfstransport an die ukrainische Grenze begleitet. »Auch hier vor Ort freuen wir uns über den Besuch von ukrainischen Flüchtlingen. Alle bekommen eine kostenlose Erstausstattung und danach die Kleidung zum halben Preis«, so Schnabel.

Wer momentan spenden möchte, sollte am besten Geld spenden, da die Lager voll sind. Der AWO Kreisverband München-Land hat dafür eigens ein Spendenkonto bei der Kreissparkasse München- Starnberg-Ebersberg eingerichtet, IBAN: DE63 7025 0150 0028 5054 69, Stichwort: Nothilfe in der Ukraine.

Bei ihrem Klawotte-Hilfseinsatz nahmen sich Spiri Schnabel (r., vorne) und Gabriela Goltios (r. hinten) viel Zeit für die Flüchtenden im Grenzdorf zwischen Ukraine und Rumänien. Foto: privat


Treffen zum Austausch
Um UkrainerInnen unkompliziert ein Treffen unter Landsleuten zu ermöglichen, ist Ende März eine weitere Initiative entstanden. Die Integrationsbeauftragte der Gemeinde, Stefanie Marrero, und die stellvertretende Leiterin der vhs SüdOst, Elisabeth Stein, haben ein regelmäßiges Treffen für die ukrainischen Geflüchteten ins Leben rufen. Das nächste Treffen findet am Montag, den 11. April um 19.30 Uhr im Festsaal des Wolf-Ferrari-Hauses statt. Dieses Treffen ist gedacht zum Austausch für Menschen, die aus der Ukraine geflohen sind und Ukrainer, die schon länger hier wohnen und Unterstützung anbieten wollen. Weitere Termine werden unter www.vhs-suedost.de bekannt gegeben.


Sprachkurse laufen
Auch laufen an der vhs SüdOst bereits erste Deutschkurse für UrkrainerInner; rund 100 Erwachsene und 30 Kinder nehmen derzeit daran teil. Weitere Interessierte können sich unter Tel. 442389-0 melden und auf die Warteliste setzen lassen. Um einen Integrationskurs beantragen zu können, müssen die Geflüchteten laut Elisabeth Stein registriert sein.

Viel gefragt ist momentan auch der Helferkreis Asyl, der sein über Jahre gesammeltes Wissen nun vor allem den ukrainischen Flüchtlingen zur Verfügung stellt.


Kostenfreies Sportangebot
Die Ottobrunner Sportvereine TSV, TSC und der VC bieten für ukrainische Geflüchtete verschiedene Sportarten an. Das Angebot ist kostenlos und richtet sich an Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Einen zweisprachigen Flyer und weitere Infos gibt es bei der Geschäftsstelle des TSV (Tel. 609 57 30; E-Mail: geschaefts stelle@tsvottobrunn.de) oder unter www.tsvottobrunn.de. Weitere Infos zur vielseitigen Ukrainehilfe in Ottobrunn gibt es unter www.ottobrunn.de (➙ Aktuelle Nachrichten).
MO


( Quelle: "Mein Ottobrunn", 04/2022, Seite 18 )




Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn (Februar 2022)

Wunsch-Ausbildung geschafft – wie geht es weiter?

Eman aus Afghanistan ist jetzt 21 Jahre alt. Er hat 2018 seinen Quali an der Carl-Steinmeier-Mittelschule nach nur 3,5 Jahren Aufenthalt in Deutschland und wenigen Schuljahren in Afghanistan bestanden. Er lernte hochmotiviert und sogar in der Freizeit weiter mit Lernpaten des Helferkreises. Gleich nach der Ankunft in München hatte der junge, unbegleitete Flüchtling einen Blinddarmdurchbruch, alles ging gut! Dankbar erinnert sich Eman noch heute an die Notfall-Hilfe.

Hat sich damals schon der Wunsch festgesetzt, im medizinischen Bereich eine Ausbildung zu machen? Mit guten Praktikumszeugnissen machte er sich im Frühjahr 2018 auf die Suche, Stellenanzeigen gab es reichlich. Doch er bekam monatelang keine Zusage. In der von Frau Dr. Wüstinger geführten Zahnarztpraxis in München bekam Eman letztlich im September 2018 einen Ausbildungsvertrag, und im November dann auch die Arbeitserlaubnis von der Ausländerbehörde.

2021 hat er sehr erfolgreich seinen Abschluss als Zahnmedizinischer Fachangestellter geschafft und auf Grund der guten Noten die Mittlere Reife von der Berufsschule bekommen. Der Versuch auf der BOS in München weiter zu lernen ist leider in der Probezeit gescheitert. Die Englischkenntnisse und auch die Deutschkenntnisse in Bezug auf Literatur konnte er so schnell nicht nachholen. Im Herbst will er eine Abendschule besuchen und es weiter versuchen.

Eine Arbeit hat er sofort wieder gefunden, neue Herausforderungen gibt es auch: Den Führerschein machen, Deutsch C1 schaffen, vor allem aber eine Wohnung finden, denn im Wohnheim kann er als Berufstätiger nicht bleiben

(Angebote gerne an Diakon Stocker, Tel. 089 / 420017901 oder info@helferkreis-asyl.com).

Ulla Müller, Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn

( siehe auch: "Gemeindeblatt Hohenbrunn", 02/2022,  Seite 54)






Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn (Februar 2022)

Jahresbericht 2021

Auch im zweiten Jahr der Pandemie wurden die Möglichkeiten des Helferkreises durch die Corona-Pandemie bestimmt, was die Mitglieder nicht daran hinderte, sich weiter tatkräftig zu engagieren.

