Helferkreis Asyl Ottobrunn / Hohenbrunn  

Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn



Presse / Nachrichten - Archiv (2018)



Artikelliste (2018)






Helferkreis Asyl: Gelungene Integration – Teil 4 (3) (Dezember 2018)

Auf Umwegen zur Ausbildung

Samba G. aus dem Senegal, heute 40 Jahre alt und seit zwei Jahren Azubi in einem Hohenbrunner Gartenbaubetrieb, lebt seit fünf Jahren hier. Er ist einer der wenigen, die den Sprung vom ausreisepflichtigen Flüchtling zur künftigen Fachkraft mit Arbeitsvisum geschafft hat.
Samba stammt aus dem Casamance. In dieser Gegend kämpfen seit vielen Jahren verschiedene Rebellengruppen gegen die senegalesischen Regierungstruppen. 2011 wurde Sambas Vater bei der Feldarbeit erschossen, weil er sich nicht erpressen ließ und seinen Sohn nicht an die Rebellen als Kämpfer ausliefern wollte. Doch Samba entkam ihnen nicht. Er wurde gefangen genommen; konnte aber entkommen. Er floh zunächst nach Dakar und Mitte 2013 nach Deutschland. Seine beiden Kinder musste er bei der Großmutter zurücklassen.

Kinder im Senegal versorgen
Nach einem kurzen Aufenthalt in Hessen kam er in eine Ottobrunner Flüchtlingsunterkunft. Als Asylbewerber durfte er neun Monate lang nicht arbeiten. Das war hart für ihn. Denn sein Sohn Souleymane, damals elf Jahre, und seine Tochter Alimatou, damals fünf Jahre, brauchten nicht nur Geld für ihren Lebensunterhalt, sondern sie sollten auch eine gute Schulausbildung erhalten. Das ist bis heute Sambas größtes Anliegen. Daher stand die Arbeitssuche für ihn an erster Stelle. Doch für Arbeit braucht man Deutschkenntnisse.
Samba erzählt: »In der Schule zuhause hätte ich Deutsch lernen können, aber ich lernte Spanisch, weil ich mir dachte: Nach Deutschland gehe ich nie! Im Senegal sagten damals viele: Die Deutschen mögen keine Afrikaner. « Aber als er hierher kam, machte er andere Erfahrungen. »Die Leute in Ottobrunn und Hohenbrunn waren total nett zu mir. Vom Helferkreis Asyl habe ich sehr viel Hilfe bekommen; mein Chef und meine Arbeitskollegen haben mich immer unterstützt. Ich konnte keine Ausländerfeindlichkeit feststellen«, berichtet er.


Arbeit im Gartenbaubetrieb
Also galt es, Deutsch zu lernen. Aber in den ersten sechs Monaten fand sich kein Platz in einem geförderten Kurs. Als Samba schließlich in einem Kurs aufgenommen wurde, war er bereits auf Arbeitssuche. Da er inzwischen mit anderen Senegalesen eine Unterkunft des Landratsamtes im Hohenbrunner Gewerbegebiet MUNA bezogen hatte, landete seine Bewerbung auch im Briefkasten eines Hohenbrunner Gartenbaubetriebs. Gerade als er bei McDonald’s in München anfangen wollte, erhielt er vom Chef des Gartenbaubetriebs einen Anruf mit dem Angebot, sofort anzufangen. Die Arbeit draußen gefiel ihm weit besser als die im Schnellrestaurant. Samba lernte Deutsch als Autodidakt und arbeitete von Mai 2014 bis Juli 2016 als Hilfsarbeiter im Gartenbau. Auf diese Weise konnte er seine Kinder finanziell unterstützen.

Abgelehnter Asylantrag
Da der Senegal trotz der Kämpfe im Casamance als sicheres Herkunftsland gilt, wurde Sambas Asylantrag abgelehnt; seine Arbeitserlaubnis wurde ihm entzogen. Auch die Klage vor dem Verwaltungsgericht München blieb erfolglos. Ein Jahr lang dauerten die Bemühungen – auch vonseiten engagierter Helferkreismitglieder –, um die einzige Art von Spurwechsel vorzubereiten, die legal möglich war: die Rückkehr in den Senegal und der Antrag auf ein Arbeitsvisum bei der Deutschen Botschaft. Dazu waren nötig: die feste Zusage für eine Ausbildungsstelle, die Qualifizierung durch vhs-Kurse (Deutschprüfung auf Niveau B1 und EDV-Basis-Kenntnisse) und der Führerschein. Der Nachweis von guter sozialer Integration gelang ohne Schwierigkeiten, da Samba bereits seit längerem Mitglied im Helferkreis war und Landsleuten zur Seite stand.

Zurück mit Arbeitsvisum
Im September 2017 war es soweit: Samba reiste aus und kehrte im Oktober mit dem Arbeitsvisum zurück. Inzwischen ist er Azubi im zweiten Lehrjahr bei seinem alten Gartenbaubetrieb.

Samba ist zufrieden; er ruft seine Kinder mehrmals in der Woche an und begleitet aufmerksam ihre Entwicklung aus der Ferne.

Claudia Bernardoni, Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn (Foto: privat)

(„Mein Ottobrunn“, 12/2018, Seite 21, „Gemeindeblatt Hohenbrunn“, 02/2019, Seite 57)





Helferkreis Asyl: Gelungene Integration – Teil 3 (Oktober 2018)

Durch Fleiß zum Erfolg

Ahmad Q. kam 2013 aus Afghanistan nach Deutschland. Zuvor war er mit seiner Familie in den Iran geflohen, um zu überleben. Da Afghanen dort illegal sind, wurde er auch hier benachteiligt und verfolgt. Als Ahmad in Deutschland ankam, hatte der heute 26-Jährige nur vier Jahre lang die Schule besucht. Die Schrift, die Sprache – alles war ihm fremd. Eine Sache konnte er jedoch besser als andere Schüler: auswendiglernen – viel, schnell, mit großem Einsatz und noch größerem Erfolg: Nach zweieinhalb Jahren hatte er bereits den qualifizierenden Mittelschulabschluss geschafft, und sein Deutsch war so gut, dass er eine Ausbildung als Koch beginnen konnte.

