Helferkreis Asyl Ottobrunn / Hohenbrunn  

Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn



Presse / Nachrichten - Archiv (2024)



Artikelliste (2024)






Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn (Dezember 2024)

Essen über’n Tellerrand - Thanksgiving

Persönliche Begegnung in kleinem Kreis fördert Integration und gegenseitigen Austausch – nach diesem Motto lädt der Helferkreis Asyl Ottobrunn / Hohenbrunn immer wieder zum „Essen über’n Tellerrand“ in der Kaiserstiftung ein, bei dem gemeinsam gekocht und gegessen wird.

Der Einladung zum Thanksgiving – Kochen und Essen am 26. Oktober folgten 27 Teilnehmer, Einheimische, Migranten, Flüchtlinge, u.a. aus Bulgarien, Bosnien, USA, Kamerun, Ruanda, Irak und Afghanistan.

Dick eingewickelt in Alufolie ruhte der 17 kg schwere „Turkey“ auf dem großen Schneidebrett, als sich die Gäste um die Kochtheke versammelten. Carol Zajac hatte den Truthahn drei Tage lang in Salzlake einge-legt, und dann zu Hause sieben Stunden im großen Ofen gebacken.

Carol berichtete über die Tradition, die sich aus dem ersten Thanksgiving Fest im Jahre 1621 entwickelt hat. Damals feierten die englischen Pilgerväter in Amerika zusammen mit den Ureinwohnern drei Tage ein Fest des Dankes für ihr Überleben im ersten Winter mit Hilfe der Indianer. Es ist heute der wichtigste Feiertag in Nordamerika, an dem die Großfamilie zusammenkommt, gemeinsam kocht und bei einem Festessen in besinnlichem Rahmen für alles Gute dankt, was sich im Laufe des Jahres ereignet hat.

Mit einem kleinen Koch Team bereitete sie in der Kaiserstiftung die traditionellen Beilagen zu: Süßkartoffelpüree mit Pekanüssen, Kartoffelstampf verfeinert mit Kräuterfrischkäse, die würzige Brotfüllung, Auflauf mit grünen Bohnen, Rosenkohl, Bratensoße und Cranberry-Marmelade. Ein Gast griff beherzt zu und zerlegte gekonnt das große Geflügeltier. Den Abschluss bildete ein Kürbiskuchen mit Frischkäse-Decke. „Jeder isst an Thanksgiving so viel, bis der Hosengürtel aufgemacht werden muss“, kommentierte Carol.

Auch 2025 wird es weiterhin das beliebte Essen über’n Tellerrand geben – genaue Daten sind im monatlichen Programm der Kaiserstiftung zu finden.


Amerikanisches Thanksgiving in der Kaiserstiftung,
Fotos: Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn

Quelle: Gemeindeblatt Hohenbrunn, Dezember 2024, Seite 33






Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn (Oktober 2024)

Die Einbürgerung

Information für Flüchtlingshelfer*innen

Die folgende Zusammenfassung des Gesetzes zur Modernisierung des deutschen Staatsbürgerschaftsrechts dient einer ersten Orientierung. Für Einzelheiten und Beratung konsultieren Sie bitte eine Rechtsberatung.

Seit März regelt ein neues Staatsangehörigkeitsgesetz (STAG) die Möglichkeiten und Voraussetzungen, um deutsche/r Staatsbürger*in werden zu können. Die Vorteile sind:

Erstens die wesentliche Verkürzung der Aufenthaltszeiten, die der Einbürgerung vorausgehen müssen, auf fünf Jahre (mit Deutschkenntnissen auf Niveau B1), sogar nur auf drei Jahre (mit Deutschkenntnissen auf Niveau C1 und besonderen Leistungen in Schule und Beruf sowie sozialem Engagement). Zweitens das Zugeständnis an Migranten und Flüchtlinge, mehrere Staatsangehörigkeiten besitzen zu können.

Weitere Voraussetzungen müssen jedoch erfüllt sein, vor allem eine auf Dauer angelegte Aufenthaltserlaubnis. Das heißt, alle Ausweise, auf denen Duldung (Aussetzung der Abschiebung) steht,sind ausgeschlossen. Aber auch, wer z.B. ein Abschiebungsverbots (§ 25, Abs. 3 AufenthG) hat, kann nicht gleich die Einbürgerung, sondern muss zuerst die Niederlassungserlaubnis beantragen. Also bitte immer als erstes auf den Aufenthaltstitel schauen! Ist die Einbürgerung damit möglich? Kinder werden bereits bei Geburt Deutsche. Ein Elternteil muss allerdings einen unbefristeten Aufenthaltstitel (z.B. die Niederlassungserlaubnis) vorweisen.

Die wichtigste und nun härter gewordene Voraussetzung für die Anspruchseinbürgerung ist, dass die Antragsteller*innen einen gesicherten Lebensunterhalt gewährleisten. Flüchtlinge müssen den Lebensunterhalt für sich und die unterhaltsberechtigten Familienangehörigen ohne Sozialhilfe (nach SGB II oder XII) bestreiten können. Die Unterhaltsregelung ist strenger als bisher und hat vor allem Kritik hervorgerufen, weil nun Behinderte, Rentner, Erwerbsunfähige, pflegende Angehörige, Alleinerziehende, Auszubildende und Studierende keinen gesetzlichen Anspruch mehr auf Einbürgerung haben. Für Azubis stellt das eine Verschlechterung gegenüber dem alten Gesetz dar. Eine Ausnahme besteht nur, wenn die Ausbildungsvergütung hoch ist und eine eigene Wohnung vom Azubi selbst oder den verdienenden Eltern finanziert werden kann. Andere Ausnahmen werden eventuell auch berücksichtigt, es handelt sich jedoch dann jeweils um eine Ermessenseinbürgerung.

Für die Einbürgerung muss der Test Leben in Deutschland erfolgreich absolviert und ein Bekenntnis zur freiheitliche demokratischen Grundordnung der Bundesrepublik (wozu die Gleichberechtigung der Frau gehört) abgelegt werden sowie ein Bekenntnis zur historischen Verantwortung, nie wieder Antisemitismus und Rassismus in Deutschland zuzulassen.