Die Unterstützung galt 255 Personen, überwiegend Familien, darunter 135 Kinder und Jugendliche. Die meisten wohnen in Ottobrunn, Riemerling und Hohenbrunn, in dezentralen Asyl-Unterkünften des Landratsamtes, in Unterkünften für Arbeitnehmer und Auszubildende, in einer Obdachlosen-Unterkunft, in eigenen Wohnungen.

Die zu uns geflüchteten Menschen kommen aus Afghanistan, Syrien, Türkei, Irak, Somalia, Eritrea, Nigeria, Iran, Mali, Pakistan, Uganda, Senegal, Ukraine, Indonesien, Bangladesch, Myanmar.


Mit Sorge um die Gesundheit

Helferkreis-Mitglieder informierten und berieten, per Mail und oft in persönlichen Gesprächen, zu Corona Testung und Impfung, unterstützten bei Anmeldungen und begleiteten zu Impfterminen. In Quarantänen wurde bei Bedarf die Versorgung mit Lebensmitteln organisiert. Ein Familienvater starb im Sommer nach Monaten auf der Intensivstation an den Folgen der Infektion.


Integration durch Sicherung des Aufenthalts

Für die Mehrzahl unserer Flüchtlinge ruft der Gedanke an das Herkunftsland Ängste oder zumindest große Sorgen wach. Die Geflüchteten fühlen sich erfahrungsgemäß erst richtig in Deutschland angekommen, nämlich geschützt, vor einer Gefahr, in unbestimmter Zukunft doch in das Herkunftsland zurückkehren zu müssen, wenn sie eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis erhalten haben. Diese Niederlassungserlaubnis ist begehrt, aber für sehr gut integrierte Migranten gedacht und deshalb mit einigen Hürden versehen. Das gleiche gilt für die Einbürgerung, die nicht unbedingt allein als rechtlich gelungener Abschluss der Integration verstanden werden muss. Im Gegenteil, niedergelassene Ausländer können in Deutschland ein gleichberechtigtes und zufriedenes Leben führen, sie müssen allerdings auf spezielle Rechte für Staatsbürger verzichten.


Einbürgerungen

2021 konnten wir zwei Einbürgerungen verzeichnen: Die eine von einem syrischen Hotelfachmann, der 10 Jahre nach seiner Ankunft Deutscher geworden ist. Die zweite von einem Maler und Lackierer aus dem Irak nach 12 Jahren. Aussichtsreiche Einbürgerungen sind von zwei Irakern und drei Syrern, darunter einer Frau, geplant.


Niederlassungserlaubnisse

Fünf Flüchtlinge aus Syrien haben die Niederlassungserlaubnis erhalten, ein Schüler, ein Auszubildender zum Elektrotechniker, ein Elektrotechniker, eine Verkäuferin und ein Hotelfachmann. Es dauerte 6 bis 7 Jahre nach Ankunft in Deutschland, bis die unbefristete Aufenthaltserlaubnis erteilt wurde.

Zwei Anträge von einer afghanischen Schülerin und von einem Syrer werden noch geprüft. Drei Anträge wurden abgelehnt. Darunter waren zwei volljährige Syrer, beide wurden wegen nicht ausreichend gesicherten Lebensunterhalts abgelehnt, und ein Uganderin, die die Anwartschaftszeit von 5 Jahren seit der Ankunft um einen Monat noch nicht erfüllte.


Familiennachzug

Was bedeutet es für einen Vater oder eine Mutter, sich jahrelang Nacht für Nacht um die zurückgelassenen Kinder zu sorgen? Die Angst können wir uns vielleicht vorstellen. Welche Belastung es für die Aufgabenerfüllung des täglichen Lebens bedeutet, sehen wir. Aber wie es sich auf die langfristige Integration auswirkt, wird sich erst noch herausstellen.

Nach vier Jahren intensiver Bemühungen gelang es einem anerkannten syrischen Familienvater, seine Frau und seine zwei kleinen Töchter, die auf der Flucht in Griechenland gestrandet waren, nach Deutschland zu holen. Bei der Beantragung der behördlichen Formalitäten war der Helferkreis an der Seite der Familie.

Für zwei somalische Mütter setzten sich die Familienpaten seit 2019 für den gesetzlich geregelten Familiennachzug der Kinder ein. 2020 verzögerten sich die Ausreisen – pandemie-bedingt - weiter. Im Frühjahr 2021 kam schließlich Bewegung in die Angelegenheit, beide Mütter schlossen, sieben Jahre nach der Flucht, auf dem Flughafen überglücklich ihre Kinder in die Arme, um als erstes in die Einreise-Quarantäne zu müssen.


Sorge um Familienangehörige im Heimatland

Im August stürzte die dramatische Entwicklung in Afghanistan durch die vollständige Eroberung des Landes und die Machtübernahme der Taliban die afghanischen Familien und Männer in Angst und Sorge. Viele Nächte lang wurden Informationen mit den Angehörigen in Afghanistan ausgetauscht, wurde nach Fluchtmöglichkeiten gesucht. Vergeblich. Auch die Helfer nahmen an den Sorgen teil – und konnten nicht helfen. Bei manchen Geflüchteten bewirkte das Verantwortungsgefühl für die Verwandten eine Re-Traumatisierung und ist eine große Last bei der Bewältigung des Alltags.