Schwieriger Lernstoff
Die Berufsschule brachte ganz neue Probleme: Für Ahmad waren die Arten und Verbindungen von Kohlenhydraten, Eiweißstoffen, Fetten, Enzymen, ihre chemischen Formeln, ihre ernährungsphysiologische Bewertung usw. schwer verständlich. Die unterschiedlichsten Trinkgläser und Vorlegebestecke waren etwas einfacher zu begreifen, obwohl dem jungen Afghanen unsere Esskultur fremd war. In diesen Anfangsjahren gab es Unterstützung vom Helferkreis: Ahmad trainierte jede Woche mit anderen Flüchtlingen in der Fußballmannschaft »Ramasuri «; bekam zusätzlichen Deutschunterricht und Hilfe bei Behördengängen und hatte immer Menschen um sich, die Antworten auf Fragen zu kulturellen Unterschieden geben konnten. Bei der Aktion »Essen über den Tellerrand« des Helferkreises kochte er für deutsche Freunde und Nachbarn und die Gespräche am Tisch waren für alle spannend. »Ahmad kam oft zum Lernen zu mir. Am Anfang war er manchmal unpünktlich«, berichtet Berufsschullehrerin Ulla Müller, die sich beim Helferkreis engagiert. Positiv aufgefallen sei ihr, wie höflich Ahmad von Anfang an war.
Mit der Zeit gab es allerdings immer größere Probleme mit dem Umgangston in der Hotelküche, die mit dazu führten, dass Ahmad seine erste Ausbildungsstelle nach einem Jahr verließ. »So geht man in Afghanistan mit niemandem um«, sagte er oft. Weitermachen konnte er dann in einem bayerischen Restaurant in der Innenstadt, dessen Küche mehrfach ausgezeichnet wurde. Hier fühlte er sich besser integriert und bekam größere Lernchancen. Beim Chef`s-Culinar-Wettbewerb junger Köche schaffte er sogar den dritten Platz und schloss seine Ausbildungszeit nach drei Jahren mit gutem Erfolg ab.

Eine Familie unterstützte ihn
Entscheidend für Ahmads Ausbildungserfolg war die Unterstützung einer Familie, die ihn für einen geringen Mietpreis bei sich wohnen ließ. Nur dadurch konnte er die oft extremen Arbeitszeiten durchstehen, in Ruhe lernen und sich ohne staatliche Unterstützung bereits während der Ausbildung selbst finanzieren.
Nach vielen Bemühungen wie das Besorgen der Geburtsurkunde aus Afghanistan, das Beschaffen eines Passes, aber auch weil sein Ausbildungsbetrieb ihn nach der Ausbildung behalten wollte, bekam Ahmad eine Ausbildungsduldung. Jetzt darf er noch zwei Jahre bei seinem Chef arbeiten.
»Was dann kommt, wissen wir nicht. Ich hoffe sehr, dass die Idee des Spurwechsels Realität wird und ein künftiges Einwanderungsgesetz dazu führt, dass Leute wie er bleiben dürfen und gefördert werden.«, so Ulla Müller
MO (Foto: privat)

(„Mein Ottobrunn“, 09/2018, Seite 31, „Gemeindeblatt Hohenbrunn“, 12/2018, Seite 61)





Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn (September 2018)

Über‘n Tellerrand geschaut mit afghanischem Menü

Roqaya und Nadja, zwei Frauen, die mit ihren Familien seit mehreren Jahren hier leben, Roqaya mit Ehemann Ali, einer fünfjährigen Tochter und einem vierjährigen Sohn; Nadja mit Ehemann Mohammad, einer 12jährigen Tochter und einem 10jährigen Sohn, wollten sich schon lange bei allen, die ihnen in Ottobrunn und Umgebung geholfen haben, bedanken. Die Patin beider Familien aus dem Helferkreis Asyl und erprobte Organisatorin bei den verschiedensten Gelegenheiten, schlug ihnen vor, im Rahmen des Helferkreis-Projekts Über’n Tellerrand ein afghanisches Menü auszurichten und Unterstützer/innen; Freunde und Nachbarn einzuladen. Aber zunächst mussten beide noch die Prüfung Deutsch B 2 ablegen und die dringendsten Probleme der Integration wie Kindegarten und Schulbesuch der Kinder regeln, oder gar wie Nadja stundenweise einer Berufstätigkeit nachgehen. Ende Juni 2018 war es soweit: Man einigte sich über Vorlieben und Gerichte und beide Frauen kauften in München bei einschlägigen Geschäften ein: Fleisch und Gemüse beim Türken, Reis, Gewürze, Mandeln und Zutaten für die Süßspeisen in einem afghanischen Geschäft.

Im Pfarrsaal von St. Magdalena waren die Tische sommerlich festlich in hellem Grün gedeckt. Das Essen stand in großen chafing dishes auf den Buffettischen, professionell warm gehalten und sorgfältig in Vorspeisen, Hauptgericht und Nachspeise getrennt. Die Gäste, mehrere Helferkreismitglieder mit ihren jeweiligen Partnern, der Arbeitgeber des Bürojobs von Nadja, die Leiterin der Klawotte Kinder & kreativ, für die Nadja und Roqaya im vorigen Winter phantasievolle Taschen aus gespendeten Stoffresten genäht hatten, sowie Schulfreundin Helena von Roqayas Tochter Zahra mit ihren Eltern.