Eine ausführliche Broschüre der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flücht-linge und Integration ist: Mein Weg zum deutschen Pass.

Alle wichtigen Informationen zur Einbürgerung finden Sie hier,
oder über die Startseite unter dem Stichwort „Einbürgerung“

Claudia Bernardoni (Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn)






Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn (Oktober 2024)

Informationsabend zum Bayerischen Schul- und Ausbildungssystem (Präsentation)

Das duale Ausbildungssystem in Bayern

Alle Eltern wollen für ihre Kinder die beste Schule! Für viele Geflüchtete ist unser Bildungssystem sehr fremd, eine berufliche Bildung wie in Deutschland ist völlig neu, und die vielen Zugänge zu den unterschiedlichen Schulabschlüssen nicht immer leicht zu verstehen. Die Präsentation gibt einen Überblick, Einzelgespräche können weiterhelfen. Es wird erklärt, welche unterschiedlichen Möglichkeiten es gibt, einen Schulabschluß zu machen und wie es dann weitergeht.

Einen Überblick über das Bayerische Schulsystem und weitere Information finden Sie auch auf den Seiten "Mein Bildungsweg" des Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus.




Helferkreis Asyl (Juli 2024): Ukrainisches Sommerkonzert

»Die Sonne scheint für uns« (Video)

Die Sonne scheint für uns, war das Motto und der Titel eines Liedes beim Konzert der ukrainischen Community, das am 30. Juni 2024 im Wolf-Ferrari-Haus in Ottobrunn stattfand. Nach Kriegserlebnissen und Flucht, haben die ukrainischen Flüchtlinge bei uns in Sicherheit und von vielen willkommen geheißen, wieder den Sonnenschein auf ihrem Leben gespürt, so Olha Voitsun, die Sprecherin der Gruppe.

Der Konzertsaal war voll besetzt, als die Integrationsbeauftragte Stephanie Marrero das Publikum begrüßte. Das Programm mit Musik, Tanz und Ballett, Solos und Chören aus dem reichen Schatz der ukrainischen Volkslieder, alle Beteiligten in Tracht, besinnlich und lustig, lyrisch und patriotisch, bekam großem Applaus. Die Organisation von Liudmyla Gryshko war perfekt, die Texte und die Moderation von Yuliia Borschch und Vsevolod Khrystenko auf Deutsch waren erstaunlich gut, der Chor Tschar Zillya und der Kinderchor Mandryky unter Leitung von Maryna Mokrynska und die Ballettkünste der Mädchen und der Kosakentanz der Kinder unter Zhanna Ditkovska mitreißend.

Bei diesem Benefiz-Konzert wurde deutlich, dass die intensive Pflege der heimischen Kultur das Engagement der Gruppe für die Freiheit und Souveränität der Ukraine ausdrückt.

Claudia Bernardoni (Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn)










Engagierte Ukrainerin beim Helferkreis Asyl (Juli 2024)

Hilfe für Landsleute

Beim russischen Angriff auf die Ukraine lebten Olha Voitsun und ihre Familie schon seit fünf Jahren in Ottobrunn; die Ukrainerin hatte sich 2017 erfolgreich auf eine Stelle an der Bundeswehr-Universität beworben. »Nach dem Überfall auf meine Heimat weinte ich, doch dann spürte ich: Du musst etwas tun, du musst helfen,« so Voitsun. Daraus entstand ein einzigartiges Unterstützungsnetz für die Flüchtlinge aus der Ukraine.

Ihr erster ehrenamtlicher Einsatz war die Übersetzung von TraumaHilfen, die online angeboten wurden, ins Ukrainische. Zusammen mit der Integrationsbeauftragten der Gemeinde, Stefanie Marrero, bereitete die heute 42-Jährige ein Netzwerktreffen vor, bei dem die Mitarbeiterinnen des Sozialamts den Flüchtlingen Auskunft über Kindergarten, Schule und Soziales gaben. Im Internet baute Olha Voitsun den Kontakt unter den ukrainischen Flüchtlingsfamilien auf. Erste Hilfsprojekte waren eine Malgruppe für Kinder und Mütter und ein Schwimmkurs für Kinder. Die Pflege der ukrainischen Kultur bedeutet den Geflüchteten viel. Organisationstalent Olha Voitsun kümmert sich um die Treffen und Feste mit Gesang und Volkstanz in traditioneller Tracht. Dabei sind Gäste aus Ottobrunn und den benachbarten Gemeinden immer willkommen.

Weitere Infos zu den ukrainischen Veranstaltungen gibt es auf Nachfrage per E-Mail: ukraine.imher zen.4ever@gmail.co.

Claudia Bernardoni (Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn) / MO

(Quelle: Gemeinde-Journal "Mein Ottobrunn", 07/2024, Seite 19)






Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn (Juni 2024)

Ukrainisches Sommerkonzert (Flyer)


Die Ukrainerinnen aus unseren Gemeinden laden zum Ukrainischen Sommerkonzert ein,
unter dem Motto "Die Sonne scheint für uns" mit Musik, Tanz, Gesang, in traditionellen Trachten.



Termin:    Sonntag, 30.6.2024, 18:30 Uhr, Einlass ab 18 Uhr
Ort:     Wolf-Ferrari-Haus, Ratssaal
Eintritt frei






Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn (Juni 2024)

Talk am Abend: „Meine Deine Unsere Kultur“

Afrikanische Masken und Kopfbedeckungen
Wo können sich Flüchtlinge mit Einheimischen intensiv über die verschiedenen Kulturen austauschen, Missverständnisse und Unsicherheiten abbauen und besser verstehen lernen? In der Kaiserstiftung in Riemerling wurde ein vertrauter Ort gefunden, an dem seit 2021 regelmäßig Talk Abende stattfinden, in denen über Kultur, Geschichte, Religion, Politik und Alltagsrealität eines Landes gesprochen wird.

