Helferkreis Asyl Ottobrunn / Hohenbrunn  

Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn



Aktuelles


Ludwig-Maximilians-Universität München, Institut für den Nahen und Mittleren Osten

Basiswissen Islam: solide Erklärungen der Islamwissenschaft


Eine Vortragsreihe für die breite Bevölkerung: egal, ob christlichen, atheistischen, buddhistischen, jüdischen, muslimischen oder anderen Glaubens, für Handwerkerinnen und Handwerker ebenso wie für Akademiker und Akademikerinnen, für Bayerinnen und Bayern wie für Zugereiste, Schüler, Schülerinnen und Lehrkräfte..

In Europa glauben heute fast alle, dass ...

...    alle Musliminnen und Muslime grundsätzlich das Bekenntnis "Es gibt keinen Gott ausser Gott und Mohammed ist sein Prophet" teilen.
...    der Koran der Bibel sehr ähnlich ist.
...    die heutigen Araber und Araberinnen aus der Arabischen Halbinsel stammen.
...    der Islam mit Gewalt (oder: durch Missionierung) verbreitet worden ist.
...    Islamisten und Islamistinnen besonders gewaltbereit sind.
...    Schleier in der Islamischen Welt nur von Frauen getragen werden.
...    der "Islamische Staat" als religiöse Bewegung entstanden ist.

Aber: alle diese Aussagen sind falsch! Von der Wissenschaft wurden sie nie ernsthaft vertreten: unsere Studierenden lernen das im ersten Studienjahr! Solche weit verbreiteten, aber ganz unsinnigen Grundannahmen führen dazu, dass wir der Islamischen Welt heute meist entweder übertrieben freundlich oder übertrieben unfreundlich entgegentreten. Dabei hat die Islamwissenschaft zu diesen (und vielen anderen) Fragen ein ganz unstrittiges, solides und leicht zugängliches Wissen!

Mit unserer Vortragsreihe wollen wir dazu beitragen, die Islamische Welt so nüchtern zu betrachten und zu bewerten, wie wir dies mit anderen Weltgegenden schon lange tun.

Die Vorträge werden aufgezeichnet und stehen etwa eine Woche später online zur Verfügung: Basiswissen Islam 2016 (1-7): Basiswissen Islam 2017 (8-13): Basiswissen Islam 2018 (14-19): Basiswissen Islam 2019 (20-26):

Basiswissen Islam 2020 (27-31):

Die Vorträge finden dienstags um 18:15 Uhr online über Zoom statt

Die Vorträge finden online über Zoom statt, ohne vorherige Anmeldung. Wenn Sie Zoom nicht installiert haben oder nicht installieren wollen, öffnen Sie den Link, antworten Sie auf "zoom.us.app öffnen?" mit Abbrechen und wählen Sie die Option "Mit Ihrem Browser anmelden". Direkt aus Zoom: Meeting-ID: 918 2919 3752; Kenncode: 917230. Mac-Benutzer verwenden nicht Firefox, sondern einen anderen Browser.

Zoom-Link: https://lmu-munich.zoom.us/j/91829193752?pwd=bTkxVjVqQ3U3VlhpaXF6ak03eit3dz09

10.11.2020       Basiswissen Islam 27 - Jemenitische(s) Juden(tum) und Migration: klassische und andere Narrative
Dr. Kerstin Hünefeld (Hebräische Universität, Jerusalem)

„Operation fliegender Teppich“ ist einer der ersten Treffer, wenn man Google zu den Stichworten: Juden, Jemen und Migration befragt. Auch vom kompletten „Exodus“ der jemenitischen Juden „auf Adlerflügeln“, oder gar ihrer „Flucht“ in den 1948 gegründeten Staat Israel während der frühen 1950er Jahre ist im Internet zu lesen. Gleichzeitig fällt auf, dass bis heute immer mal wieder Medienberichte erscheinen, die sich der Migration der „wirklich letzten Juden“ aus dem Jemen widmen, was Fragen darüber aufwirft, warum man vorher den Eindruck gewonnen hat, dass es dort
a) schon lange keine Juden mehr gibt und
b) alle jemenitischen Juden nach Israel migriert seien.