Die Gäste saßen wie im Restaurant an Tischen zusammen, unterhielten sich und holten sich die Leckerbissen vom Buffet: Als Vorspeise gab es Avocado-Salat, dann einen afghanischen Salat mit rohem Gemüse, ein Chutney und Mantoo (Teigtaschen mit frischem Korianderblättern, roten Linsen und Joghurt). Als Hauptgericht gab es unter anderem zum nacheinander Kosten oder kräftig Zulangen: Kabuli pilau (Reis mit Rosinen, Pistazien, Lammfleisch und Karotten); Zereshke polo (Reis auf iranische Art mit Safran und bei uns ungebräuchlichen, süß-sauren Beerenfrüchten) und Kotlet (Lammkotlette mit gebratenen Kartoffeln). Wer nach diesem reichhaltigen Menü schon streikte, war selbst schuld, denn die Wassermelone zum Nachtisch war bei der Wärme erfrischend und Ghatab (Teigtaschen mit Pistazien und Mandeln) und Goshe FU (Blätterteiggebäck) stellten einen runden Abschluss dar. Ein gelungener Abend für Gäste und Gastgeber.

Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn







Helferkreis Asyl: Gelungene Integration – Teil 2 (September 2018)

Vor dem IS geflüchtet

Mohammad A. und seine Frau Rawan S. stammen aus einem von Kurden bewohnten Stadtteil der syrischen Stadt Aleppo. Das Paar lebte jedoch zuletzt mit seinen beiden Söhnen in der Stadt Rakka, die zu einer Hochburg des »Islamischen Staates« (IS) in Nordsyrien wurde. Bevor der IS kam, arbeitete Vater Mohammad als Elektriker bei der Stadtverwaltung, Mutter Rawan in einem Kindergarten. Sie waren eine gut situierte kurdische Familie mit kleinem Immobilienbesitz. Nachdem der IS die Stadt 2013 eingenommen und die Stadtverwaltung zerstört hatte, konnte Mohammad die Familie zunächst mit einem kleinen Laden für Elektrozubehör durchbringen, aber die Zwänge des sozialen Lebens unter islamistischer Herrschaft waren schwer zu ertragen. Rawan musste eine schwarze Burka tragen. Ihre Sicht wurde nicht nur durch das Augengitter, sondern auch durch zwei weitere Schichten von Tüchern behindert. Auch konnte sie das Haus kaum verlassen; ihr Mann musste einkaufen. Die Kinder durften nicht zur Schule gehen. Nach einem ersten Fluchtversuch wurden sie als Kurden nicht mehr in Rakka geduldet und flohen endgültig; zunächst zu Verwandten nach Erbil im Nordirak. Später setzten sie die Flucht fort: Erste Station war die Türkei. Es folgte eine riskante Fahrt im überfüllten Schlauchboot auf die Insel Chios, von dort weiter auf das griechische Festland und über Mazedonien und Serbien bis nach Ungarn und dann nach Deutschland.

Hilfe bei Weihnachtsfeier
Nach der Asylantragstellung in München wurde die Familie in einer großen Aufnahmeeinrichtung in Fürstenfeldbruck untergebracht. Vier Monate lebten sie unter beengten Verhältnissen, die Kinder konnten nicht zur Schule gehen, und Rawan hatte einen längeren Krankenhausaufenthalt. Schließlich nahmen sie, trotz ihres anderen Glaubens, eine Einladung zum Weihnachtsgottesdienst in die katholische Kirche an. Dort lernten sie bei einer kleinen Feier einen engagierten Caritas- Mitarbeiter kennen und bekammen kurz darauf die Genehmigung für einen Transfer nach Höhenkirchen. Dort erhielten sie nach einiger Zeit die Anerkennung als Flüchtlinge.

Söhne sind gute Schüler
Kurze Zeit später gelang es einer Ehrenamtlichen des Helferkreises Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn, eine Vier-Zimmer-Wohnung für die Familie in Ottobrunn zu finden. Der 17-jährige Sohn Ahmed besucht nun die Mittelschule in Haar. Er möchte nächstes Jahr den »Quali« machen und später Informatik oder Maschinenbau studieren. Der 12-jährige Reschad ist mindestens so ehrgeizig wie sein Bruder. Er hat die 5. Klasse der Mittelschule in Riemerling abgeschlossen und möchte so viel wie möglich lernen, um bald auf eine Realschule wechseln zu können. Zur Unterstützung bekommt er zusätzlichen Deutschunterricht von einem Mitglied des Helferkreises. Vater Mohammad hat eine Stelle in einer Werkzeugmaschinenfabrik in Sauerlach gefunden, wo er als Elektriker einen eigenen Bereich verantwortet. Er bedauert lediglich, dass er zu wenig Gelegenheit hat, deutsch zu sprechen. Der 49-Jährige besucht jedoch dreimal in der Woche abends einen Deutschkurs; genau wie seine Frau.

Mutter kocht »Mammalade«
Mutter Rawan macht im Rahmen einer Maßnahme zur beruflichen Eingliederung ein sechsmonatiges Praktikum im Bonus- Markt, einem sozialen Supermarkt in Ottobrunn. Sie erledigt dort alle anfallenden Arbeiten und wird auch als Kassiererin eingesetzt. Ihr Chef ist mit ihrer Arbeit sehr zufrieden. In ihrer Freizeit hilft sie bei den Aktivitäten des Helferkreises Asyl wie im Café International. Sie gehört darüber hinaus zum Team der Köchinnen von Helene Nestlers Projekt »Mammalade für Karla« zugunsten der obdachlosen Frauen von »Karla 21«.
Inge Meyers (Foto: privat)

(„Mein Ottobrunn“, 09/2018, Seite 31, „Gemeinde Hohenbrunn“, 11/2018, Seite 62)





Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn (August 2018:)

Fünf Jahre Spielervereinigung Ramasuri

2013 gab es in Ottobrunn ein Fußballturnier für Flüchtlinge. Es mangelte an allem: am Equipment, an Sprachkenntnissen, an Erfahrung. Mit viel Mut gelang es, den Flüchtlingen eine Abwechslung vom grauen Alltag zu verschaffen. Aus diesem Turnier ist eine Spielervereinigung namens Ramasuri entstanden, die in diesem Sommer ihr fünfjähriges Bestehen feiert.