In den von Dr. Claudia Bernardoni moderierten Gesprächen berichteten Flüchtlinge, die in unseren Gemeinden leben, aus ihren Heimatländern Syrien, Iran, Senegal, Ukraine, Türkei. Auch der lebensbedrohliche Weg nach Europa und der schwierige Weg der Integration wurden geschildert. Helferkreis-Mitglieder gaben persönliche Einblicke in die Schönheit ihrer Herkunftsländer Kamerun, Bosnien, Malaysia, Georgien. Traditionelle Gewänder aus diesen Ländern, bunte Kopftücher aus der Ukraine, senegalesische und bosnische Lieder, Bücher, Gedichte, Foto-Präsentationen und kulinarische Kostproben bereicherten die Abende.

Die Abende schaffen nicht nur Verständnis und Wertschätzung, sondern auch eine Brücke zwischen den Kulturen und Menschen verschiedener Herkunft.

Zum nächsten Kultur Talk „Irak“, einem Land, das oft als „Wiege der Zivilisation“ bezeichnet wird, laden wir herzlich ein: am Freitag, 14. Juni, 19 Uhr. Die Anmeldung erfolgt über die Kaiserstiftung.

Quelle: "Gemeindeblatt Hohenbrunn", 06/2024, Seite 51





Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn (April 2024)

Jahresbericht 2023

Die oft langfristige Unterstützung des Helferkreises galt ca. 300 Personen, überwiegend Familien, die Hälfte davon Kinder und Jugendliche. Die meisten wohnten in dezentralen und zwei vom Landratsamt angemieteten Hotels oder in eigenen Wohnungen. Die zu uns geflüchteten Menschen kommen aus Afghanistan, Syrien, Ukraine, Irak, Nigeria, Somalia, Uganda, Türkei, Eritrea, Äthiopien, Pakistan, Ghana, Myanmar, Jemen.

Integration setzt einen gesicherten Aufenthaltsstatus voraus. Eine Familie erhielt die Einbürgerungsurkunde, weitere Berufstätige eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis. Vier langjährig Geduldete nutzten das neue Chancenaufenthaltsrecht, um sich weiter zu integrieren.

35 Lernpaten unterstützten Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Sie halfen beim Lernen für die Berufsschule, auf den Quali-Abschluss, auf Prüfungen in Integrationskursen. Der Arbeitskreis Job & Ausbildung begleitete bei der Suche nach Praktika, Ausbildungen, zu Jobbörsen und bei Bewerbungen. IT-Experten gaben gespendete Laptops und Handys an Flüchtlinge weiter und unterstützten mit Computer-Wissen. Paten ermutigten bei der schweren Suche nach einer bezahlbaren Wohnung und halfen beim Umzug.

Das Café International, Essen über’n Tellerrand, Kultur Talks, Dorffest in Hohenbrunn, Friedensgebet in St. Magdalena und die Weihnachtsmärkte boten Geflüchteten und Einheimischen Gelegenheit einander kennen zu lernen. 26 Flüchtlinge waren Mitglied im Helferkreis Asyl, weitere waren ehrenamtlich in verschiedenen sozialen Organisationen und Vereinen in unseren Gemeinden tätig.

In regelmäßigen Helferkreis-Treffen, beim Sommerfest und der Weihnachtsfeier konnten sich die 145 Helferkreis-Mitglieder austauschen.

Spenden von Privatpersonen, Organisationen, Kirchen, Stiftungen und Gemeinden ermöglichten es, individuell und unbürokratisch zu helfen, und mit Angeboten die Integration der Geflüchteten zu fördern. Dafür allen Spendern herzlichen Dank!

Der ausführliche Jahresbericht ist auf der Homepage unter www.helferkreis-asyl.com "Presse/Nachrichten“ zu finden. Kontakt unter E-Mail: info@helferkreis-asyl.com

Quelle: "Gemeindeblatt Hohenbrunn", 04/2024, Seite 50





Der Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn lädt ein (April 2024):

Ukrainisches Frühlingsfest "VETSCHORNYZI"







Helferkreis Asyl ist an der Seite ukrainischer Geflüchteter (März 2024)

»Wir leben noch!«

Beim Vetschornyzi-Fest im Januar, das die ukrainischen Geflüchteten im Pfarrsaal von St. Magdalena feierten, gab es Musik, Gesang, Tanz und eine Theateraufführung. Auch Liudmyla (l. in der Hocke), Yuliia (4.v.l. in der Hocke) und Maryna (hinter kniendem Mädchen in pinker Hose) waren dabei. Foto: privat
Über zwei Jahre sind seit dem russischen Angriff auf die Ukraine vergangen; über eine Million Kriegsflüchtlinge leben in Deutschland, davon rund 350 in Ottobrunn. Wie geht es den geflohenen Ukrainerinnen?Was haben sie erlebt – zuhause und in den zwei Jahren hier? Claudia Bernardoni vom Helferkreis Asyl hat mit drei Ukrainerinnen gesprochen. Ihr trauriges Fazit: Krieg verlangt Opfer, zerreißt Familienbande und bedeutet Schmerzen, auch für diejenigen, die in Sicherheit sind.

Flucht zur Schwester
Liudmyla G. (49 Jahre) ist in Isjum, einer Stadt im Verwaltungsbezirk Charkiw, geboren. Sie hat klassisches Ballett, Volkstanz, Breakdance und Kulturmanagement studiert und leitete in ihrer Heimatstadt eine eigene Tanz- und Modeschule. Im Februar 2022 wurde Isjum von den russischen Truppen angegriffen und war Schauplatz heftiger Kämpfe. Liudmyla verbrachte im russischen Bombenhagel eine Woche im Keller. Sie beschloss, allein zu fliehen, ihre Kinder sind erwachsen. Noch im Februar 2022 floh sie mit einem Koffer voller Fachbücher und einem Korb mit ihrem Kater Avatar. »Ich habe geglaubt, der Krieg wäre schnell vorbei«, sagt sie. Zum Glück hatte und hat Liudmyla eine Schwester in Ottobrunn, die vor sechs Jahren mit ihrer Familie wegen einer Stelle an einer Universität nach Deutschland kam.