In meinem Vortrag möchte ich mit Ihnen erkunden, was es mit diesem Hauptnarrativ auf sich hat, und darüber hinaus Einblicke in weitere Zusammenhänge geben, in denen die Migration oder Nicht-Migration von jemenitischen Juden eine Rolle spielt. Darunter auch solche, die vielmehr mit muslimisch-jemenitischen Diskursen als den jemenitischen Juden selbst zu tun haben, oder was Ausprägungen jüdischen Lebens betrifft, in ganz andere Richtungen gehen, als sie im Jemen selbst vertreten waren, als dort sehr viel mehr Jüdinnen und Juden lebten als heute. Wussten Sie zum Beispiel, dass der Jemen das einzige Land ist, in dem es außerhalb des antiken Israels ein jüdisches Königreich gab? Oder einige Jüdinnen und Juden, die selbst noch im Jemen aufgewachsen sind in ihrem heutigen Alltag vor allem Jiddisch sprechen?

Dr. Kerstin Hünefeld ist Mitglied der Martin Buber Society of Fellows in the Humanities and Social Sciences an der hebräischen Universität in Jerusalem.

17.11.2020 Basiswissen Islam 28 - Zucker, Milch und Feuer: wie die Parsis (Zarathushtrier) nach Indien kamen und was sie darüber erzählen
Dr. Michael Stausberg (Universität Bergen)

Die Religion Zarathushtras, auch als Zoroastrismus bekannt, war bis in frühislamische Zeit die dominante religiöse Tradition im iranischen Kulturraum. Als Reaktion auf die Islamisierung Irans etablierten sich an der indischen Westküste, in Gujarat, kleinere zoroastrische Gemeinden. In Indien sind die Zarathushtrier als Parsen (Parsis) bekannt.

Dieser Vortrag soll die Etablierung der Parsi-Siedlungen beleuchten. Dabei geht es einerseits um historische Ereignisse und Konstellationen, andererseits um die Identitätsbildung der Parsis, wie sie mit Hilfe von historischen Erzählungen konstruiert wird. Im Vortrag werden wir uns die Erzählung von Sanjān eines zoroastrischen Priesters aus dem Jahre 1599 näher anschauen, die ein bemerkenswertes Szenario von Assimilation und Retention entwirft.

24.11.2020 Basiswissen Islam 29 - Bilder zirkulieren schnell, Menschen migrieren langsam. Der Jemen in Zeiten von Drohnentechnologie
Dr. Bettina Gräf (LMU, München)

Vieles ist anders in dieser Pandemie. Was vorerst gleich bleibt, ist der militärische Einsatz von Drohnentechnologie, um als Terroristen identifizierte Menschen zu überwachen und zu töten. Mein Vortrag wird in die Thematik am Beispiel der Drohneneinsätze im Jemen einführen. Des weiteren werde ich aus kulturwissenschaftlicher Perspektive über den Zusammenhang von Technologie, Migration und Medien sprechen und die Rolle von Bild- und Tonaufnahmen beleuchten.

08.12.2020 Basiswissen Islam 30 - Die armenische Diaspora: Geschichte und Gegenwart einer ‘entsetzten’ Gemeinschaft
Dr. Mihran Dabag (Universität Bochum)

Zusammenfassung folgt.

15.12.2020 Basiswissen Islam 31 - Epidemien in der islamischen Welt des Mittelalters: wie die Erben des Hippokrates mit ansteckenden Krankheiten umgingen
Dr. Peter Pormann (Universität Manchester)

Zusammenfassung folgt.


Organisation: LMU München, Institut für den Nahen und Mittleren Osten, Lehrstuhl für Arabistik und Islamwissenschaft und Gesellschaft der Freunde islamischer Kunst und Kultur e.V., München





COVID-19 / Corona-Krise



  • Merkblätter und Infografiken der wichtigen Hygiene-Tipps in diversen Sprachen.
    (unter anderem: Englisch, Französisch, Arabisch, Farsi/Persisch)
  • Mehrsprachiges Faltblatt "Hygienetipps" - Information für Eltern
    Das Faltblatt "Hygiene-Tipps für Eltern" gibt es in Deutsch, Englisch, Arabisch, Russisch, Türkisch. Es kann in den verschiedenen Sprachen als pdf (deutsch, englisch, arabisch) heruntergeladen werden.
  • ein Videokanal (youtube) mit Antworten auf häufig gestellte Fragen zum neuartigen Coronavirus (deutsch)