Integration durch Arbeit

  • Der Arbeitskreis Job & Ausbildung unterstützte bei der Suche von Praktika, Ausbildungs- und Arbeitsplätzen. Helferkreis-Mitglieder kommunizierten mit Arbeitgebern und Jobcenter, begleiteten zur Arbeitsagentur, übten Bewerbungsgespräche. Berufsschüler wurden mit Laptops ausgestattet.
  • Feier der erfolgreichen Gesellenprüfung zum Hotelfachmann bzw. Gärtner
    Foto: privat
  • Die Möglichkeiten für Schüler-Praktika waren in der Pandemie sehr eingeschränkt. Manche Ausbildung erweist sich als sehr schwer, vielleicht auch zu schwer. Lernpaten versuchten, mit Nachhilfe etwas aufzuholen, was bei einer schwierigen Schullaufbahn manchmal nicht zu schaffen ist. Auch unzureichende Sprachkenntnisse waren noch immer ein Problem..
  • Junge Menschen mit Schulabschlüssen starteten im September ihre Ausbildungen, zum Fahrradmechaniker, zum Groß- und Außenhandelskaufmann, zum Industriemechaniker, zur Verwaltungsfachangestellten, zum Mechatroniker für Kühltechnik, zum Baugeräteführer, zum Elektroniker für Systemtechnik. Zwei junge Frauen nahmen die Ausbildung zur Physikalisch-Technischen Assistentin an einer Berufsfachschule auf. Ein Vater begann die Ausbildung zum Busfahrer bei den Stadtwerken München..
  • Online Berufsschule und fehlender Praxis-Unterricht erschwerten es den Auszubildenden, sich den Prüfungsstoff anzueignen. Sechs Auszubildende erhielten ihr Abschluss-Zertifikat, als Krankenpflegehelferin, als Hotelfachmann, als Rollladen- und Sonnenschutzmechatroniker, zwei als Zahnmedizinische Fachangestellte, als Garten- und Landschaftsbauer. Die Auszubildenden wurden sofort von ihren Arbeitgebern übernommen. Zwei Familienväter beendeten erfolgreich ihre Umschulung zum Betriebselektroniker bei der Deutschen Bahn..
  • Einigen Azubis gelang es nicht, alle theoretischen Prüfungen zu bestehen, sie müssen Teilbereiche wiederholen. Die Ausbildungsfirmen beschäftigen sie weiter, zumal sie in ihrer praktischen Arbeit überzeugen. Die Lernpaten stehen weiter motivierend zur Seite..
  • Ein großes Anliegen ist es, den Müttern Qualifizierungen und Ausbildungen zu ermöglichen. Eine Mutter begann die Ausbildung zur Medizinischen Fachangestellten in einer Augenarztpraxis, eine Mutter startete ein Vorbereitungsjahr zur Pflegeausbildung bei Münchenstift, eine weitere die Berufsqualifizierung Verkauf im Projekt Mona Lea der VHS München..
  • Um sich im Beruf weiter zu entwickeln, haben sich ein Koch und zwei Hotelfachleute einige Zeit nach Abschluss ihrer Ausbildung Arbeitsstellen in neuen Betrieben gesucht – ein erfolgreicher Schritt auf der Karriereleiter.


Integration durch Sprache und Bildung

  • 30 Ehrenamtliche waren als Lernpaten/-patinnen tätig, für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Gute Kontakte zu den Klassenlehrern ermöglichten das Bearbeiten von Wissenslücken mit den Schülern. Wo Equipment für Online-Unterricht fehlte, wurde dieses zur Verfügung gestellt. Für einzelne wurden Deutsch-, Englisch- und Mathe-Kurse an den Volkshochschulen finanziert.
  • Um die Lesekompetenz zu fördern, erhielten alle Kinder und Jugendlichen zu Ostern und zu Weihnachten altersgemäß ausgewählte Bücher.
  • Eine besondere Herausforderung war es, für die im Rahmen des Familiennachzugs eingereisten Kinder und Jugendlichen im Frühjahr geeignete Kindergärten und Schulen zu finden, die den Kindern einen schnellen Spracherwerb ermöglichen. Es gelang leider nur teilweise, drei Kinder konnten erst im September in Kindergarten und Schule starten.
  • Die IT-Experten im Helferkreis unterstützten individuell bei der Beschaffung, Installation und Schulung von Laptops, Druckern, Anschlüssen.
  • Intensiv wurden junge Menschen auf ihre Abschlüsse vorbereitet. Zwei Jugendliche erwarben die Mittlere Reife im zweijährigen Zug an der Mittelschule Haar und der Mittelschule Taufkirchen. Vier Jugendliche legten den Quali an der Carl-Steinmeier-Mittelschule in Riemerling ab.


Integration durch gesicherte Wohnverhältnisse

Der Helferkreis unterstützte bei der Wohnungssuche, den Bewerbungen, Besichtigungsterminen, beim Abschluss der Mietverträge, der Kommunikation mit Behörden, mit Zuschüssen zur Kaution und Transporter-Miete, beim Transport, der Möbelbeschaffung, der Möbel- und Lampenmontage, mit Umzugskartons, bei WLAN- und Stromverträgen. Vieles erforderte in Zeiten der Pandemie Mut und besondere Umsicht.

  • Die Bewohner der dezentralen Unterkünfte des Landratsamtes haben keine Sicherheit in Bezug auf ihre Unterbringung. Die meisten Mietverträge sind befristet abgeschlossen, immer wieder entscheiden sich Vermieter dafür, den Vertrag nicht zu verlängern. So bedeutet es ein großes Aufatmen, wenn nach erfolgter Anerkennung und jahrelanger Suche eine eigene Wohnung angemietet werden kann. Für drei Familien und zwei Frauen wurde dies möglich.
  • Für eine Familie mit Frühgeborenem konnte eine größere Wohnung gefunden werden. Zwei obdachlose Mütter mit Kindern erhielten Wohnungen durch die Gemeinde. Für fünf Kinder, die im Rahmen des Familiennachzuges einreisen durften, wurden vom Landratsamt Zimmer bei den Müttern in den Unterkünften bereitgestellt. Eine Mutter mit Neugeborenem durfte in eine kleine Asyl-Wohnung des Landratsamtes umziehen.
  • Die stark abgenutzte Einbauküche in einer Unterkunft wurde von Ehrenamtlichen ausgebaut und durch eine gespendete neuwertige Einbauküche ersetzt. Dazu noch frische Farbe und Beleuchtung – so macht den alleinerziehenden Müttern das Kochen wieder Freude.