Sorge um Angehörige
Yuliia B. (39 Jahre) lebte mit ihrer Familie in Kyiv (deutsch bisher Kiew). Ihr ältester Sohn studierte Mathematik, der mittlere ging in die 8. Klasse und der jüngste in den Kindergarten. Yulliia arbeitete als Finanzbuchhalterin in einer IT-Firma, ihr Mann hatte eine Baufirma. Am ersten Tag des russischen Angriffs auf Kyiv und Umgebung hörten sie Explosionen und Schüsse, die Sirenen heulten. Zuerst flüchteten sie aus der Stadt in einen Ort 100 km südlich von Kyiv, wo Yuliias Eltern leben, und waren in relativer Sicherheit. Aber sie waren in Sorge um Yuliias Schwester und deren Familie in einem Dorf bei Kyiv, das russische Truppen am 8. März besetzt hatten. Der Kontakt brach ab. In den Medien hörte man schreckliche Nachrichten über erschossene Männer und entführte Frauen. Endlich rief die Schwester an und sagte nur drei Worte: »Wir leben noch!« Yuliia hatte eine Bekannte in München. Die Familie setzte sich in ihr kleines Auto und fuhr drei Tage, bis sie hier ankamen. Yuliias Mann ist nach Kyiv zurückgekehrt und dient seither in der Armee.

Panikattacken wegen Raketenangriffen
Auch Maryna D. (15 Jahre) lebte mit ihrer Mutter in Kyiv. Dort erlebten sie 2022 zehn Tage lang Bombenangriffe; sie entschlossen sich, Kyiv zu verlassen. Beide fuhren in einem wegen der Angriffe verdunkelten Zug nach Lemberg und hatten einen längeren Halt, weil eine Straße vermint wurde. Doch auch dort gab es Raketenangriffe. Maryna bekam Panikattacken. Sie flohen weiter über die polnische Grenze und stiegen in einen Flüchtlingszug nach Deutschland. Für Maryna und ihre Mutter gab es über ihre freie evangelische Kirche einen Kontakt zur Münchner Schwestergemeinde.

Gut aufgenommen
Alle drei fanden in Ottobrunn GastgeberInnen, die mit ihnen mitfühlten. Mit großer Hilfsbereitschaft öffneten sie ihre Häuser und Wohnungen für die Kriegsflüchtlinge. Liudmyla musste zehn Monate in einer Sozialwohnung mit viel LärmimNorden von München überstehen, ehe sie in ein kleines Appartement im Haus eines Helferkreismitglieds ziehen konnte. Yuliia fand in ihrer Gastgeberin eine Freundin und zog schließlich in eine Wohnung in Riemerling. Maryna und ihre Mutter fanden ebenfalls gute Freunde in ihrer Gastfamilie. Mit deren Hilfe bekamen sie später eine Wohnung an der Ortsgrenze zu Riemerling.

Inzwischen haben alle drei große Fortschritte gemacht: Liudmyla spricht Deutsch auf Berufschulniveau und lernt weiter. Sie arbeitet als Schwimmlehrer-Assistentin und bringt im Rahmen des Helferkreises einzelnen Flüchtlingen das Schwimmen bei. Yuliia hat ihren ersten Integrationskurs abgeschlossen und lernt weiter, um die Voraussetzungen für einen Finanzbuchhaltungskurs zu erfüllen.

Maryna besucht die neunte Klasse der hiesigen Realschule und ist außerdem Online-Schülerin eines Gymnasiums in der Ukraine. Ihr Ziel ist es, an der ukrainischen Universität München zu studieren.

Viele der UkrainerInnen fühlen sich inzwischen wohl in Ottobrunn. Sie haben viele Kontakte zum Helferkreis und pflegen ihre Kultur, die sie den Einheimischen gerne mit Musik und Tanz bei diversen Christkindlmärkten, beim ukrainischen Frühlingsfest in Hohenbrunn oder bei dem Helferkreis- Event »Essen über’n Tellerrand « (nächster Termin: Sa., 20.04., 16.00 Uhr, Seniorentreff Kaiserstiftung, Infos unter 089/ 61101228 -0) nahebringen wollen.

Claudia Bernardoni (Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn) / MO

(Quelle: Gemeinde-Journal "Mein Ottobrunn", 04/2024, Seite 18)





Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn: Nachruf für Ulla Wolf (Februar 2024)

Großes Herz für große Bedürfnisse

Ulla Wolf (2.v.li.): im Café International
Foto privat
Ulla Wolf ist am 25. Januar kurz nach ihrem 78. Geburtstag, den sie noch mit Freundinnen feiern konnte, gestorben. Seit 2013 war sie in unserem Helferkreis als eine der aktivsten Helfer*innen tätig und nicht zuletzt durch ihre reiche Auslandserfahrung, ihre ausgezeichneten Sprachkenntnisse und ihre Professionalität im Bereich Deutsch als Fremdsprache und Integration prägend für unsere Arbeit.

Ulla Wolf ist in Gütersloh geboren, in München ins Gymnasium gegangen und hat an der Ludwig-Maximilians-Universität Soziologie studiert. Mit ihrem Mann, der beim Goethe-Institut arbeitete, ging sie nach Griechenland, Mexiko und kurz auch nach Argentinien. Mit ihren drei Kindern kehrte sie nach Deutschland zurück, bewarb sich in Bonn beim Goethe-Institut und wurde Ende der 1990er Jahre Sprachabteilungsleiterin in St. Petersburg und später in Algerien. 2010 im Ruhestand zog sie nach Ottobrunn, wo ihre beste Freundin Gesa lebte.