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Mehrsprachige Information des "Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration"

Diverse Information der "Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration" zu Corona-Themen mit Infotexten, mehrsprachigen Materialien, Übersetzungen der Ansprache der Bundeskanzlerin, Querverweisen zu RKI, BAMF, BzgA.
(unter anderem: Englisch, Französisch, Arabisch, Farsi/Persisch, Kurdisch, Pashtu)
(wird ständig aktualisiert)

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Ethnomedizinischen Zentrums Hannover:

Informationen und praktische Hinweise zum "Neues Coronavirus SARS-CoV-2" in 15 Sprachen, mit E-Book-Funktionalität und PDF-Abruf eines Handzettels.
(unter anderem: Englisch, Französisch, Arabisch, Farsi/Persisch)

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Mehrsprachige Information im Bayerischen Rundfunk

Der Bayerischen Rundfunk (BR) verbreitet jetzt die wichtigsten aktuellen Nachrichten zum Coronavirus auch in Fremdsprachen wie Arabisch und Englisch.
Die fremdsprachigen Informationen werden seit Kurzem aufgebaut und laufend erweitert.

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Information aus den Gemeinden Ottobrunn und Hohenbrunn

Aktuelle Informationen zu Corona
Pfarrverband Vier Brunnen - Ottobrunn:
Information zur Corona-Krise (Link)

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Information aus dem Landratsamt München

Information zum Corona-Virus (Link)
Behördengänge nur noch mit Termin:

Das Landratsamt hat seine allgemeinen Öffnungszeiten für den Parteienverkehr vorübergehend eingestellt. Persönliche Vorsprachen sind nur noch mit Terminvereinbarung möglich.
Weitere Infos: (Link)

Ausländerbehörde:
  • wird alle Bürger*innen deren Aufenthaltstitel, Duldung oder Aufenthaltsgestattung in den kommenden Wochen abläuft, postalisch anschreiben
  • elektronische Aufenthaltstitel (eAT) werden per Post (Einschreiben/persönliche Entgegennahme) verschickt
  • bitte vereinbaren Sie Notfalltermine ausschließlich über das Funktionspostfach der Ausländerbehörde
    E-Mail: auslaenderbehoerde@lra-m.bayern.de
  • es entstehen keine aufenthaltsrechtlichen Nachteile!




Café International


Café International, Ort der Verständigung und Begegnung
Flüchtlinge,Migranten, Einheimische treffen sich im Café International
Ort:     EJO - Haus der ev. Jugend Ottobrunn
Gartenstr. 1, 85521 Ottobrunn
    (parallel zur Rosenheimer Landstraße,
zwischen Jahnstraße und Putzbrunnerstraße)
Termin:    Samstags, 15 - 17 Uhr
        
Wegen der "Corona-Einschränkungen" konnten noch keine neuen Termine festgelegt werde.


Ansprechpartnerin: Ulla Wolf, ev Michaelskirchengemeinde Ottobrunn
Tel.: 0160 966 025 74 (UllaWolf@gmail.com)
Veranstalter: Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn





Helferkreis Asyl Ottobrunn / Hohenbrunn - Gelungene Integration (Oktober 2020)