Integration durch Teilhabe am sozialen Leben

Wir fördern und begleiten die Teilhabe von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen am sozialen und gesellschaftlichen Leben in unseren Gemeinden. Häufig begleiten Familienpaten bei diesen Schritten.

  • Die Sport-Angebote der Vereine wurden im Laufe des Jahres entsprechend der Corona-Vorgaben wieder aufgenommen, so dass die Kinder und Jugendlichen weiter in ihren Mannschaften trainieren konnten, und auch in neuen Gruppen aufgenommen wurden. Leider gab es noch keine Möglichkeit, die Schwimmkurse fortzusetzen.
  • Die Teilnahme von Kindern in den Schulferien am Sportcamp des TSV Ottobrunn, an Lilalu Workshops in München, an der Ferieninsel Hohenbrunn, einigen Angebote der VHS Südost und an einer Bauernhof-Freizeit des Asylhelferkreises Unterhaching wurde gefördert.
  • Die Helferkreis-Fußballmannschaft „Ramasuri“ startete im Juni wieder mit dem Training draußen, bis in den Herbst hinein. Es gab einige Neuzugänge und Rückkehrer – alle waren sehr froh, sich nach dem langen Lock down wieder treffen und spielen zu können.
  • Das Team des Café International lädt einmal im Monat zur Begegnung von Flüchtlingen und Einheimischen in das Haus der Evangelischen Jugend ein. Von Juni bis Oktober konnten die beliebten Treffen bei schönem Wetter mit kleinerer Teilnehmerzahl im Garten des EJO stattfinden. Neu zugezogene Familien lernten dabei andere Familien kennen.
  • In der Senioren Kaiserstiftung Riemerling lud der Helferkreis mit Gästen aus Syrien und dem Iran zu zwei Kultur-Talks am Freitagabend ein. Die Gäste berichteten aus ihrer Heimat, über ihre Flucht und beantworteten viele Fragen.
  • Geflüchtete engagieren sich in der AWO Klawotte Kinder & Kreativ, in der AWO Nachbarschaftshilfe, im Seniorenzentrum Kaiserstiftung, im Verein Mammalade für Karla e.V., bei der Feuerwehr Ottobrunn. Während der Lock down Zeiten boten sie immer wieder individuelle Einkaufs- und Transporthilfen an. Vier Männer sind aktiv als Kulturdolmetscher für Arabisch, Aramäisch und Dari bei der Caritas, bei Caritas Alveni und im Landratsamt.
  • Das Friedensgebet in St. Magdalena wurde von zwei Geflüchteten mitgestaltet.


Entwicklung im Helferkreis

  • 132 Ehrenamtliche sind Mitglieder im Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn; darunter 21 Flüchtlinge. Einige Helfer*innen sind ausgeschieden, neue sind dazugekommen. Die Altersspanne reicht von 15 bis über 80 Jahren. Pandemie-bedingt gab es immer wieder Unterbrechungen im Engagement.
  • Der Helferkreis traf sich14tägig, außer in den Schulferien. Von Januar bis Mai und im Dezember konnten die Treffen nur online stattfinden. Anfang September nahm Landrat Christoph Göbel an einem Treffen teil.
  • Weiterbildungsangebote zu Flucht und Integration wurden von den Organisationen meist online angeboten und von interessierten Helferkreis-Mitgliedern besucht. Präsenzveranstaltungen im Pfarrsaal konnten pandemie-bedingt nicht stattfinden.
  • Im Sommer trafen sich die Helferkreis-Mitglieder in vier kleineren Gruppen im Biergarten. Im Herbst fand ein Patentreffen statt. Drei Corona-Rundbriefe mit Beiträgen von Mitgliedern waren ein kleiner Ersatz für Sommer- und Weihnachtsfest, die leider ausfallen mussten.
  • Im September wurde in einem Gottesdienst für den Helferkreis in St. Magdalena der in der Pandemie verstorbenen Helferkreis-Mitglieder, Angehörigen und Flüchtlinge gedacht.


Zusammenarbeit mit Behörden, Organisationen und Öffentlichkeit

  • Mit der Integrationsbeauftragten der Gemeinde Ottobrunn bestand eine intensive Zusammenarbeit. In den Gemeinden Ottobrunn und Hohenbrunn gab es zwei Treffen am „Runden Tisch“. Das Landratsamt lud die Helferkreis-Koordinatoren im ersten Halbjahr zu zwei Online-Austauschrunden ein.
  • In der Asylsozial- und Migrationsarbeit gab es wieder personellen Wechsel, im Herbst wechselte die AWO Migrationsberaterin, zum Jahresende der Caritas Asylsozialarbeiter für Ottobrunn.
  • Die Flüchtlinge konnten sich lokal mit Kleidung, Spielsachen, Büchern, Geschirr und Möbeln versorgen - dank der AWO Klawotten und der AWO Rumpelkammer. Die Caritas Radlwerkstatt war eine große Hilfe für die Mobilität, bei Elektro-Großgeräte half die Caritas Mobile Werkstatt. Anerkannte Flüchtlinge bezogen Lebensmittel am Ottobrunner Tisch, einige Asylbewerber-Familien wurden mit der Lebensmittel-Kiste der AWO Nachbarschaftshilfe unterstützt.
  • Wir informieren die Öffentlichkeit über unsere Homepage, www.helferkreis-asyl.com, in den Gemeindeblättern Hohenbrunn und Ottobrunn, im Schaukasten von St. Magdalena, im Gemeindeblatt der Michaelskirche. Die Artikelserie „Wie gelingt Integration“ mit Berichten über die Geschichte unserer Flüchtlinge wurde fortgesetzt.