Ulla Wolf (li): Vorbereitungen zum Sprachkurs. Foto: privat
Ulla initiierte die ersten Deutschklassen für die hiesigen Flüchtlinge, als es noch keine Deutschkurse für Geflüchtete im Asylverfahren und zunächst auch keine VHS-Kurse und kein offizielles Unterrichtsmaterial gab. Später unterstütze sie Deutschlernende mit Einzelunterricht, zum Beispiel eine somalische Mutter mit kleinen Kindern oder Fortgeschrittene bei der Vorbereitung auf Prüfungen. 2016 gründete sie gemeinsam mit einem kleinen internationalen Team in den Räumen des Evangelischen Jugendzentrums in der Gartenstraße das Café International, Treffpunkt für Geflüchtete aus unterschiedlichen Herkunftsländern und Ottobrunner Bürgerinnen und Bürgern. Aber sie kümmerte sich auch als Familienpatin in besonderer Weise um Frauen. Zum Beispiel betreute sie jahrelang eine afghanische junge Frau, die in der Berufsschule gemobbt wurde und es lange Zeit schwer hatte. Oder sie unterstützte eine Syrerin mit zwei Kindern, die persönlich auf einem schwierigen Weg zu einer sozial und beruflich sehr qualifizierten Integration war.

Als sei das alles nicht genug, war sie zudem sechs Jahre lang im Kirchenvorstand der evangelischen Michaelskirchengemeinde, aktiv im Arbeitskreis Tansania und in der Redaktion des Gemeindebriefs der Michaelskirche. Von 2013 bis 2019 war sie im Aufsichtsrat der Volkshochschule für die Gemeinde Ottobrunn, zeitweise als Vorsitzende.

In Ulla Wolf verlieren wir alle eine offene, lebhafte, den Menschen zugewandte und sehr engagierte Freundin.

Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn

(auch: Gemeinde-Journal "Mein Ottobrunn", 03/2024, Seite 17)





Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn (Februar 2024)

Taufe in der Äthiopisch-Orthodoxen Tewehado Kirche

Helferkreis-Paten werden von ihren Flüchtlingsfamilien immer wieder zum Mitfeiern wichtiger Lebensstationen eingeladen.

Die Patin Herma Willenbrink feierte mit einer äthiopisch-eritreischen Familie am Sonntag vor Weihnachten die Taufe des Sohnes in der Äthiopisch-Orthodoxen Tewahedo Debre Bisrat St. Gabriel Kirche in München. Sie berichtet: „Morgens 6 Uhr waren wir in der Kirche, um die Vorgebete mitzuerleben, die schon eine Stunde früher begonnen hatten. Zwei Priester, Diakone und Kirchensänger leiteten die Gebete. Ich war beeindruckt vom Kirchenraum: ganz ausgelegt mit Teppichen, eine Ikonastase, die das Allerheiligste abtrennt, bemalt mit Szenen aus dem Alten und Neuen Testament, Weihrauchduft. Männer, Frauen und Kinder waren in festlichem Weiß gekleidet. Um 7 Uhr begann der Gottesdienst. Die Tauffamilie wurde in einen Nebenraum gebeten. Dort stand ein großes kupfernes Taufbecken, gefüllt mit warmen Wasser. Ein Priester und ein Diakon vollzogen mit feierlichen Gesängen und Gebeten den Taufritus. Weihrauchduftwolken durchzogen den Raum. Der Körper des Kindes wurde vom Priester eingesalbt und als Höhepunkt dreimal im Wasser des Taufbeckens untergetaucht - ohne dass der Junge geweint hat.

Zu Hause feierte die Familien dann mit vielen Besuchern fröhlich und glücklich bei gutem, typisch äthiopischen Essen.“

Nachweislich gibt es die äthiopisch-orthodoxe Kirche schon seit dem 4. Jahrhundert.

Wie wichtig für die Gemeindemitglieder die ihnen heimatlich vertraute Atmosphäre ist, ist bei solchen Anlässen spürbar. Die Riten und Bräuche der altorientalisch afrikanischen Kirche haben eine große, auch symbolische Bedeutung für die Gläubigen. Es tut den Menschen gut, diese in Gemeinschaft bei uns in Deutschland praktizieren zu können.

Quelle: "Gemeindeblatt Hohenbrunn", 02/2024, Seite 50





Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn (Februar 2024)

Jahresbericht 2023

2023 war das Engagement der Mitglieder des Helferkreises nach drei Jahren wieder ohne Corona bedingte Einschränkungen möglich. Die oft langfristige Unterstützung galt 300 Personen aus den verschiedensten Herkunftsländern, überwiegend Familien, darunter ca. die Hälfte Kinder und Jugendliche. Die meisten wohnen in Ottobrunn, Riemerling und Hohenbrunn, in dezentralen und zwei größeren Asyl-Unterkünften des Landratsamtes oder in eigenen Wohnungen.

Die zu uns geflüchteten Menschen kommen aus Afghanistan, Syrien, Ukraine, Nigeria, Somalia, Irak, Uganda, Türkei, Eritrea, Äthiopien, Mali, Pakistan, Senegal, Indonesien, Bangladesch, Myanmar, Georgien, Aserbeidschan, Ghana, Jemen, Indonesien.


Unterstützung für Flüchtlinge aus der Ukraine
Einige Ukrainer/innen wurden Mitglied im Helferkreis, übersetzen, informieren in einer lokalen Whatsapp-Gruppe, organisieren.

Bis Juli traf sich die therapeutische Malgruppe für Frauen und Kinder in St. Albertus Magnus Ottobrunn. Parallel dazu fanden ein Deutsch-Übungskurs und ein Sprachkurs für Kinder statt. Die ukrainischen SeniorInnen waren bis zu den Sommerferien alle 14 Tage ins Seniorencafé Ukraine in die Kaiserstiftung Riemerling eingeladen. Bei einem Ukrainischen Frühlingsfest im Stephani-Haus in Hohenbrunn konnten die Besucher eine Ausstellung von Bildern, Büchern und Handarbeiten besuchen und Musik, Tanz und Essen genießen.


Vollendete Integration durch Einbürgerung
Die Einbürgerung setzt nach dem bisher geltenden Recht einen achtjährigen erlaubten und auf Dauer angelegten Aufenthalt, bei Verantwortung für eine Familie und sehr guten Integrationsleistungen mindestens einen sechsjährigen Aufenthalt sowie finanzielle Eigenständigkeit und weiteres voraus. Für viele Geflüchtete ist die Einbürgerung das große Ziel und bringt viele Vorteile. Im Jahr 2023 erhielt eine kurdische Familie aus Syrien, der Vater Schaltschrankelektroniker, der Sohn Maschinenbau-Auszubildender, die Mutter im Verkaufsminijob mit zwei jüngeren Kindern die deutsche Staatsangehörigkeit. Ein syrischer Betriebselektroniker mit Familie beantragte sie für sich.