Bestandene Gesellenprüfung

Ali ist heute 33 Jahre alt und arbeitet schon seit 25 Jahren. Seine Eltern mussten 1992 vor dem Bürgerkrieg aus Afghanistan in den Iran fliehen. Sie lebten in Kerman, einer großen, historischen Stadt im Südosten des Landes. Doch für die afghanische Familie war das Leben schwer. Der Vater war bereits 60 Jahre alt, als Ali zur Welt kam; bald wurde er sehr krank. Als ältester Sohn musste Ali die Familie mit drei Schwestern und einem jüngeren Bruder versorgen. Deshalb arbeitete er schon mit acht Jahren.
»Tagsüber war ich auf der Baustelle, danach ging ich zur Abendschule. Dort unterrichteten Afghanen, um ihren Landsleuten zu helfen. Weil wir Flüchtlinge waren, hatten wir keine Rechte, egal ob bei der Arbeit, auf der Straße oder auf dem Markt. Afghanen durften nur schwere Arbeiten annehmen und nicht im Büro oder in Geschäften arbeiten. Sie durften kein Auto fahren und keinen Führerschein machen«, erinnert sich Ali.
Er arbeitete viele Jahre auf dem Bau eines großen, öffentlichen Gebäudes und lernte praktisch ohne jede Ausbildung. Der leitende Ingenieur vertraute ihm und gab ihm Vorarbeiteraufgaben.

Iranische Polizei bedrohte Afghanen
2011 heiratete er Roqaya, die ebenfalls aus einer afghanischen Flüchtlingsfamilie in Kerman kam. Alle drei bzw. sechs Monate mussten die Aufenthaltserlaubnisse verlängert werden, was Geld kostete. Zudem nutzte die iranische Polizei jede Gelegenheit, um Afghanen auf der Straße anzuhalten und zu bedrohen. 2012 geriet Ali in eine Kontrolle und kam ohne Schuld in ein berüchtigtes Gefängnis. Er sollte für die Polizei als Tagelöhner, aber ohne Lohn arbeiten. Andernfalls drohten sie, ihn mit seiner Frau nach Afghanistan auszuweisen. Ali kam glücklicherweise wieder frei.
Nach diesem Erlebnis entschlossen sich Roqaya und er noch 2012 zur Flucht. Über die Türkei, Italien und Frankreich erreichte das Paar – Roqaya war mit der heute achtjährigen Zahra schwanger – am Weihnachtsabend 2013 erst Frankfurt und durch Umverteilung dann München und Ottobrunn. 2014 kam ihr Sohn Amin zur Welt. 2017 erhielten sie die Aufenthaltserlaubnis.

Lehre als Lackierer
Ab 2015 konnten sie die Sprachkurse an der vhs SüdOst wegen der Kinder nur im Wechsel vormittags oder abends besuchen. Bis 2017 hatte Ali Deutschkenntnisse auf Niveau B1 und Roqaya sogar B2 erworben. Kaum war sein Deutsch ausreichend, entschloss er sich, einen Ausbildungsberuf zu erlernen. Landsleute sagten: »Das schaffst du nicht; mit 30 Jahren eine Ausbildung! Geh arbeiten und Geld verdienen«. Aber Ali wollte es schaffen. »Der Helferkreis hat uns sehr unterstützt; vor allem unsere Patin Linda. Sie war von Anfang an wie eine Mutter für uns«, sagt Ali. Nach einem Berufsvorbereitungskurs, bei dem er einen »Quali«-entsprechenden Schulabschluss sowie ein Praktikum absolvierte, konnte er im Herbst 2017 eine Ausbildung als Lackierer bei Simon Gruber in Ottobrunn beginnen.

Engagement beim Helferkreis
Nach den ersten überwundenen Schwierigkeiten hatte Ali das Bedürfnis, etwas von der erhaltenen Hilfe zurückzugeben. Er engagierte sich im Helferkreis und unterstützte Wulf Riess tatkräftig bei den Möbeltransporten, die dieser im eigenen Auto für Flüchtlinge unternahm.
Roqaya konnte aufgrund ihrer fortgeschrittenen Sprachkenntnisse eine Qualifikation als Kulturdolmetscherin an der Volkshochschule erwerben und ist seither als Vermittlerin zwischen Ämtern und Institutionen für afghanische Familien tätig. Darüber hinaus unterstützen beide die Organisatorinnen UllaWolf und Linda Stiller bei den monatlichen Treffen für Flüchtlinge und Einheimische im Café International. Inzwischen hat die Familie eine Wohnung in Ottobrunn gefunden. Roqaya arbeitet in Teilzeit in einem Ottobrunner Lebensmittelgeschäft. Und im Juli 2020 hat Ali seine Gesellenprüfung bestanden. Die Familie ist glücklich. Aber Ali hat schon wieder ein Ziel: Er will den Meister machen. Das liegt noch in der Ferne, aber unerreichbar ist es nicht für einen, der fleißig ist und weiß, was er will: eine sichere Zukunft für seine Kinder in Deutschland.
Claudia Bernardoni, Helferkreis Asyl Ottobrunn / Hohenbrunn / MO