Die Corona-Pandemie hat die Zukunfts-Planungen und Integrations-Fortschritte der zu uns geflüchteten Menschen weiterhin erschwert. Mit Spenden von Privatpersonen, Organisationen, Kirchen, Stiftungen und Gemeinden konnten Angebote für Flüchtlinge finanziert und in Notlagen individuell und unbürokratisch geholfen werden. Dafür danken wir allen herzlich!


„Sich anderer annehmen bedeutet, dem Leben einen Sinn geben“


Dieses Zitat von Hannah Arendt* wird uns auch weiterhin in unserem Engagement motivieren.

* jüdische Philosophin, Journalistin, Publizistin, Flüchtling, Sozialarbeiterin, Hochschullehrerin. 1933 Flucht aus Deutschland, 14 Jahre staatenlos, 1951 amerikanische Staatsbürgerschaft



Helferkreis Asyl Ottobrunn / Hohenbrunn im Pfarrverband Vier Brunnen Ottobrunn
Heidi Maurer und Claudia Bernardoni                                 
Sprecherinnen
Diakon Karl Stocker
Leiter


Den vollständigen Bericht gibt es auch als PDF-Dokument



( siehe auch: "Gemeindeblatt Hohenbrunn", 05/2022,  Seite 51)




Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn (Dezember 2021)

Begegnung baut Vorurteile ab

Wie wichtig Begegnung ist, um sich besser kennen und verstehen zu lernen, wurde in den langen Monaten der Kontaktbeschränkungen schmerzlich bewusst.

Seit Juni konnte das monatliche Café International im Hause des EJO Ottobrunn wieder stattfinden –wenn auch in kleinerem Umfang und immer im Garten. Groß war die Freude bei den eingeladenen Besuchern, die als Neu-Zugezogene in der Pandemiezeit wenig Möglichkeiten hatten, Kontakte zu Einheimischen zu knüpfen. Am Tisch der Mütter berichtete eine afghanische Teilnehmerin über ein Qualifizierungsprogramm für Frauen an der VHS München. Die Väterrunde diskutierte Neuigkeiten und Jobangebote. Ein Helferkreis-Mitglied gab Tipps für die bevorstehenden Umzüge. Die Praktikantin tollte mit den Kindern im Garten herum, Fußball, Rutsche, Dreiräder und der benachbarte Spielplatz – hier verstanden sich die Kinder auch ohne Worte. Große und kleine Besucher aus Äthiopien, Afghanistan, Syrien, Ägypten, Uganda und der Türkei waren zu Gast.

Im Sommer startete der Helferkreis eine neue Talk-Runde in der Senioren Kaiserstiftung in Riemerling „Meine, deine, unsere Kultur“. Flüchtlinge, Helfer/innen und Gäste reden in wechselnder Runde über Themen, die sie bewegen, die Gespräche leitet Dr. Claudia Bernardoni. Den ersten Abend gestalteten Dr. Rana Ali und Rony Goliana aus Syrien. Sie beantworten Fragen über ihre Kindheit und Jugend, über das Land und die Leute, und erzählten, wie sie sich bei uns eingelebt haben. Im September berichtete Hoda Farshad, Erzieherin in Ottobrunn, über ihre Jugend im Iran, Gesellschaft, Frauen und Studienbedingungen. Sie gab ein beeindruckendes Beispiel für die Freude am Lernen.

Das beliebte „Essen über’n Tellerrand“ mit gemeinsamen Kochen und anregenden Tischrunden kann leider erst im neuen Jahr fortgeführt werden.

Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn

( siehe auch: "Gemeindeblatt Hohenbrunn", 12/2021,  Seite 50)






Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn - Gelungene Integration (November 2021)

Helfen schafft Vertrauen

In einer Ottobrunner Flüchtlingsunterkunft wohnten vor sechs Jahren insgesamt neun Frauen aus Somalia. Inzwischen sind Kinder geboren und insgesamt fünf Kinder von zwei Müttern haben durch Familiennachzug einreisen können. Das waren große Ereignisse für die Familien und den Helferkreis, weil das Aufenthaltsrecht hier den jungen Menschen ein menschenwürdiges Leben eröffnet und sich in einem Fall wegen schwerer Erkrankung sogar lebensrettend auswirkt. Aus diesen Gründen ist Bewegung in die gut befreundete Frauengruppe gekommen. Mehrere Frauen mit ihren Kindern und den Vätern, darunter die eine mit Familiennachzug, haben neue Wohnungen gefunden und sind ausgezogen. Und für zweite Familie mit den beiden nachgezogenen Söhnen, Mohamed, 12 Jahre, und Mahir, 8 Jahre, der Somalierin Sarruuro, musste ein Raum im oberen Stock eingerichtet werden.

Das Zimmer mit gespendeten Möbeln auszustatten, war de r erste Einsatz von Emad (32) und seinem Cousin Hamman (27). Sie kommen aus einem Dorf am Ufer des Euphrat bei Aleppo. Beide sind wegen des Syrienkriegs als Flüchtlinge hierhergekommen. Emad hat bereits gearbeitet, sucht jedoch gerade eine neue Stelle, und Hamman macht eine Ausbildung zum Vermessungstechniker. Samstags haben sie frei, deshalb haben sie nun Mitte Juli wieder tatkräftig bei einem dringend notwendigen Küchenaustausch mitgewirkt. Katharina, Mitglied im Helferkreis und Leiterin der Aktion, sagt:

Die alte Küche war inzwischen in die Jahre gekommen. Einzelteile fehlten, das Backrohr funktionierte schon lange nicht mehr, die Geschirrspülmaschine sowieso nicht. Die Frauen erzählten mir, dass am Anfang, als sie dort einquartiert wurden, insgesamt neun Frauen in dem Haus waren, die alle dort gekocht haben. Neun Frauen in einer Küche, das kann ich mir kaum vorstellen.