Ramasuri bedeutet auf bayerisch Durcheinander und beruht auf den vielen Herkunftsländern unserer Spieler: Afghanistan, Eritrea, Mali, Nigeria, Senegal, Somalia, Südafrika, Syrien und auch immer wieder deutsche Spieler.

Mittlerweile haben wir so etwas wie Tradition aufgebaut: Fast jeden Samstag Training, Teilnahme an ein paar Turnieren, ein Trainingslager im August und die Weihnachtsfeier.

Die Spieler sind zwischen 18 und 30 Jahren alt, alleinstehend. Die Männer und jungen Burschen sind mir, der Trainerin, stets mit Respekt begegnet, so wie auch ich ihnen respektvoll gegenüberstehe.

So habe ich in den Jahren unseres Zusammenseins an ihrem Leben teilnehmen dürfen. Ich habe erlebt, wie diese jungen Menschen, die erschöpft, ängstlich und traumatisiert hier angekommen sind, sich wieder aufgerappelt haben. Die deutsche Sprache gelernt haben, den Schulbesuch genossen haben („zu Hause musste ich die Schule verlassen, als ich schreiben gelernt hatte“). Ich habe gesehen, wie sie sich mittels Praktikumsplätzen für Berufe entschieden haben, die ihnen bis dato völlig unbekannt waren. Ich habe auch schon feiern dürfen, dass Ausbildungen abgeschlossen, die Zulassung für die FOS erreicht wurde.

Ich habe beobachtet, wie aus Jungen Männer wurden, wie sie in ihre Heimatsprachen deutsche Wörter wie Meinungsfreiheit importierten, diese Freiheit auch zu schätzen lernten. Wie sie über unterschiedliche Religionen philosophierten und über die Rolle der Frau in Deutschland nachdachten („die deutschen Frauen müssen viel mehr arbeiten als unsere zu Hause“). Wie sie sich über die Entdeckung freuten, dass man auch bei uns das Damespiel kennt. Wie sie vieles aus unserer Kultur annahmen, vieles aus ihrer eigenen zu hinterfragen begannen. So wie auch ich in diesen fünf Jahren gelernt habe, manche meiner Denkweisen als Vorurteil zu erkennen.

Wir sind in den Jahren aneinander gewachsen, haben gelernt über den Tellerrand zu schauen, Toleranz zu üben und uns in einer neuen Welt zu bewegen: die Männer in der deutschen Sprache und Kultur und ich in der Fußballwelt. Es war nicht immer einfach, die verschiedenen Sprachen, Kulturen, Religionen, Gewohnheiten und Erfahrungen unter einen Hut zu bringen. Aber wir haben es geschafft!

Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn (auch: „Gemeindblatt Hohenbrunn“, 09/2018, Seite 72)






Helferkreis Asyl: Gelungene Integration – Teil 1 (Juli 2018)

Vom Hilfsbedürftigen zum Helfer

Rony G. (Name ist der Redaktion bekannt) stammt aus einem Dorf im Nordosten Syriens. Vor dem Krieg lebte dort eine religiös gemischte Bevölkerung friedlich zusammen: assyrische, syrische und orthodoxe Christen, Jesiden und kurdische Muslime. Rony studierte bis zum Sommer 2012 an der Universität von Damaskus vier Jahre Englisch und Arabisch. Er wollte Dolmetscher werden, musste jedoch vor Abschluss des Studiums wegen des Krieges nach Deutschland fliehen. Seine Eltern versuchten noch, in der Heimat auszuharren, aber auch sie mussten 2014 – nach dem Einfall des IS – ihr Dorf verlassen. Sie leben heute mit Ronys Schwester und seinem älteren Bruder in Hessen; sein jüngerer Bruder ist nach Australien emigriert.

Seit Ende 2012 in Ottobrunn
Rony kam kurz nach der Asylantragstellung Ende 2012 nach Ottobrunn. Für die Ehrenamtlichen des Helferkreises Asyl ist er gewissermaßen ein guter alter Bekannter. Nachdem Rony eine Aufenthaltserlaubnis erhalten und an der Volkshochschule einen Basiskurs in Deutsch absolviert hatte, suchte er eine Arbeit in der Hotellerie. Er schrieb einen Lebenslauf und verschickte über 80 Bewerbungen, ohne eine einzige Antwort zu bekommen. Der heute 30-Jährige wunderte sich, bis er merkte, dass in seinem Schreiben nirgends stand, was er genau im Hotelbereich machen wollte.
Schließlich fand er eine Aushilfsstelle im Frühstücksservice eines Hotels, arbeitete zwei Jahre dort in Teilzeit und besuchte weiter Deutschkurse, bis er das für eine Ausbildung notwendige Sprachlevel B 2 erreicht hatte. Danach entschied er sich, Hotelfachmann zu werden. Mit Unterstützung und auf Vermittlung des Jobcenters im Landratsamt fand er schließlich eine Ausbildungsstelle in einem Münchner Marriott- Hotel. Es war eine harte Zeit, denn neben der praktischen Arbeit stellte der Unterricht in der Berufsschule eine große Herausforderung dar.

Festanstellung im Hotel
Im Januar bestand Rony die Abschlussprüfungen, und das Hotel bot ihm eine Festanstellung als Rezeptionist an, die er gerne annahm. Im Hotel wird er oft zu Sehenswürdigkeiten, Orten und Einrichtungen befragt, die ihm selbst neu sind. Um besser Auskunft geben zu können, ist er schon nach Salzburg gefahren und hat auch die KZ-Gedenkstätte in Dachau besucht. Rony zieht ein positives Resümee: »In Ottobrunn fühle ich mich zuhause. Ich bin sehr dankbar; so viele Leute haben mir geholfen.« Der Helferkreis Asyl hat Rony seit 2013 beraten und unterstützt. »Inzwischen bin ich schon lange selbst aktives Mitglied, begleite Flüchtlinge und dolmetsche für sie«, erzählt er.
Claudia Bernardoni, Helferkreis Asyl Otobrunn/Hohenbrunn (Foto: privat)