Niederlassungserlaubnis als Garant der Sicherheit und Abschluss des Flüchtlingsdaseins
Die Niederlassungserlaubnis ist ein unbefristeter Aufenthalt mit allen Rechten bis auf spezielle Staatsbürgerrechte und verleiht Geflüchteten Entwicklungsfreiheit in unserer Gesellschaft. Sie setzt meist einen fünfjährigen erlaubten Aufenthalt und fünf Jahre Beitrag in der Rentenversicherung und gesicherten Lebensunterhalt voraus. Heranwachsende in der Ausbildung genießen Erleichterungen. Deshalb ist die Niederlassungserlaubnis oft die notwendige Vorstufe für die Einbürgerung. 2023 erhielten ein afghanischer Kältetechniker in Ausbildung, ein afghanischer Familienvater und Autolackierer sowie eine ugandische zahnmedizinische Fachangestellte die Niederlassungserlaubnis. Ein afghanischer Auszubildender zum Verkäufer, eine nigerianische Schülerin mit Abschluss und Ausbildungsvertrag sowie ein afghanischer Koch mit Arbeitsplatz in Ottobrunn beantragten die Niederlassungserlaubnis.

Das Chancenaufenthaltsrecht für langjährig Geduldete
Das Aufenthaltsrecht als Chance für eine bessere Integration setzt voraus, dass die Nutznießer sich bereits am 1. Januar 2022 fünf Jahre ununterbrochen in Deutschland aufgehalten haben. Es ist also eine Altfallregelung. Diese Aufenthaltserlaubnis ist mit einer Arbeitserlaubnis verbunden und gilt für 18 Monate. Danach müssen die Bedingungen für den Antrag als nachhaltig integrierte Arbeitnehmer*innen gegeben sein. In vier Fällen konnten Geflüchtete bei uns diese Chance wahrnehmen: Eine nigerianische Familie mit vier Kindern, ein nigerianischer Familienvater, dessen Frau und Kinder bereits Aufenthaltserlaubnisse haben, eine pakistanisch/indonesische Familie mit einem Kind und ein alleinstehender Somalier.

Familiennachzug – für alleinstehende Flüchtlinge Sehnsucht und Problem
Keineswegs alle Aufenthaltserlaubnisse berechtigen einen Flüchtling, seine Frau und/oder seine Kinder mit einem gültigen Visum aus dem Ausland nachzuholen. Die beste Möglichkeit, einen Familiennachzug zu beantragen, besteht, wenn man die Niederlassungserlaubnis – wenn nicht die Staatsbürgerschaft – besitzt. Erschwerend kommt die Überlastung der Deutschen Botschaften in den betreffenden Herkunftsländern – oder meist in Nachbarländern der Staaten, aus denen die Antragsteller geflohen sind – hinzu, sodass monatelange, manchmal jahrelange Wartezeiten in Kauf genommen werden müssen. Im Jahr 2023 konnte ein syrischer Familienvater seine Frau und zwei Söhne aus dem türkischen Erdbebengebiet nach Ottobrunn bringen.

Andere Einreisen wegen Familieneinheit
Ein somalischer Minderjähriger konnte nach über einem Jahr in einem zyprischen Flüchtlingslager hierherkommen, weil er in Ottobrunn eine Tante hat und die Bundesregierung das Asylverfahren übernommen hat.

Aber die Schwierigkeiten des Nachweises der Heirat, die Hindernisse beim Erhalt von Visa oder die Unmöglichkeit des Familiennachzugs aufgrund des geltenden Aufenthaltsrechts veranlassten einige Personen, die Familieneinheit faktisch durch Einreise herzustellen. Der/die Ankommende muss dann ein Asylverfahren durchlaufen und zeitweise in einer Erstaufnahmeeinrichtung wohnen. Ein afghanischer Familienvater aus Usbekistan kam nach Bayern, um bald mit seiner Frau (abgeschlossene Ausbildung und Arbeitsplatz im Büromanagement und eigene Wohnung) und seinen vier Kindern zusammen zu leben.


Integration durch Arbeit

Der Arbeitskreis Job & Ausbildung unterstützte und ermutigte bei der Suche von Praktika, Aus-bildungs- und Arbeitsplätzen. Helferkreis-Mitglieder übten mit Bewerber/innen Bewerbungsgespräche. Berufsschüler/innen erhielten Nachhilfe und Laptops. Bei Arbeitsverträgen, Lohnabrech-nungen, Steuer- und Versicherungsfragen wurde beraten und in der Kommunikation mit Arbeitgeber und Behörden unterstützt.

  • Eine Auszubildende erhielt ihr Abschluss-Zertifikat als Pflegerin, drei als Pflegefachhelfer/in.
  • Zwei Absolventen der Carl-Steinmeier-Mittelschule starteten im Sommer ihre Ausbildungen zum Elektroniker, ein junger Mann lernt weiter auf eine Pflegefachschule zum Pfleger. Ein junger Afrikaner musste lange auf die Ausbildungs-Genehmigung zum Maler warten.
  • Ein großes Anliegen ist es, Mütter durch individuelle Begleitung für einen Beruf zu qualifizieren. Eine Mutter schloss die Ausbildung zur Pflegefachhelferin ab und arbeitet jetzt im Krankenhaus. Eine andere bestand die Qualifizierung zur Hauswirtschaftsassistentin, sie konnte eine Arbeitsstelle am Wohnort finden. Eine Mutter begann ihren Berufseinstieg im Bereich der Mittagessens-Ausgabe in der Grundschule, eine andere konnte ihren Minijob dort auf Teilzeit ausweiten. Weitere Mütter begannen ihren Berufseinstieg im Minijob an der Kasse im Supermarkt, im Biomarkt, im Gemüseladen. Eine Mutter schloss die Ausbildung zur Kauffrau im Büromanagement ab und fand eine Arbeitsstelle im Büro, die mit der Kinderbetreuung vereinbar ist.
  • Ein Student konnte nach Abschluss des Masterstudiums in München als Quereinsteiger in der Asylsozialberatung beginnen. Ein Familienvater mit Vorerfahrung erhielt nach einem längeren Praktikum einen Job an der Tankstelle, und kann dort seine Deutschkenntnisse weiter ausbauen. Mit einer Arbeitsgenehmigung über das Chancenaufenthaltsrecht konnte ein Familienvater endlich eine Arbeit im Lager beginnen.
  • Für ältere Menschen ohne gute Deutschkenntnisse und anerkannte Berufsabschlüsse ist es schwierig, passende Arbeitsstellen zu finden. Mini-Jobs im Bereich Gartenpflege oder Zeitungs-zustellung am frühen Morgen ermöglichten einen ersten Einstieg.