Eine „neue“ Küche wurde mit Hilfe der AWO-Rumpelkammer in Grasbrunn gefunden. Hamman besitzt einen Führerschein. So war es möglich, ein Mietauto zu nehmen. Gemeinsam mit Christian, einem weiteren Helferkreismitglied, und Katharina plus Privatwagen war das Team komplett. Der Ausbau war nicht einfach, denn die Küche bestand aus großen Teilen, aber der Grasbrunner Spender half mit. Beim Entladen und Einlagern der Austauschküche in einem trockenen Raum haben dann auch die Bewohner*innen der Ottobrunner Unterkunft angepackt. Danach haben sie die alte Küche ausgebaut und vorerst im Garten gelagert.

Nach diesem ersten Akt übernahm Katharina selbst den zweiten, nämlich gemeinsam mit den künftigen Nutzerinnen Sarruuro und Nasro sowie Nimco, einer ehemaligen Mitbewohnerin, die Renovierung der Wände mit Anstrich. Auch die Schulkinder, Ayman und Hannah, haben nach Kräften geholfen. Zwei Wochen später haben dann Emad und Hamman die Küchenmöbel bestmöglich platziert und eingepasst. Einen kleinen Wermutstropfen gab es leider. Die Dunstabzugshaube konnte nicht mehr installiert werden, da an dieser Stelle überall Leitungen in den Wänden vorhanden sind. Nachdem noch Arbeitsplatten zugeschnitten und vom Baumarkt abgeholt und eingebaut worden waren, war alles fertig. Katharina sagt:

Sarruuro und Nasro haben sich sehr über die neue Küche gefreut. Es war zwar viel Arbeit. Aber mir hat es großen Spaß gemacht, insbesondere auch mit den anderen Helfern, die mit großem Elan bei der Sache waren und sich als absolut verlässliche Helfer gezeigt haben.

Ganze Tage lang für andere arbeiten, warum tun Sie das, war unsere Frage an Emad:

Warum hilft der Helferkreis uns? In unserer Kultur sagen die Eltern: Du sollst helfen, keinen Dank, kein Geld verlangen, einfach helfen. Und es gibt noch einen Grund: Ich komme aus Syrien. Ich bin Araber. Ich sehe anders aus. Manche Leute hier haben Angst. Wenn ich jedoch andere durch Hilfe kennen lerne, dann sehen sie meine Person und meine Kultur. Die Angst verschwindet.

Claudia Bernardoni, Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn

( siehe auch: "Mein Ottobrunn", 11/2021, Seite 17)






Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn (September 2021)

Vom kleinen Glück auf dem grünen Platz – Fußballmannschaft Ramasuri

Während sich zu den Spielen der Europameisterschaft in den Stadien wieder die ersten Zuschauer einfanden, konnte auch die Flüchtlingsmannschaft Ramasuri nach einer langen Zwangspause das Fußballspielen wieder aufnehmen.

Das letzte Training fand im September statt, danach kam die große Leere. Wegen der strengen Auflagen ist auch vieles andere ausgefallen: die beliebte Weihnachtsfeier, das alljährliche Bowling und leider auch das sommerliche Trainingslager.

Die Organisatorin Brigitte Barthmann machte sich Gedanken: „Wie eine Mannschaft zusammenhalten, wenn man sich so lange Zeit überhaupt nicht sehen darf, wenn einem nur WhatsApp und Telefonate zur Verfügung stehen? Wenn gerade die Spieler, die unter Depressionen oder Traumata leiden, dann auch noch Kurzarbeit haben oder gar ihren Job verlieren? Wie soll man den persönlichen Kontakt, den man jede Woche auf dem Fußballplatz hat, ersetzen?“

Als es dann endlich wieder losgehen konnte, kam wer kommen konnte. Selbst Spieler, die nach dem Training am Samstagmorgen noch 8 oder 10 Stunden Arbeit vor sich haben, stehen auf dem Platz. Hier sind die Einsamkeit des Lockdown, die finanziellen Sorgen vergessen. Es ist auch nicht mehr so wichtig, wie groß das fußballerische Können ist - jetzt zählt nur noch die Freude, wieder mit der Mannschaft zusammen zu sein. Verschossene Pässe werden mit einem Lächeln abgetan und wenn nach 20 Minuten die ersten außer Puste geraten, weil die Kondition durch dem Lockdown gelitten hat, wird das mit viel Gelächter und dem Eingestehen des eigenen Ächzens unterlegt. Das Glück lässt sich nicht in Worte fassen, das über dem Fußballplatz schwebt.

Brigitte Barthmann, Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn

( siehe auch: "Gemeindeblatt Hohenbrunn", 09/2021, Seite 54)






Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn - Gelungene Integration (Juli 2021)

Neuer Glaube, neues Leben

Fatima F., 35 Jahre, ist 2012 aus dem Iran in die Flüchtlingsunterkunft in der Joseph-Seliger-Siedlung gekommen und gehört zu den langjährigen, aber auch zu den best integrierten, ehemaligen Flüchtlingen bei uns. Sie ist Christin geworden, hat in knapp 10 Jahren eine höchst beachtliche Berufslaufbahn absolviert und seit kurzem auch die deutsche Staatsbürgerschaft erworben.

2013 besuchte sie zunächst Volkshochschul-Kurse, um ihr Deutsch zu vervollkommnen. Zum Glück hatte sie an der Universität Teheran neben dem Studium der Geschichte und Erziehungswissenschaft bereits Deutsch als Fremdsprache gelernt und war bis zum Niveau B2 gekommen. Denn damals gab es an der Volkshochschule noch keine Anfängerkurse für Asylbewerber, und staatlich finanzierten Sprachkurse standen noch nicht zur Verfügung. Aber als Fortgeschrittene konnte Fatima mit Unterstützung des Helferkreises einen freien Platz in den Aufbau-Kursen belegen.