(siehe auch: „Mein Ottobrunn“, 10/2020, Seite 23)





Helferkreis Asyl Ottobrunn / Hohenbrunn (Juli 2020)

Von Bangladesch nach Bayern

Tanjena A., 26 Jahre, kommt aus einer guten Familie in Brahmanbaria, wo sie mit zwei Brüdern und einer Schwester aufwuchs. Sie konnte eine weiterführende Schule besuchen und drei Semester Philosophie in englischer Sprache an der Universität studieren. Während ihres Studiums wurde sie zur Flüchtlingshelferin und betreute zum Teil auf eigene Kosten obdachlose Kinder. Denn nach Bangladesh waren hunderttausende der im Nachbarland Myanmar vertriebenen Rohingya geflohen. Unter den Rohingya-Flüchtlingen lernte sie ihren späteren Ehemann kennen. Obwohl die Verbindung nicht erwünscht war, heirate sie 2012. Ihr Mann schaffte es, mit seinem Bruder 2013 nach Deutschland zu kommen Tanjena konnte 2017 - mit Unterstützung ihrer Brüder - über Mailand nach München einreisen. 2018 wurde die gemeinsame Tochter Muskan geboren. Tanjena wartet noch auf die Entscheidung über ihren Asylantrag und lebt mit ihrer Familie in Ottobrunn.
Tanjena besuchte bis zum Corona-Ausbruch einen Deutschkurs in Pasing mit Kinderbetreuung, die aber das kleine Mädchen teilweise unter heftigen Protesten ablehnte. Da Tanjena aber unbedingt schnell Deutsch lernen wollte, erteilt ihr Mary Siegle-Collins aus unserem Helferkreis Unterricht. Ich wurde gefragt, ob ich mit der jungen Frau aus Bangladesh hin und wieder spazieren gehen könnte, da diese so schüchtern sei und nicht gern alleine auf die Straße gehe. So begann unsere Bekanntschaft. Ich kam zu ihr in die kleine Wohnung in der Ottobrunner Ortsmitte, wo sie mit ihrem Mann und der kleinen Tochter (damals 6 Monate alt) lebte. Wenn das Wetter es zuließ, gingen wir spazieren. Um sie zum freien Sprechen ohne Bezug zu Texten im Lehrbuch zu veranlassen, fragte ich sie nach dem Leben in Bangladesh.
Es unterscheidet sich im bevölkerungsreichsten Flächenstaat der ganzen Welt natürlich wesentlich von dem in Deutschland. Die Zahl an Analphabeten ist sehr hoch; gearbeitet wird hauptsächlich im Agrarbereich mit Ausfuhrmöglichkeiten von Baumwolle, Tee, Reis. Für den Eigenbedarf gibt es Fisch, Geflügel, Obst, Gemüse u.a. Größere und kleinere Überschwemmungen gehören zum Alltag: Man geht bis zu den Knien im Wasser auf den Straßen und muss sich dann zu Hause waschen. Lange Zeit war die Geburtenrat sehr hoch. So berichtet Tanjena aus ihrer Familie: Die Frauen heiraten sehr früh, im Alter von 13, 14 Jahren, und haben dann oft bis zu 10 Kindern, für die sie zuständig sind, sodass eine berufliche Tätigkeit nicht vorgesehen ist.
Tanjena dagegen wollte unbedingt einen Arbeitsplatz, den sie mit Glück und einiger Unterstützung auch fand: Derzeit arbeitet sie als Putzhilfe in der Küche eines Ottobrunner Seniorenheims, aber nur sonntags, da der Vater, in der Woche in einem usbekischen Restaurant in München beschäftigt, dann die kleine Tochter betreut. Für den Herbst ist inzwischen ein Platz für Muskan in der Kinderkrippe Spatzennest gefunden, und ein Volkshochschulkurs für Tanjena ins Auge gefasst.
Eva Maria-Stiebler, Helferkreis Asyl Ottobrunn / Hohenbrunn (Juli 2020)

