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Presse / Nachrichten - Archiv (2020)
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Weihnachten 2020Spenden für die Arbeit des Helferkreises Asyl Ottobrunn / HohenbrunnDer Helferkreis Asyl hat die zu uns geflüchteten Menschen auch in den vergangenen Corona-Monaten in vielen Einzelfall-Aktionen weiter
begleitet und unterstützt. Besonders erwähnen möchten wir die Übergabe von gespendeten Notebooks und Druckern, Umzugshilfen, Notfall-Hilfen
bei Verlust von Arbeitsplätzen, Bezuschussung von Führerscheinen oder Kurskosten zur Verbesserung der beruflichen Perspektiven.
Geldspenden: Kath. Kirchenstiftung St. Stephan Putzbrunn
Kreissparkasse München Starnberg IBAN: IBAN: DE 25 7025 0150 0029 4231 91 BIC: BYLADEM1KMS Stichwort "Asylhilfe Ottobrunn/Hohenbrunn"
Sachspenden:
Lebensmittel-Spenden für den Caritas Tisch Ottobrunn:
Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn (Dezember 2020)
Notebooks für Schüler und AuszubildendeCorona und in der Folge Home Schooling haben deutlich gezeigt: „ digital native“ ja – PC Kenntnisse oft nein. Viele Flüchtlingsfamilien haben zwar Smartphones, aber kein Notebook, PC und Drucker. Die Jugendlichen streamen, chatten und surfen, aber die per Email zugesandten Arbeitsblätter ausfüllen, so ablegen, dass sie sie wiederfinden und zurückschicken, das waren neue Herausforderungen. Auf jeden Fall brauchten sie die nötige Hardware. Die Mittelschulen konnten keine Geräte ausleihen. Schon im Lockdown hat der Helferkreis begonnen, jeden Schüler der Mittelschulen, der sich bei uns gemeldet hat, mit einer entsprechenden Ausstattung zu versorgen. Dr. Michael Steinacker, IT-Experte des Helferkreises, bereitet seit Jahren gespendete Laptops wieder auf. So konnte er in kurzer Zeit 18 Laptops und 10 Drucker weitergeben. Die Geräte wurden von Privatleuten gespendet , u. a. von den Mitgliedern eines Kirchenchores, eingesammelt, fachmännisch von allen Datenbeständen gelöscht und wieder mit der notwendigen Software für den Einsatz aufbereitet. Druckerpatronen und Speichererweiterungen wurden aus Spendengeldern besorgt. Eine weitere Herausforderung war es, die notwendigen Erklärungen an die Kinder und Jugendlichen zu bringen. Die Unterkünfte durften nicht betreten werden, die Notebooks mussten vor Ort im Netz angemeldet werden, die ersten Schritte über den Gartenzaun oder im Treppenhaus erklärt werden. Alles hat gut geklappt! Jetzt ist der Vorrat an gebrauchten Notebooks und Druckern erschöpft, und neue Schüler und Auszubildende haben wieder Bedarf. Wenn Sie ein Notebook oder einen Drucker übrig haben, melden Sie sich bitte bei Herrn Steinacker unter spenden@helferkreis-asyl.com Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn
Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn (Dezember 2020)
Wie Christen und Muslime in Syrien Weihnachten feiertenWeihnachten ist in vielen Ländern der Welt ein sehr beliebtes Fest. Vor allem in der grauen und kalten Jahreszeit auf der Nordhalbkugel teilt sich das spirituelle Leuchten, wenn es von den Kirchen ausgehend auf Straßen und Plätzen in Schmuck, Glanz und Festlichkeit übersetzt wird, allen mit und übt nicht nur auf Christen Faszination aus. Zwei syrische Flüchtlinge erzählen, wie sie Weihnachten im Herkunftsland erlebt haben. Rony ist Christ und gehört der assyrischen Kirche an. Die Assyrer sind die Ureinwohner im fruchtbaren Halbmond des Altertums, und Syrien ist das Land, das nach ihrer Kultur benannt ist. Rony kommt aus einem Dorf in der nordöstlichen Provinz Al Hasaka. Dort besaß jedes auch noch so kleine Dorf eine Kirche. Leider muss das in der Vergangenheit gesagt werden, denn die christlichen Dörfer sind während des Bürgerkriegs zerstört worden. Weihnachten wird am 25. Dezember den ganzen Tag über gefeiert. Der 24. Dezember ist noch Fastentag, wobei die assyrischen Christen eine strenge Auffassung von der Regel haben und vom ersten Advent an 25 Tage lang fasten. Heilige Woche zusammen feiern