Integration durch Sprache und Bildung

Kursplätze mit Kinderbetreuung oder Alphabetisierung sind immer noch rar. Teilnehmende an den Deutsch-Integrationskursen haben meist wochen- und monatelange Pausen beim Warten auf die Prüfungsergebnisse vom BAMF und den Start von Anschluss- oder Wiederholungskursen. Die Nachricht, dass eine Deutsch Prüfung nicht bestanden wurde, führt oft zur Resignation.

Für die ukrainischen Familien mit Kindern in den Brückenklasse der Grund- und weiterführenden Schulen war es in den Sommerferien ein schwerer Entschluss, ihre Kinder, die in den Brücken-klassen oft noch zu wenig Deutsch gelernt hatten, ab September für die Mittelschulen anzumelden. Realschule, Gymnasium oder die ukrainische Schule in München kamen nur für einzelne in Frage. Manche nehmen weiterhin parallel nachmittags am Online-Unterricht ihrer ehemaligen ukrainischen Schulen teil, um dort einen Abschluss machen zu können.

  • 35 Ehrenamtliche waren als Lernpaten/-patinnen tätig, für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Gute Kontakte zu den Klassenlehrern ermöglichten das Bearbeiten von Wissenslücken mit den Schülern. Für einzelne Schüler/innen wurden Mathe-Kurse zur Prüfungsvorbereitung und Feriendeutschkurse an den Volkshochschulen finanziert.
  • Für Menschen, die Deutsch sprechen, aber nicht sicher lesen und schreiben können, bietet die VHS Südost einen wöchentlichen Alpha+ Kurs an. Sechs Mütter und Väter nahmen am Unterricht teil, und verbessern dadurch ihre beruflichen Chancen.
  • Die IT-Experten im Helferkreis bereiten gespendete Laptops, PCs, Drucker und Handys auf und geben diese an die Flüchtlinge weiter. Sie übergeben die Geräte angepasst an die Bedürfnisse des Empfängers, unterstützten bei der Installation, beim Netz-Zugang und helfen bei Störungen weiter.
  • Intensiv wurden junge Menschen auf ihre Schulabschlüsse vorbereitet. Zwei Jugendliche legten den Quali an der Mittelschule ab. Vier Jugendliche erwarben die Mittlere Reife an Mittelschulen und der Realschule.
  • An drei Samstagen im Winter lernten 12 Mütter und Väter in einem Sonderkurs der VHS Süd-ost „Erste Schritten am PC“.

Integration durch gesicherte Wohnverhältnisse

Der Helferkreis unterstützte bei der Wohnungssuche, bei Mietverträgen, der Kommunikation mit Behörden, mit Zuschüssen zur Kaution und Transporter-Miete, beim Transport, der Möbelbeschaffung, Möbel- und Lampenmontage, mit Umzugskartons, bei Internet- und Stromverträgen. Dadurch werden immer wieder Asylunterkünfte des Landratsamtes frei.

Eine afghanische Familie erhielt über den Verein Fair Mieten eine Wohnung in Oberhaching. Für fünf ukrainische Familien und zwei Frauen wurden Wohnungen gefunden. Zwei junge Facharbeiter erhielten über ihre Arbeitgeber Wohnungen. Eine alleinerziehende Mutter mit zwei Kindern musste aus ihrer gekündigten Asyl-Wohnung in eine andere Asylunterkunft am Ort ziehen. Eine syrische Familie, ein Syrer und eine afghanische Mutter mit Tochter lebten in Obdachlosenunterkünften der Gemeinde Hohenbrunn und Ottobrunn. Für sie konnte noch keine Wohnung gefunden werden.


Integration durch Teilhabe am sozialen Leben

Lern- und Familienpaten fördern und begleiten die Teilhabe von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen am sozialen und gesellschaftlichen Leben in unseren Gemeinden. Dazu gehören auch gemeinsame Besuche von örtlichen Festen, Sportvereinen, Ramadama-Aktionen.