(siehe auch: „Mein Ottobrunn“, 07/2020, Seite 16)





Helferkreis Asyl / Klawotte Kinder und kreativ (Juni 2020)

Gemeinsam Masken nähen

Die Klawotte Kinder & Kreativ ist schon lange ein Ort des Zusammenhalts und der gegenseitigen Hilfe für die Bevölkerung von Ottobrunn und Umgebung. Bürger spenden Kleider, Spielzeug und Bücher, Freiwillige arbeiten ehrenamtlich, Bedürftige sind die erwünschten und gern gesehenen Kunden, und viele tauschen sich regelmäßig nach dem Einkauf bei einer Tasse Kaffee in den freundlich dekorierten Räumen in der Putzbrunner Straße aus. Aber dann kam die Corona-Ausgangsperre. Wie kann man die Zeit der Schließung kreativ nutzen? Alltagsmasken Nähen, war eine Idee, die auch bei der Klawotten- Leiterin Spiri Schnabel wie ein Blitz einschlug. Der Raum und die Ausstattung mit Nähmaschinen waren vorhanden. Nähabende mit Flüchtlingsfrauen hatten längst stattgefunden, und seit einem Jahr wurden auch die Schneiderkurse der vhs in der Klawotte durchgeführt. Zwei afghanische Mütter waren daraufhin in der Herstellung von phantasievoll gestalteten Recycling-Taschen aus gespendeten Stoffen tätig geworden.
Von daher konnte in den Klawotte-Räumen die ersten 100 Masken für das Pflegepersonal im Hans-Seidel-Haus genäht werden. Für Kliniken und Gemeinden reichten die Kapazitäten der Klawotte noch nicht aus. Daneben begann der Verkauf an private Kunden in kleinen Mengen. Es ging noch um den freiwilligen Schutz. Noch vor Ostern hatten Merkur und Hallo einen Aufruf gebracht: Stoffe und Gummis wurden gespendet, zusätzliche Nähmaschinen geliehen. Eine Krankenschwester erklärte den Näherinnen, worauf es bei der Fertigung ankommt. Die heiße Phase begann. Es kamen Aufträge von Ärzten für ihre Arztpraxen. Es wurden Faltenmodelle mit Stofffiltern als extra Einlage hergestellt, die einen besseren Schutz boten. Seither arbeiten in der Klawotte die Schneiderinnen unter Vorsichtsmaßnahmen täglich. „Die Hauptdarstellerin ist Najia A. aus Afghanistan, sie ist phantasievoll und schnell“, sagt Spiri Schnabel. Dazu kommt als Profi, Fabienne S., die Vhs-Kursleiterin, Karin R. aus dem Klawotte-Team und dem Helferkreis sowie eine weitere Flüchtlingsfrau, Khutar aus Syrien. Auch weil externe Schneiderinnen noch fertige Masken brachten und spendeten, wurde eine große Produktion möglich. Najia war auch diejenige, die fand, dass Arbeitsteilung effektiver sei, und fortan wurde wie am Fließband produziert, erst zugeschnitten und gebügelt, dann genäht und zuletzt die Gummis angebracht. Spiri Schnabel organisierte vormittags, nachmittags war sie die Chefvorbüglerin. „Manchmal waren wir so im Arbeitsrausch, dass ich mich nicht traute aufzuhören, weil Najia weitermachte, aber sie auch nicht, weil ich dran blieb, sagt Spiri Schnabel.
Dann kam der Materialengpass: Gummis wurden knapp, Bestellungen langwierig, dazu Dienstag nach Ostern die Maskenpflicht. Neue Modelle, bei denen der Stoff näher an die Ohren reicht, wurden um Gummi zu sparen, herausgebracht, schließlich Modelle mit Bändern. „ Als die Schule wieder anfing, kamen die Jungens und wollten schwarze Masken, nur schwarze! Aber so viel schwarzen Stoff hatten wir nicht. Also gingen wir durch unsere Räume und zerschnitten alles, was an schwarzer Kleidung dort hing. Überhaupt versuchen wir, uns in die Kunden hineinzuversetzen: Es ist ein bedrängendes Gefühl, eine Maske stundenlang tragen zu müssen.“ Komfort ist gefragt. Neuerdings gibt es individuelle Modelle in verschiedenen Größen und mit besonderen Aufdrucken oder Accessoirs, immer zum gewohnten, moderaten Preis.
Aber die Produktion ist nicht alles. „Oft hat sich bei der Arbeit ein so bombiges Gefühl eingestellt, Kreativität, Erfolg, Lachen, gute Laune. Manchmal haben wir Corona komplett vergessen! Manchmal geben uns Firmen ein Trinkgeld, dann kaufe ich Pizza für alle. Unsere Nähwerkstatt ist so stark wie nie und wird das auch bleiben, denn ein neues Projekt läuft schon an, aber das ist ganz wörtlich: Stoff für eine andere Geschichte“.
Claudia Bernardoni, Helferkreis Asyl Ottobrunn / Hohenbrunn (Juni 2020