Zu Hause wurde zu Weihnachten besonders gekocht: Ein traditionelles Gericht bestand aus Joghurt, gekochter Gerste und Lammfleisch in Brühe mit Thymian und Oregano gewürzt. Die Farbe Weiß steht symbolisch für Licht (Dekhwa), Freude und Glück. Frühstück, Mitttag- und Abendessen werden am 25. Dezember festlich und opulent begangen, Verwandte und Freunde machen den ganzen Tag über Besuche und gratulieren sich gegenseitig zu Christi Geburt. Je nach Altersgruppe sitzen die Familienmitglieder und ihre Gäste in verschiedenen Räumen. Aber auch Nicht-Christen, sunnitische Syrer und Kurden kommen von außerhalb, um mitzufeiern. Am zweiten Weihnachtsfeiertag und am dritten Tag werden Partys gefeiert, oft die gesamte heilige Woche lang, die Besucher bleiben zu Gast, es wird viel Musik gemacht und getanzt. Weihnachten auf den Straßen
Rana studierte Zahnmedizin in Aleppo. Im christlichen Stadtviertel hatte Rana eine gute Freundin, die der katholisch-orthodoxen Kirche angehört. Mit ihr verbrachte sie die Freizeit. Das Wochenende in Syrien ist zwar muslimisch definiert, die religiösen Ruhetage sind also freitags und samstags, aber in Gebieten mit christlicher Bevölkerung sind die Geschäfte am Sonntag geschlossen. Rana besuchte zu Weihnachten die Familie ihrer Freundin in deren Heimatdorf und auch Silvester und Neujahr waren sie zusammen. Und die Gemeinsamkeit funktioniert auch anders herum. So beging die Freundin in Aleppo mit Rana auch Ramadan. „Was, sie wartete mit Essen und Trinken während ihres Arbeitstags am Flughafen tatsächlich bis abends“, fragte ich erstaunt. „Ja“, sagte Rana, „meine Freundin fand, das täte ihr gut, um ein bisschen abzunehmen“. Abends kochten sie dann zusammen und aßen vorschriftsmäßig nach Sonnenuntergang. Das ethnische und religiöse Zusammenleben in Syrien sei vor allem in den Städten gut gewesen, ehe im Bürgerkrieg politisch Differenzen geschürt worden seien, erklärt Rana. Hier in Deutschland könne man das gegenseitige Verständnis, Treffen und Feiern über kulturelle und religiöse Grenzen hinweg zum Glück fortführen. In diesem Sinne wünscht der Helferkreis Ottobrunn/Hohenbrunn allen Leser*innen des Gemeindejournals „Mein Ottobrunn“ frohe Weihnachten und ein friedliches und gutes Neues Jahr. Heidi Maurer und Claudia Bernardoni, Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn
Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn (November 2020)
Neu: Migrationsberatung mit Sprechstunden in Ottobrunn – für erwachsene Zuwanderer, für junge Flüchtlinge und MigrantenAn drei Tagen in der Woche gibt es seit August eine AWO-Beratungsstelle für anerkannte Flüchtlinge, aber auch für ausländische Arbeitnehmer und ihre Familien. Der Helferkreis hat die Beratungsstelle besucht. Das helle, kleine Büro, in dem María Gómez Salas die Ratsuchenden empfängt, liegt im Erdgeschoss gleich neben dem Eingang. Frau Gómez bietet Beratung, Hilfe bei Formularen und Kontakt zu Behörden, Institutionen, Arbeitgebern an, in den wesentlichen Integrationsbereichen von Leistungsbezugsfragen über Gesundheit bis Ausbildung und Arbeit. María Gómez Salas hat in Spanien studiert, ist anerkannte Sozialpädagogin und spricht drei Sprachen: Deutsch, Spanisch und Englisch. Bei einem Erasmus-Studienaufenthalt hat sie sich für Deutschland entschieden und arbeitete seit 2015 zunächst mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen und seit 2019 in der Migrationsberatung in Haar und Planegg, wo sie auch weiterhin zwei Wochentage, u.a. als Dolmetscherin für spanisch sprechende Migranten, tätig ist.