  • Anfang März begannen die Übungsstunden für Kinder im Schulschwimmbad. Von April bis Juli konnten dank eines zertifizierten Schwimmlehrers zwei Kurse mit 15 Kindern stattfinden. Bis Dezember ging das Training für 6 Kinder und 2 Mütter weiter, angeleitet von Helferkreis-Mitgliedern.
  • In den Ferien wurde die Teilnahme von Kindern am Sportcamp des TSV Ottobrunn, an der Ferieninsel Hohenbrunn des KJR, am Sommerprogramm der VHS Südost, an Fußball- und Pfadfinder Camps gefördert. Die Kinder erhielten Karten für das Phönix Bad. Familienpaten unternahmen mit den Kindern Ausflüge, u.a. in den Märchenpark, auf den Bauernhof.
  • Die Fußballmannschaft Ramasuri feierte ihr zehnjähriges Jubiläum - einmal im Biergarten nach einem Turnier, ein zweites Mal mit einer Foto Show und afghanischem Essen, das ein Mitglied zubereitete. Einige neue Spieler kamen dazu. Bei den Trainingszeiten ist Flexibilität nötig, da viele am Wochenende arbeiten. Die Spieler unterstützten sich gegenseitig – mit Tipps für die Berufswahl, bei der Suche nach Praktikumsplätzen.
  • Das Team des Café International veranstaltete monatlich ein Café zur Begegnung von Flücht-lingen, Migranten und Einheimischen im Haus und Garten der Evangelischen Jugend EJO. Neu Zugezogene lernen sich kennen, in Gesprächen werden Informationen ausgetauscht und Hilfen vermittelt. Im Juli wurde zusammen mit DIKO e.V. das muslimische Opferfest gefeiert, im Dezember kam der Nikolaus ins Café.
  • In die Kaiserstiftung Riemerling lud der Helferkreis zu sechs Kultur Talks ein. Die Gäste aus der Türkei, Malaysia, Syrien, dem Kamerun, mit russlanddeutschen Wurzeln berichteten aus Kultur, Geschichte, Alltag und über die aktuelle Situation in ihren Heimatländern.
  • Das Projekt „Kochen über’n Tellerrand“ tischte auf. Köchinnen und Köche bringen ihre Rezepte und Esskultur ein, unterhalten sich in Deutsch und anderen Sprachen, die Gäste an der Tafel kommen in persönlichen Kontakt. An sechs Terminen wurde in der Kaiserstiftung Ugandisch, Ukrainisch, Georgisch, Usbekisch und Syrisch gekocht, an zwei Terminen deutsche Herbst- und Winterküche zubereitet.
  • Geflüchtete engagierten sich ehrenamtlich in der AWO Klawotte Kinder & Kreativ, in der AWO Nachbarschaftshilfe, im Seniorenzentrum Kaiserstiftung, im Verein Mammalade für Karla e.V., bei der Feuerwehr. Vier Männer sind als Caritas Kulturdolmetscher für Arabisch, Aramäisch und Dari bei der Caritas und im Landratsamt aktiv, zwei syrische Mütter haben die Ausbildung zur Kulturdolmetscherin in Arabisch im Sommer absolviert.
  • Ukrainerinnen boten auf dem Dorffest der Gemeinde Hohenbrunn einen Aktionsstand für Kinder an. In St. Magdalena wurde das Friedensgebet im Oktober mit Ukrainerinnen gestaltet. In kleinen Gruppen in den Straßen traditionelle Weihnachtslieder zu singen ist ein wesentlicher Bestandteil der Weihnachtszeit in der Ukraine. Frauen und Jugendliche sangen auf Weihnachtsmärkten in Ottobrunn, Riemerling und Hohenbrunn, Kinder beteiligten sich am Sternsingen in St. Magdalena.

Entwicklung im Helferkreis

145 Ehrenamtliche aus 18 Ländern sind Mitglieder im Helferkreis, darunter 26 Flüchtlinge. Einige Helfer*innen sind ausgeschieden, neue sind dazugekommen. Die Altersspanne reicht von 12 bis 89 Jahren.

Mitglieder des Helferkreises trafen sich an 30 Nachmittagen im Pfarrsaal von St. Magdalena. In acht Treffen wurden Fortbildungsthemen angeboten, Mitglieder nahmen an einer Fortbildungsreihe an der LMU München und anderen externen Angeboten teil. Ende Juli fand das Sommerfest im Garten von St. Magdalena, Anfang Januar 2024 die Weihnachtsfeier im Pfarrsaal von St. Otto statt.

Zusammenarbeit mit Behörden, Organisationen und Öffentlichkeit
Der Helferkreis arbeitet eng mit der Caritas Alveni Asylsozialarbeit und der AWO Migrationsberatung zusammen. In der Gemeinde Ottobrunn ist die Funktion der/des Integrationsbeauftragten seit Herbst 2022 vakant. Im Juli fand ein Austauschtreffen mit dem Bürgermeister statt, im Dezember wurde der „Runde Tisch“ Asyl unter Leitung des Sozialamtes wieder aktiviert. Mit der Gemeinde Hohenbrunn fanden drei Austauschtreffen auf Einladung des Bereiches Soziales statt. Das Landratsamt lud die Helferkreis-Koordinatoren zu vier Austauschtreffen ein. Mit der Abteilung FAMI Flucht – Asyl – Migration – Integration der Erzdiözese München und Freising fanden zwei Austausch-treffen statt.

Die Flüchtlinge konnten sich lokal mit Kleidung, Spielsachen, Büchern, Geschirr und Möbeln ver-sorgen - dank der AWO Klawotten und der AWO Rumpelkammer. Die Caritas Radlwerkstatt in Neubiberg war eine große Hilfe für die Mobilität. Anerkannte Flüchtlinge bezogen Lebensmittel am Caritas Ottobrunner Tisch. Ab Sommer gab es dort einen Aufnahmestopp.

Wir informierten die Öffentlichkeit über unsere Homepage, www.helferkreis-asyl.com, in den Gemeindeblättern Hohenbrunn und Ottobrunn, im Schaukasten von St. Magdalena, im Gemein-deblatt der Michaelskirche.

Spenden von Privatpersonen, Organisationen, Kirchen, Stiftungen und Gemeinden ermöglichten uns, in Notlagen individuell und unbürokratisch zu helfen, und mit besonderen Angeboten die Integration der Geflüchteten zu fördern. Dafür danken wir allen herzlich!


Unser Helferkreis wird sich weiter für den einzelnen Mensch einsetzen, der flüchten musste. »Und doch darf man nie vergessen, dass die Migranten an erster Stelle nicht Nummern, sondern Personen sind, Gesichter, Namen und Geschichten. Europa ist die Heimat der Menschenrechte, und wer auch immer seinen Fuß auf europäischen Boden setzt, müsste das spüren können; so wird es ihm selbst deutlicher bewusst werden, dass er sie respektieren und verteidigen muss.«

Papst Franziskus beim Besuch eines Flüchtlingslagers auf der Insel Lesbos, Griechenland, April 2016


Helferkreis Asyl Ottobrunn / Hohenbrunn im Pfarrverband Vier Brunnen Ottobrunn
Kontakt: info@helferkreis-asyl.com



Heidi Maurer und Stefanie Marrero           
Sprecherinnen
Diakon Karl Stocker
Leiter




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