(„Mein Ottobrunn“, 07/2018, Seite 24, „Gemeindblatt Hohenbrunn“, 10/2018, Seite 56)





Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn (Juni 2018)

Austausch der Kulturen - Café International

Das Café International, ein Projekt des Helferkreises Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn, lädt nun schon seit mehr als zwei Jahren einmal im Monat zum Gespräch bei Kaffee oder Tee und Kuchen ein. Die Gäste sind Geflüchtete aus verschiedenen Ländern, die mit ihren Familien in Ottobrunn ansässig geworden sind, und alteingesessene Ottobrunner Bürger. Dank tatkräftiger Eigeninitiative, vor allem der syrischen und afghanischen Frauen sowie einiger deutscher Helferinnen, und großzügiger Spenden der Bäckerei Fiegert ist das Kuchenbuffet immer gut bestückt. Da sich viele Teilnehmer inzwischen gut kennen, ist die Unterhaltung lebhafter geworden. Es geht nicht mehr so oft um bürokratische Fragen, vielmehr sind die kleinen und großen Themen des Alltags in den Mittelpunkt gerückt; auch die persönlichen Gespräche nehmen zu.

Termine 2018
Die nächsten Termine sind: 16. Juni, 14. Juli, 15. September, 13. Oktober, 10. November und 8.Dezember. Das Café International findet jeweils von 15.00 bis 17.00 Uhr im Haus der Evangelischen Jugend in der Gartenstraße 1 statt. Interessierte Ottobrunner, die neugierig auf fremde Kulturen sind, sind herzlich eingeladen.

Ulla Wolf, Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn



(Quelle: „Mein Ottobrunn“, 06/2018, Seite 21)





Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn (Mai 2018)

Ottobrunnerin geht für Flüchtlingsfamilie zum Ottobrunner Tisch

Auch Astrid Johannsen ist regelmäßig beim Ottobrunner Tisch, aber nicht, weil sie bedürftig ist. Sie ist seit 2014 Mitglied beim Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn und hat sich als Vertreterin einer berechtigten Person bei der Caritas registrieren lassen. Die Lehrerin im Ruhestand geht seit einiger Zeit regelmäßig für eine afghanische Familie (Mutter mit vier Kindern) zum Ottobrunner Tisch. Begonnen hatte das damit, dass die junge Afghanin zu wenig Zeit zur Vorbereitung der Deutschprüfung B2 hatte und Astrid Johannsen ihr als ihre Deutschlehrerin diese Hilfe anbot.

Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn, Claudia Bernardoni



(Quelle: „Mein Ottobrunn“, 05/2018, Seite 21)





Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn (April 2018)

Alle wollen auf meinem Schoß sitzen

Philipp Graser ist mit seinen zwölf Jahren derzeit der jüngste Flüchtlingshelfer des Helferkreises Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn. Hier erzählt er über seine Erlebnisse und wie alles begann:

Kinder im Kirchenasyl
»Ich bin zwölf alt Jahre und gehe in die 7. Klasse des Gymnasiums Ottobrunn. Vor vier Jahren betreute der Helferkreis Asyl eine Familie aus Nigeria, die im Kirchenasyl in Putzbrunn lebte. Meine Mutter, die sich um diese Familie kümmerte, erzählte mir, dass die drei kleinen Kinder sich schrecklich langweilen würden, da sie die Wohnung monatelang nicht verlassen dürften. Sie würden immer sehnsüchtig aus dem Fenster auf den Kindergarten gegenüber schauen. Da meine Mutter ohnehin mehrmals die Woche zu dieser Familie fuhr, bin ich einfach mal mitgegangen und habe angefangen, mit den Kindern zu spielen. Joshua war damals zweieinhalb, Grace war ein Jahr alt und Anna noch ein Baby. Sie haben sich jedes Mal so gefreut, wenn ich bei ihnen war, dass es oft Tränen gab, wenn wir wieder gehen mussten.

Spielen und vorlesen
Joy, ihre Mutter, konnte weder lesen noch schreiben. Wenn ich Bilderbücher mit den Kindern angeschaut habe, hat sie immer gerne deutsche Wörter mitgelernt. Seit die Familie nach dem Kirchenasyl nach Mühldorf ziehen musste, besuchen wir sie auch dort immer wieder. Neulich waren wir bei Joshuas Einschulung. Die Kinder sprechen inzwischen fließend Bayerisch.

Große Freude über Kinder
Seit Sommer 2014 betreut meine Mutter auch somalische und eritreische Flüchtlingsfrauen mit kleinen Kindern, die in einem Haus in Ottobrunn wohnen. Alle sind anerkannte Flüchtlinge. Auch hier gehe ich oft mit und spiele mit den Kindern. Hiab, Ayman, Hanna und Abdi kenne ich, seit sie ein paar Tage alt sind. Wenn wir da sind, sind die Kinder gar nicht schüchtern, und auch die Mütter haben viel Spaß. Ich lerne viele afrikanische Sitten kennen. Lustig finde ich, wenn die Kinder gefüttert werden, indem man z.B. Spaghetti und Reis mit Gemüse zu kleinen Happen knetet und den Kleinen direkt in den Mund gibt. Selbst Joghurt wird ohne Löffel gefüttert. Oft essen alle von einem Teller. Es ist immer sehr gemütlich. Beim Baden werden die Kinder mit vielen Düften und Badezusätzen parfümiert und nachher stundenlang eingecremt. Überhaupt riecht es überall nach Räucherstäbchen.