Ort: Ottobrunn, Putzbrunner Str. 52 (Eingang Joseph-Seliger-Straße)
Montag: 9:00 bis 13:00 Uhr, Mittwoch und Freitag 9:00 bis 18:00 Uhr. Terminvereinbarung unter Tel. 0176 16720915. Für junge Flüchtlinge und Migranten (12 bis 27 Jahre) arbeitet der AWO Jugendmigrationsdienst mit Karin Kickner jeweils donnerstags am gleichen Ort. Terminvereinbarung unter Tel. 0157 75351031. Der Helferkreis wünscht beiden bei der Arbeit in unseren Gemeinden viel Erfolg! Claudia Bernardoni, Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn
Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn - Gelungene Integration (Oktober 2020)
Bestandene GesellenprüfungAli ist heute 33 Jahre alt und arbeitet schon seit 25 Jahren. Seine Eltern mussten 1992 vor dem Bürgerkrieg aus Afghanistan in den Iran fliehen. Sie lebten in Kerman, einer großen, historischen Stadt im Südosten des Landes. Doch für die afghanische Familie war das Leben schwer. Der Vater war bereits 60 Jahre alt, als Ali zur Welt kam; bald wurde er sehr krank. Als ältester Sohn musste Ali die Familie mit drei Schwestern und einem jüngeren Bruder versorgen. Deshalb arbeitete er schon mit acht Jahren. »Tagsüber war ich auf der Baustelle, danach ging ich zur Abendschule. Dort unterrichteten Afghanen, um ihren Landsleuten zu helfen. Weil wir Flüchtlinge waren, hatten wir keine Rechte, egal ob bei der Arbeit, auf der Straße oder auf dem Markt. Afghanen durften nur schwere Arbeiten annehmen und nicht im Büro oder in Geschäften arbeiten. Sie durften kein Auto fahren und keinen Führerschein machen«, erinnert sich Ali. Er arbeitete viele Jahre auf dem Bau eines großen, öffentlichen Gebäudes und lernte praktisch ohne jede Ausbildung. Der leitende Ingenieur vertraute ihm und gab ihm Vorarbeiteraufgaben. Iranische Polizei bedrohte Afghanen Nach diesem Erlebnis entschlossen sich Roqaya und er noch 2012 zur Flucht. Über die Türkei, Italien und Frankreich erreichte das Paar – Roqaya war mit der heute achtjährigen Zahra schwanger – am Weihnachtsabend 2013 erst Frankfurt und durch Umverteilung dann München und Ottobrunn. 2014 kam ihr Sohn Amin zur Welt. 2017 erhielten sie die Aufenthaltserlaubnis. Lehre als Lackierer
Engagement beim Helferkreis Roqaya konnte aufgrund ihrer fortgeschrittenen Sprachkenntnisse eine Qualifikation als Kulturdolmetscherin an der Volkshochschule erwerben und ist seither als Vermittlerin zwischen Ämtern und Institutionen für afghanische Familien tätig. Darüber hinaus unterstützen beide die Organisatorinnen UllaWolf und Linda Stiller bei den monatlichen Treffen für Flüchtlinge und Einheimische im Café International. Inzwischen hat die Familie eine Wohnung in Ottobrunn gefunden. Roqaya arbeitet in Teilzeit in einem Ottobrunner Lebensmittelgeschäft. Und im Juli 2020 hat Ali seine Gesellenprüfung bestanden. Die Familie ist glücklich. Aber Ali hat schon wieder ein Ziel: Er will den Meister machen. Das liegt noch in der Ferne, aber unerreichbar ist es nicht für einen, der fleißig ist und weiß, was er will: eine sichere Zukunft für seine Kinder in Deutschland. Claudia Bernardoni, Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn / MO
Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn (Juli 2020)