Zur gleichen Zeit nahm sie bei Pfarrerin Cornelia Stadler an der Evangelisch-Lutherischen Michaelskirche Einzelunterricht im christlichen Glauben. Fatima hatte sich bereits in ihrer Heimat dem Christentum zugewandt. Der schiitische Islam, den die iranischen Ayatollahs repräsentieren, war für ihr Empfinden zu sehr mit Zwang verbunden. Die Rechte der Frauen in der Gesellschaft zu eingeschränkt, zu viele Bereiche des Lebens der Frau von den Männern abhängig. Selbstwenn sich eine Frau scheiden lassen will, muss sie noch ihren Mann fragen, sagt Fatima. Und obwohl sie in den 2000er Jahren als Studentin an der Teheraner Universität keinen Tschador tragen musste, sondern ein Mantel und ein um den Kopf gelegter Schal genügte, fühlte Fatima sich eingeengt. Aber im Iran werden konvertierte Christen hingerichtet. Fatima wählte die Flucht aus der Heimat. 2014 wurde sie in der Michaelskirche getauft.

Dekan Mathis Steinbauer setzte sich für sie ein und schrieb an das Bundesamt. 2015 nach zweieinhalb Jahren Aufenthalt erhielt sie im Asylverfahren ein Abschiebungsverbot. Im selben Jahr mussten alle Flüchtlinge die Joseph-Seliger-Siedlung wegen der Neubauarbeiten verlassen. Fatima durfte aufgrund ihrer inzwischen ausgestellten Aufenthaltserlaubnis in ein Privat-Zimmer bei einem Ehepaar aus dem Umkreis der Helfer umziehen.

Bereits 2014 hatte sie eine schulische Ausbildung an der Fachakademie für Soziale Berufe der Inneren Mission in München begonnen. Bis 2016 dauerte die Erstausbildung zur Kinderpflegerin. In der Regel folgen dann noch drei Jahre Ausbildung zur Erzieherin. Sie besuchte dreimal in der Woche die Abendschule an der Fachakademie, absolvierte Intensivkursen und lernte zusätzlich noch zu Hause. Auf diese Weise konnte sie die Ausbildung auf zwei weitere Jahre verkürzen, obwohl sie Vollzeit als Kinderpflegerin im Evangelischen Kinderhaus Ottobrunn unter fördernder Leitung von Ruth Markwart-Kunas arbeitete.

Ende 2018 ging Fatima für ein Jahr als Erzieherin zur Evangelischen Kinderkrippe in Ottobrunn. Aber sie wollte noch mehr Erfahrungen machen. 2019 wechselte sie zur Stationären Jugendhilfe des Katholischen Jugend-und Sozialwerks München. Dort betreute sie junge Afrikaner. Sie erzählten auch, dass die jungen Leute sich beklagten, weil sie in der Öffentlichkeit unerwünscht schienen, angefeindet wurden und häufig Polizeikontrollen hinnehmen mussten. Heute ist Fatima mit einem deutschen jungen Mann zusammen, dessen Eltern aus Guinea stammen. „Unterwegs mit einem dunkelhäutigen Menschen, und die Passanten starren dich an“, das erlebte Fatimaselbst zum ersten Mal. Die Arbeit mit den afrikanischen Jugendlichen gefiel ihr, aber die Nachtschichten fielen ihr schwer, weshalb sie 2020 für acht Monate die Leitung einer Kinderkrippe in Allach innehatte. Aber Fatima ist nicht so schnell zufrieden, immer wissbegierig, sie möchte sich immer weiter bilden. Deshalb hat sie eine berufsbegleitende Ausbildung zur systemischen Familientherapeutin begonnen. Sie dauert vier Jahre. Um das finanzieren zu können, arbeitet sie wiederum Vollzeit in der Kinderkrippe in Ottobrunn. In Zukunft möchte sie als Familientherapeutin bei der Stadt München tätig werden. Wir wünschen ihr viel Glück dabei.

Claudia Bernardoni, Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn

( siehe auch: "Mein Ottobrunn", 07/2021, Seite 20)






Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn (Juli 2021)

Ferienprogramme - Glück in Pandemiezeiten

Durch die Lockdown-bedingte Isolation haben die Flüchtlingskinder in der langen Pandemiezeit sehr gelitten. Mit der Familie in den Urlaub zu fahren, können sich die Eltern nicht leisten. Umso glücklicher sind die Kinder und Jugendlichen, wenn sie in den Ferienzeiten soziale Kontakte wieder beleben und neue Erlebnisspielräume ausprobieren können. Ermutigung durch die Paten sowie finanzielle Zuschüsse der Gemeinde und des Helferkreises ermöglichen die Teilnahme.

Vor den Osterferien stand erst am letzten Schultag fest, dass die Ferieninsel des KJR für Grundschulkinder durchgeführt werden kann. Begeistert meldeten sich die Teilnehmer danach auch für die Pfingstferien-Woche „Ein Abflug auf die Kunterbuntinsel“. Das Regenwetter war kein Problem für die Kinder. Eine syrische Zweitkläßlerin berichtet: „Ich habe gebatikt, gebastelt, gespielt und geturnt. Wir sind nach draußen gegangen. Das hat natürlich Spaß gemacht! Die Leiterinnen und Leiter waren richtig nett. Ich würde es gerne nochmal machen“.

Drei Jugendliche erlebten eine Woche Bewegung, Gemeinschaft und neue Impulse im Lilalu-Ferienprogramm der Johanniter in München. Die Woche begann schon am Sonntagabend mit einem Ausflug der Patin zum Schnelltest-Center. Montagfrüh musste der Eingang in die fremde Turnhalle in der Stadt gefunden werden. Im Workshop „Bunte Woche – Akrobatik und Luftartistik“ übten die Teilnehmer Kunststücke und Tricks ein und führten sie am letzten Tag in einer bunten Choreografie auf, die sich die Eltern per Video zu Hause anschauen konnten.