(siehe auch: „Mein Ottobrunn“, 06/2020, Seite 16)





Helferkreis Asyl - Paten helfen Kinder (Mai 2020)

Schule daheim – Was bedeutet Corona für Flüchtlingskinder?

Auf jeden Fall eine außergewöhnlich schwierige Situation. Lehrer der Grundschulkinder schicken einmal pro Woche einen Plan und Aufgaben, die Lösungen aber erst eine Woche später. Für jüngere Kinder ist dieser zeitliche Abstand sicher viel zu groß, wenn niemand ihnen zeitnah sagen kann, ob die Aufgabe richtig gelöst wurde. Gerade für sie ist die Beziehung zum Lehrer so wichtig, die jetzt fehlt. Die älteren Schüler brauchen zum Lernen einen ruhigen Ort, der kaum vorhanden ist, wenn man in einer Flüchtlingsunterkunft wohnt, und sie müssen zeigen, dass sie sich selbst organisieren können.
Grundsätzlich sind die Probleme der Flüchtlingskinder beim „Homeschooling“ jetzt die Probleme aller Kinder, die in schwierigeren und ärmeren Verhältnissen leben, in denen Eltern wenig oder nicht helfen können. Für Flüchtlingseltern gilt es aber ganz besonders. Sie sprechen manchmal weniger gut Deutsch als die Kinder, die schon einige Jahre hier zur Schule gehen. Sie haben unser Schulsystem nicht selbst erlebt und wissen nicht sicher, was regelmäßig wiederholt werden muss, wie viel Eigeninitiative von den Schülern erwartet wird und wie viel Aufmerksamkeit die Eltern den Aufgaben ihrer Kinder geben sollten. Hinzu kommt, dass die digitale Ausstattung oft fehlt, denn Hausaufgaben allein auf dem Handy zu bewältigen, ist nicht möglich. Da ist die Unterstützung von Seiten der Flüchtlingshelfer gefragt. Paten aus dem Helferkreis drucken die Arbeitsblätter aus und bringen sie den Familien. Für Notebooks und Drucker sorgt Michael Steinacker, der gespendete Geräte wieder aufrüstet. Unlängst hat er Jugendlichen aus vier Flüchtlingsfamilien Notebooks geliefert.
Mit Ramez, einem 16jährigen Afghanen aus Riemerling, der die 9. Klasse eines Gymnasiums besucht, bearbeite ich die Aufgaben aus dem Literaturunterricht. Da ist es gut, im Live Chat darüber sprechen zu können. Ramez hat sich eine entsprechende App installiert, was funktioniert, wenn das Internet nicht gerade streikt. Die digitale Kompetenz von Schülern dieser Altersstufe kann also genutzt werden. Lediglich ganz neue Themen z. B. in Physik erwiesen sich für ihn als schwierig. Aber über Emails und in Online Meetings konnte er Fragen stellen, die auch sofort beantwortet wurden. In den Schulwochen vor den Ferien hat Ramez im Durchschnitt etwa so viel Zeit mit Lernen daheim verbracht, wie das in der Schule auch erforderlich gewesen wäre.
Für die jüngeren Kinder zu sorgen, ist schwieriger. Die Helfer können ihre Patenfamilien nicht besuchen, und die digitalen Kompetenzen sind nicht so gut wie bei den älteren Schülern. Aber manchmal gelingt Hilfe, beispielsweise, wenn der Onkel, der in normalen Zeiten als Vermessungstechniker arbeitet, seine syrischen Nichten und Neffen unterrichtet.