Kinder sind immer dabei
Alle Frauen kümmern sich um alle Kinder, ganz egal, welches ihnen gehört. Die Kinder sind überall dabei. Sie werden in bunten Tüchern am Körper getragen. Aber wenn ich da bin, wollen sie meistens alle gleichzeitig auf meinem Schoß sitzen. Bei Feiern werden die Kinder immer festlich angezogen. Wenn meine Mutter alleine kommt, fragen die Mütter immer nach mir. Oft habe ich den Eindruck, dass sich die Flüchtlingsfrauen besonders freuen, wenn Kinder zu Besuch kommen, weil dann alles viel lockerer ist. Sie haben auch immer viel Spaß, wenn sie mir somalische oder eritreische Wörter beibringen und ich versuche, sie nachzusprechen. Die Familien sind so freundlich und dankbar, dass es immer viel Spaß macht, sich um sie zu kümmern.«

Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn, Philipp Graser



(Quelle: „Mein Ottobrunn“, 04/2018, Seite 21)
auch: „Gemeindblatt Hohenbrunn“, 07/2018, Seite 58/59)



Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn (8.4.2018)

Der Helferkreis auf dem Fest der Kulturen 2018

Auch das sechste Fest der Kulturen am achten April im Wolf-Ferrari-Haus in Ottobrunn war ein voller Erfolg für die Veranstalter und unseren Helferkreis sowohl auf der Bühne als auch mit unserem dekorativen Stand beim Markt der Initiativen.

Im Bühnenprogramm traten die Musiker und Flüchtlinge aus Afghanistan Amir Ahmadi und Surush Ahmadi auf. Sie spielten zu Anfang vor der Begrüßung durch die Bürgermeister Loderer und Heiland und durch Aniko Balazs, die für die Veranstalter sprach, sowie gleich wieder danach, sodass sie die volle Aufmerksamkeit des Publikums genossen. Die Unterstützung durch eine günstige Platzierung hätten sie jedoch nicht nötig gehabt. Amir spielte auf dem Keyboard traditionelle afghanische Volksmusik und sang dazu, Surush begleitete ihn auf seinen Trommeln. Zu einer Hochzeitsmusik begannen eine afghanische Männerflüchtlingsgruppe und zwei Frauen spontan zu tanzen. Viel Applaus belohnte alle.

Amir ist gerade 17 Jahre geworden, er ist Hazara aus der Provinz Baghlan, mit 13 Jahren nach Deutschland gekommen und macht hier eine Ausbildung zum Lackierer. In Afghanistan hatte er keinen Musikunterricht, weil es in der Schule keinen gab. Und in Gegenden, die unter dem Einfluss der Taliban stehen, ist Musik als verpöntes weltliches Vergnügen verboten. Er hat zwar in zwei Jahren Schule lesen und schreiben gelernt, aber danach bei seinem Vater auf dem Feld gearbeitet. In München hat er Musikunterricht bei einem afghanischen Lehrer für Keyboard und afghanisches Harmonium genommen. Aber Noten? Ich höre und merke es mir einfach, erklärt er und ergänzt: Natürlich unterscheidet sich die Musik der Pashtunen von der der Hazara oder der Tadschikken. Nicht nur in der Sprache, sondern auch im Stil. Ich spiele aber alles und unterscheide nicht, ich habe Respekt vor jeder Kultur.

Surush ist 19 Jahre alt, auch er Hazara aus der Provinz Baghlan (die beiden sind nicht miteinander verwandt). Auch er ist seit mehreren Jahren in Deutschland und macht eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann. Surush hat gleichfalls bei dem afghanischen Musiklehrer in München Unterricht genommen, für das Trommeln auf der „tabla“. Genau wie Amir ist er der einzige Musiker in seiner Familie. Er sagt: Musik ist mir sehr wichtig. Meine tabla ist wie mein Freund, mein bester Freund. Er möchte mit Amir gemeinsam noch öfter auftreten. Manchmal werden sie zu Hochzeiten gebeten oder spielen auf den Treffen der Fußballmannschaft Ramasuri, die Brigitte Barthmann organisiert, die auch beiden Musiker seit Jahren betreut.



Der Helferkreis-Stand im Rahmen des Markts der Initiativen zeichnete sich nicht nur durch Fotowände und eine reiche Dekoration mit volkskundlichen Objekten und Informationsmaterial aus, sondern war während des gesamten Festprogramms sehr gut besucht. Zahlreiche Helferinnen und Helfer, die Gespräche mit vielen Gästen führten und immer wieder die von ihnen betreuten Flüchtlinge begrüßen konnten, berichteten, dass sie zu dieser Gelegenheit keine kritischen oder gar ablehnenden Stimmen zur Flüchtlingsarbeit hörten, sondern im Gegenteil anhaltendes Interesse spürten. Unser Dank für die Organisation unseres Teils am Fest der Kulturen gebührt Dorothea Blässing.

Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn 16.4.2018, Claudia Bernardoni





Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn: (9.3.2018)

Fest zum fünfjährigen Bestehen des Helferkreises Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn

Im Herbst 2012, als die ersten Flüchtlinge in Ottobrunn eingetroffen und tatkräftig von der Gemeinde Ottobrunn vor allem in der Joseph-Seliger-Siedlung untergebracht worden waren, fand sich eine kleine Gruppe in der Pfarrei St. Magdalena zusammen, um die Flüchtlinge zu unterstützen. Aus dieser Initiativgruppe hat sich unser Helferkreis entwickelt und fünf Jahre lang engagiert gearbeitet. Das wollten wir feiern und luden am 09.03.2018 zu einem Abend mit Vortrag und Fest-Buffet in den Pfarrsaal von St. Otto in Ottobrunn ein.

Diakon Karl Stocker, seit Anfang an der Leiter unseres Helferkreises, begrüßte die zahlreichen Gäste, darunter Bürgermeister Loderer, die Sozialbtreuer/innen der Caritas, den Leiter und die stellvertretende Leiterin der Volkshochschule SüdOst, die Leiterinnen der beiden Klawotten, einige Vermieter von Wohnungen an anerkannte Flüchtlinge und ein engagierter Asylanwalt. Er erinnerte an unsere bewegte Geschichte als stetig anwachsender Kreis, der auch durch den Austausch auf regelmäßigen Treffen die unterschiedlichen Anforderungen durch Flüchtlinge aller Altersgruppen und vieler Herkunftsländer bisher bewältigen konnte.