Jetzt freuen sich die Kinder auf ein buntes Outdoor-Angebot in den langen Sommerferien.

Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn

( "Gemeindeblatt Hohenbrunn", 07/2021, Seite 52)






Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn (Mai 2021)

Wie Christen aus dem Irak und Syrien Ostern feiern
Drei Familien berichten über ihre Osterbräuche

Nihaya feiert Ostern in diesem Jahr mit ihrer Familie nach dem orthodoxen Festjahr erst am 2. Mai. Die Familie stammt aus Bartella in der Ninive-Ebene im Irak und gehört der syrisch-orthodoxen Kirche an. Der Besuch des 3stündigen Gottesdienstes gehörte zur Feier, ebenso wie der Besuch bei Eltern und Großeltern. Die Großeltern luden zum Festessen ein, jeder freute sich auf den mit Fleisch, getrockneten Früchten und Nüssen gefüllten Fladen „Kibbeh“.

Rita und Familie kommen ebenfalls aus der Ninive-Ebene im Irak und gehören der chaldäisch-katholischen Kirche an. In der 50tägigen Fastenzeit vor Ostern wurde auf alle tierischen Produkte verzichtet. Die Ostereier durften erst am Samstagabend gefärbt und verziert werden, kunstvoll mit Zwiebelschalen, Blättern, Blumen. Um Mitternacht gingen alle Familien in eine der vielen Kirchen in Karemlasch. Morgens gab es zur Stärkung nach der langen Fastenzeit etwas Fettes, „Pacha“, ein Gericht mit Schafsfleisch und Innereien.

Rony ist Mitglied der Assyrischen Kirche des Ostens. Er stammt aus Hassake, im Nordosten Syriens gelegen. Traditionell wurden alle Familienmitglieder vor Ostern mit neuer Kleidung und Schuhen ausgestattet. Nachts ging die Familie in den Auferstehungsgottesdienst. Als Symbol für die Auferstehung und das Licht gehörte zum Festessen am Ostersonntag eine weiße Joghurtsuppe mit Lammfleisch und Gerste. Das oberste Stück auf einer Pyramide mit süßen Keksen war mit einem Kreuz verziert, von diesem Stück bekam jeder ein kleines Teilchen abgebrochen. Man vergnügte sich mit Eierklopfen, dabei erinnert sich Rony an kleine Eier mit orangem Dotter und besonders fester Schale.

Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn

"Gemeindeblatt Hohenbrunn", 05/2021, Seite 56






Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn (März 2021)

Jahresbericht 2020

Im achten Jahr seines Bestehens wurde der Helferkreis im März durch die Corona-Pandemie plötzlich vor völlig neue Herausforderungen gestellt. Integrationskurse wurden unterbrochen, Arbeitende verloren ihre Jobs oder mussten mit Kurzarbeits-geld auskommen, Behörden und Beratungsstellen waren oft für persönliche Besuche geschlossen. Schulkinder mussten mit Home Schooling zurechtkommen, die meisten Sport- und Begegnungsangebote waren unterbrochen, Ottobrunner Tisch und Klawotten geschlossen.

Die Mitglieder des Helferkreises haben sich mit Phantasie und Tatkraft unter Corona-Bedingungen weiter engagiert. Die Unterstützung galt 250 Personen, überwiegend Familien, darunter ca. 130 Kinder und Jugendliche. Die meisten wohnen in Ottobrunn, Riemerling und Hohenbrunn, in dezentralen Asyl-Unterkünften des Landratsamtes, in eigenen Wohnungen, in einer Obdachlosen-Unterkunft. Zwei Mütter und ein Vater warten seit Jahren auf Familiennachzug ihrer Kinder.

Die zu uns geflüchteten Menschen kommen aus Afghanistan, Syrien, Irak, Somalia, Nigeria, Iran, Mali, Pakistan, Uganda, Senegal, Ukraine, Indonesien, Bangladesch, Myanmar, Türkei.

Den vollständigen Bericht finden Sie unter "Jahresbericht 2020 des Helferkreises Asyl"


(siehe auch "Gemeindeblatt Hohenbrunn", 04/2021, Seite 47)






Helferkreis Asyl Ottobrunn / Hohenbrunn nutzt AWO-Rumpelkammer (Februar 2021)

Notwendige Spenden

2014 wurde die Idee zum Projekt einer virtuellen Rumpelkammer geboren, weil Kunden der Ottobrunner Klawotte nach Möbeln fragten. Es waren u.a. Flüchtlinge, die aus dem kleinen Privatbereich in der Unterkunft ein Stück Zuhause machen wollten. So wurde die Rumpelkammer von der AWONachbarschaftshilfe gegründet. Dorothea Blässing, Mitglied im Helferkreis Asyl, fand als Projektleiterin der Rumpelkammer die optimale Aufgabe. »Wie notwendig die Rumpelkammer für Bedürftige in unserem südöstlichen Landkreis geworden ist, haben wir während des Lockdowns über Weihnachten wieder erlebt«, berichtet Dorothea Blässing. Deshalb bittet die Rumpelkammer um Möbelspenden und vermittelt sie an Bedürftige, einfach, schnell und gegen Selbstabholung.
Wer etwas abzugeben hat, kann sich per Telefon oder E-Mail an Dorothea Blässing wenden (Tel. 0152/ 53 63 96 06, E-Mail: awo-rumpelkammer@awo-nbh.de).

Claudia Bernardoni Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn / MO

(„Mein Ottobrunn“, 02/2021, Seite 17)









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