Kritisch wird es für Schüler, denen Prüfungen bevorstehen. Ruslan, 16 Jahre alt, aus Lugansk in der Ostukraine, will einen guten Quali schaffen. Karin Rieder, Helferkreismitglied und geplante Kursleiterin für den ausfallenden vhs-Ferienkurs Mathe in den Osterferien, bot den Eltern von drei 15-16jährigen Jungs, darunter Ruslan, an, telefonisch Nachhilfeunterricht zu erteilen. Bereits zwei Wochen vor den Osterferien begann der Telefontreff von täglich einer Stunde pro Schüler an drei Tagen in der Woche. Ruslan wünschte sich sogar eine vierte Wochenstunde. Gerne! Der Erfolg stellte sich ein, und nichts macht einer engagierten Lehrerin und einem guten Schüler mehr Freude. Wer denkt, Mathe sei nicht so sprachabhängig wie andere Fächer und damit auch für Flüchtlingskinder leichter, irrt. „Materialschwund“, oder „Verschnitt“, ein Öltank ist „leck“ geworden. Die Quali- Aufgaben sind sehr komplex und in schwieriger Sprache verfasst. Ein Beispiel: „ Ein Silberschmied schmilzt 280 g Silber (Dichte: 10,5 g/cm³), um daraus Rohlinge für Schlüsselanhänger zu gießen. Wie viele Rohlinge kann er damit gießen?“ Nachdem das Gewicht (Masse) berechnet war, und Karin Rieder fragte: „Was haben wir denn jetzt für ein Ergebnis?“, sagte Ruslan: „Der Silberschmied wiegt 47 g“.
Ruslan braucht im Herbst aber auch eine Lehrstelle, er möchte Elektriker werden. Bisher hatte er erst ein Vorstellungsgespräch. Das war leider nicht erfolgreich. Ich habe ihm also einen Fragenkatalog geschickt, den er sich anschauen und seine Antworten überlegen sollte. Dann haben wir per live Chat das „Vorstellungsgespräch“ geführt. Gar nicht so leicht für einen 16jährigen, er soll sich ja nicht verstellen, aber „Personaler“ erwarten auch ein sicheres Auftreten, das ein Flüchtlingsjunge nicht ohne weiteres vorweisen kann. Den Fragenkatalog werden wir noch ein paar Mal durchgehen, ergänzen und einfach weiter üben. Und dann wird er es trotz Corona zu gegebener Zeit hoffentlich schaffen, einen Ausbildungsvertag zu erhalten, der ihm Spaß macht und ihn auf seinem Lebens-und Berufsweg voranbringt.
Helferkreis Asyl Ottobrunn / Hohenbrunn, Ulla Müller

Der Helferkreis Asyl für Flüchtlinge Ottobrunn/Hohenbrunn bittet um Spenden von gebrauchten Notebooks: spenden@helferkreis-asyl.com

(siehe auch:„Mein Ottobrunn“, 05/2020, Paten helfen Kinder, Seite 16)





Deutsch als Fremdsprache / Integrationskurse


Die Volkshochschule SüdOst im Landkreis München bietet immer wieder viele Kurse zum Thema Integration (einschließlich "Deutsch als Fremdsprache" und "Integrationskurse") an.




Neue Einträge in "Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn"


  21.10.2020   Gemeindejournale aktualisiert Presse / Nachrichten
  08.07.2020   Gemeindejournale aktualisiert Presse / Nachrichten
  02.04.2020   Gemeindejournale aktualisiert Presse / Nachrichten
  18.03.2020   Integration: Flüchtlinge - Angekommen oder Angefeindet?
aus der Sendereihe “Einfach Leben“ des Münchner Kirchenradios
Presse / Nachrichten
   ständig      Änderungen bei den aktuellen Fortbildungsveranstaltungen Fortbildungen und Veranstaltungen
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