Heidi Maurer, ehrenamtliche Sprecherin, sprach von dem starken Zusammenhalt, von der emotionalen und humanitären Motivation der Helferinnen und Helfer, der guten Atmosphäre bei den Treffen und in der Zusammenarbeit und dankte für die Unterstützung von Seiten der Gemeinden, Organisationen und Vereine vor Ort. Sie berichtete, dass wir heute ca. 120 Jugendliche, Frauen und Männer zählen; dass unser jüngster Helfer bereits mit 10 Jahren in Begleitung seiner Mutter Kinder im Kirchenasyl besucht hat, dass unsere ältesten Mitglieder 85 Jahre alt sind, und dass auch zehn Flüchtlinge aus Afghanistan, Syrien, Jordanien, dem Senegal Mitglieder sind und anderen Flüchtlingen helfen. Sie rief uns ein Zitat des Alt-Bundespräsidenten Joachim Gauck von 2014 in Erinnerung, das eine gute Überleitung zum folgenden Vortrag bildete: ….“zu den Tragödien… können wir nicht schweigen, wenn wir unsere eigenen Werte ernst nehmen“.

Claudia Bernardoni, zweite ehrenamtliche Sprecherin, stellte den Referenten des Abends, einen Orientalisten, Politologen und wissenschaftlichen Bibliothekar an der Staatsbibliothek München vor. Sie erklärte, dass wir den Vorderen Orient als Vortragsthema gewählt hatten, weil Syrien und Irak seit dem Jahr 2016 die Hauptherkunftsländer der Flüchtlinge auch hier bei uns waren, und unsere Aktivitäten insofern durch das Weltgeschehen geprägt werden. Sie fand, dass die Tragödie des Kriegs im Vorderen Orient uns in Einzelschicksalen, das heißt allerdings auch in Schlaglichtern, vor Augen steht, wir jedoch ein Gesamtbild für ein Mehr an Verständnis und Einfühlungsvermögen brauchen.



Robert Staudigl kam dieser Aufgabe mit beeindruckender Klarheit und Prägnanz nach. Er zeigte, dass die Zerstörung der ältesten Kultur, die auch für unsere europäische Entwicklung entscheidende Impulse gegeben hat, und dass die menschliche Tragödie in der gesamten Region keineswegs ohne das Zutun der westlichen Welt zustande gekommen sind. Im Gegenteil, der Angriff der Amerikaner unter einem ungerechtfertigten Vorwand auf den Irak hat zwar den Sturz Saddam Husseins zur Folge gehabt, andererseits aber auch die Begründung des Islamischen Staates durch Saddams Geheimdienstleute und den Feldzug des IS in Syrien. Damit war der Grund für das heutige Schlachtfeld verschiedener Welt- und Regionalmächte gelegt. Von den Russen, den Iranern und Assad über die Saudis bis hin zur Türkei versuchen sie, dort ihre Interessen durchzusetzen, ihre Einflusszonen zu vergrößern oder verkaufen Waffen wie Deutschland. Er machte klar, dass der Islam nur einen „moralischen“ Deckmantel für die Anwerbung von Jihadsten und damit für Krieg, Terror und Eroberung darstellt und abgesehen von den lokalen Verheerungen auch zu einer tiefen Feindschaft zwischen Sunniten und Schiiten geführt hat. Die Hoffnung auf Frieden in einer so verzweifelten Lage ist seiner Meinung nach dennoch nicht illusionär, aber dazu müssten viele Beteiligte konkrete kleine Schritte der Vertrauensbildung und Versöhnung für eine sehr lange Zeit gehen. Der Referent wurde noch lange, während das Buffet eröffnet war, von begeisterten und diskutierfreudigen Zuhörern umringt.

Köche für unser reichhaltiges Buffet waren Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak. Bei einem Glas Rotwein aus der Beeka-Ebene im Libanon, einem Bier oder einem nicht-alkoholischen Getränk fanden noch viele angeregte Gespräche statt.

Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn (auch: „Gemeindblatt Hohenbrunn“, 05/2018, Seite 50/51)





Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn: (Januar 2018)

Jahresbericht 2017

Im fünften Jahr seines Bestehens begleitete der Helferkreis ca. 280 Flüchtlinge, darunter 120 Kinder und Jugendliche. Syrien, Afghanistan, Irak, Somalia, Eritrea, Nigeria und Senegal sind die Heimatländer unserer Flüchtlinge. 2017 hat sich der Schwerpunkt unserer Hilfe von der Ankunft und Versorgung hin zur Integration verändert, für Asylbewerber und anerkannte Flüchtlinge.


Integration durch Sprache und Arbeit
  • Der Helferkreis ergänzt das umfangreiche Angebot der VHS Südost an Deutschkursen für Asylbewerber und anerkannte Flüchtlinge mit wöchentlichen Deutsch-Training, Lernpatenschaften in besonderen Situationen und Unterstützung bei Kurs- und Prüfungskosten.
  • Die Suche nach Jobs wurde intensiviert, Praktika bei Firmen, Organisationen und sozialen Einrichtungen unserer Gemeinden tragen dazu bei. Weitere Flüchtlinge haben Arbeitsplätze gefunden, andere stehen kurz vor der Gesellenprüfung im Bereich Gastronomie und Gartenbau oder begannen im Herbst Ausbildungen, z.B. als Kfz-Spengler, Elektro-und Energietechniker, Kiefernorthopädengehilfin. Einige Mütter arbeiten inzwischen Teilzeit. Eine junge Frau konnte die Ausbildung als Erzieherin abschließen. Berufsschüler erhalten individuell Nachhilfe.
  • Schülerpaten lernten mit Kindern und Jugendlichen, die inzwischen auch Realschule, Gymnasium oder Fachoberschulen besuchen. Kinder aus Familiennachzügen wurden in den Sommerferien unterrichtet, um den Schulstart im Herbst zu verbessern.
  • Für Schüler und Auszubildende werden gespendete Notebooks und PCs bereitgestellt.
Integration durch Teilhabe am sozialen Leben
  • Mit den Flüchtlingen gemeinsam gestaltete Feste, wie das Fest der Kulturen, das Muslimische Opferfest, das Ottostraßenfest und die Adventsfeier tragen zur Integration bei.
  • In Schwimmkursen des TSV Riemerling lernen Flüchtlingskinder sicher schwimmen. Im November startete ein Schwimmkurs für Frauen im Schulschimmbecken, mit einer Schwimmtrainerin des Phönix Sport Teams. Männer, Frauen, Jugendliche und Kinder nehmen in verschiedenen Sparten der Sportvereine am Programm teil. Die eigene Fußballmannschaft des Helferkreises „Ramasuri“ beteiligte sich an verschiedenen Turnieren. Das Eislaufen für die Kinder am 27. Dezember beendete das Sportangebot.
  • Das Team des Café International lädt einmal im Monat im Haus der Evangelischen Jugend zur Begegnung von Flüchtlingen und Einheimischen ein. Das Café wird vor gerne von Familien besucht. Flüchtlinge helfen mit im Betrieb des Cafés.
  • Im Projekt „Über’n Tellerrand“ kamen Flüchtlinge, Migranten und Einheimische in acht Tafelrunden beim Kochen und Essen miteinander ins Gespräch.
  • In Kooperation mit der VHS informierten wir in Länderabenden über die Herkunftsländer unserer Flüchtlinge. Afghanistan, Syrien und Afrika (Nigeria, Somalia) waren die Schwerpunkt-Länder. Informative Vorträge, Musik, Kulinarisches und Begegnung unter Beteiligung von Flüchtlingen kennzeichneten die Abende im vollen Ratssaal.
  • Mütter aus Syrien, Afghanistan und Russland engagierten sich ehrenamtlich in der AWO Klawotte Kinder & Kreativ und im Seniorenzentrum Kaiserstiftung Riemerling.
Vermehrte Asylentscheidungen

Eine Reihe von Entscheidungen in lange anstehenden Asylverfahren ist vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge getroffen wurden. In einigen Fällen wurde der rechtlich zulässige Klageweg beschritten, aber in anderen Fällen wurden bisher nicht berücksichtigte Schutzgründe anerkannt. Ganze Familien konnten und können daraufhin eine Aufenthaltserlaubnis erhalten.
Erstmalig ist es, auch dank Einsatz von Helferkreisseite, gelungen, für Flüchtlinge den Weg des Wechsels zum Aufenthalt mit Arbeitsvisum einzuschlagen. Dabei wurde entweder die Wiedereinreisefrist von der Ausländerbehörde herabgesetzt, um die Rückkehr aus dem Herkunftsland mit Visum der Deutschen Botschaft zu erleichtern oder eine befristete Ausbildungserlaubnis zum gleichen Zweck erteilt.

Zu- und Weg-Züge
  • Ottobrunn: Die Container-Anlage in der Hochackerstraße wurde Ende November, eine kleinere Unterkunft für Frauen vor Weihnachten aufgelöst. Allen Bewohnern wurden Unterkünfte in anderen Landkreis-Gemeinden angeboten. Die Paten begleiten manche der verlegten Flüchtlinge eine Zeitlang weiter, bis sie am neuen Wohnort Fuß fassen können.
  • Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge müssen seit Sommer ihre Jugendhilfe-Einrichtungen verlassen, sobald sie 18 werden. Dieses betrifft auch die Einrichtungen in Hohenbrunn, Riemerling und Ottobrunn. Den jungen Menschen werden Betten in anderen Unterkünften des Landkreises angeboten.
  • Drei Familiennachzüge und zwei anerkannte Flüchtlingsfamilien sind neu in unsere Gemeinden gekommen.
  • Für zwei Familien mit 7 Kindern und drei Einzelpersonen konnten wir Wohnraum finden. Eine Familie bekam Umzugsunterstützung nach Niederbayern.
  • Die Flüchtlinge können sich lokal mit Kleidung, Spielsachen, Geschirr, Fahrrädern und Möbeln versorgen - dank der AWO Klawotten, der AWO Rumpelkammer und der Mobilen Caritas Werkstatt, die ihre Dienstleistungen allen Bedürftigen anbieten.
Kontinuität im Helferkreis
  • Über 130 Ehrenamtliche sind Mitglieder im Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn; darunter 10 Flüchtlinge. Eine große Unterstützung für den Helferkreis ist die Integrationsbeauftragte der Gemeinde Ottobrunn, Stefanie Marrero. In der Gemeinde Hohenbrunn gab es einen personellen Wechsel in der Funktion des Integrationsbeauftragten.
  • Der Helferkreis trifft sich 3 x im Monat im Pfarrsaal St. Magdalena. Im internen Weiterbildungsprogramm wurden an 8 Treffen zu angefragten Themen informiert und diskutiert. Seit Sommer besteht die Möglichkeit zur ortsnahen Einzel-Supervision für die Helferkreis-Mitglieder.
  • Wir informieren die Öffentlichkeit über unsere Homepage, www.helferkreis-asyl.com, und die Gemeindeblätter Hohenbrunn und Ottobrunn. Mit Ständen war der Helferkreis beim Fest der Kulturen, beim Ottostraßenfest und bei der Bürgerversammlung in Ottobrunn vertreten.
    Für anerkannte Familien, Alleinerziehende mit Kindern und Auszubildende, die sich in unseren Gemeinden gut integriert haben, sucht der Helferkreis weiter nach Wohnraum. Bitte melden Sie sich bei Diakon Stocker, Tel. 089 / 42 00 179 - 01, E-Mail KStocker@ebmuc.de, wenn Sie dazu Auskünfte wünschen oder helfen können.
    Herzlichen Dank allen, die durch freundliche Begegnung im Alltag zur Integration der Flüchtlinge beitragen und unsere Arbeit durch Anteilnahme und vielfältige Unterstützung begleitet haben.


Heidi Maurer und Dr. Claudia Bernardoni
Sprecherinnen im Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn





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