Von Bangladesch nach BayernTanjena A., 26 Jahre, kommt aus einer guten Familie in Brahmanbaria, wo sie mit zwei Brüdern und einer Schwester aufwuchs. Sie konnte eine weiterführende Schule besuchen und drei Semester Philosophie in englischer Sprache an der Universität studieren. Während ihres Studiums wurde sie zur Flüchtlingshelferin und betreute zum Teil auf eigene Kosten obdachlose Kinder. Denn nach Bangladesh waren hunderttausende der im Nachbarland Myanmar vertriebenen Rohingya geflohen. Unter den Rohingya-Flüchtlingen lernte sie ihren späteren Ehemann kennen. Obwohl die Verbindung nicht erwünscht war, heirate sie 2012. Ihr Mann schaffte es, mit seinem Bruder 2013 nach Deutschland zu kommen Tanjena konnte 2017 - mit Unterstützung ihrer Brüder - über Mailand nach München einreisen. 2018 wurde die gemeinsame Tochter Muskan geboren. Tanjena wartet noch auf die Entscheidung über ihren Asylantrag und lebt mit ihrer Familie in Ottobrunn. Tanjena besuchte bis zum Corona-Ausbruch einen Deutschkurs in Pasing mit Kinderbetreuung, die aber das kleine Mädchen teilweise unter heftigen Protesten ablehnte. Da Tanjena aber unbedingt schnell Deutsch lernen wollte, erteilt ihr Mary Siegle-Collins aus unserem Helferkreis Unterricht. Ich wurde gefragt, ob ich mit der jungen Frau aus Bangladesh hin und wieder spazieren gehen könnte, da diese so schüchtern sei und nicht gern alleine auf die Straße gehe. So begann unsere Bekanntschaft. Ich kam zu ihr in die kleine Wohnung in der Ottobrunner Ortsmitte, wo sie mit ihrem Mann und der kleinen Tochter (damals 6 Monate alt) lebte. Wenn das Wetter es zuließ, gingen wir spazieren. Um sie zum freien Sprechen ohne Bezug zu Texten im Lehrbuch zu veranlassen, fragte ich sie nach dem Leben in Bangladesh.
Tanjena dagegen wollte unbedingt einen Arbeitsplatz, den sie mit Glück und einiger Unterstützung auch fand: Derzeit arbeitet sie als Putzhilfe in der Küche eines Ottobrunner Seniorenheims, aber nur sonntags, da der Vater, in der Woche in einem usbekischen Restaurant in München beschäftigt, dann die kleine Tochter betreut. Für den Herbst ist inzwischen ein Platz für Muskan in der Kinderkrippe Spatzennest gefunden, und ein Volkshochschulkurs für Tanjena ins Auge gefasst. Eva Maria-Stiebler, Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn
Helferkreis Asyl / Klawotte Kinder und kreativ (Juni 2020)
Gemeinsam Masken nähenDie Klawotte Kinder & Kreativ ist schon lange ein Ort des Zusammenhalts und der gegenseitigen Hilfe für die Bevölkerung von Ottobrunn und Umgebung. Bürger spenden Kleider, Spielzeug und Bücher, Freiwillige arbeiten ehrenamtlich, Bedürftige sind die erwünschten und gern gesehenen Kunden, und viele tauschen sich regelmäßig nach dem Einkauf bei einer Tasse Kaffee in den freundlich dekorierten Räumen in der Putzbrunner Straße aus. Aber dann kam die Corona-Ausgangsperre. Wie kann man die Zeit der Schließung kreativ nutzen? Alltagsmasken Nähen, war eine Idee, die auch bei der Klawotten- Leiterin Spiri Schnabel wie ein Blitz einschlug. Der Raum und die Ausstattung mit Nähmaschinen waren vorhanden. Nähabende mit Flüchtlingsfrauen hatten längst stattgefunden, und seit einem Jahr wurden auch die Schneiderkurse der vhs in der Klawotte durchgeführt. Zwei afghanische Mütter waren daraufhin in der Herstellung von phantasievoll gestalteten Recycling-Taschen aus gespendeten Stoffen tätig geworden.
Dann kam der Materialengpass: Gummis wurden knapp, Bestellungen langwierig, dazu Dienstag nach Ostern die Maskenpflicht. Neue Modelle, bei denen der Stoff näher an die Ohren reicht, wurden um Gummi zu sparen, herausgebracht, schließlich Modelle mit Bändern. „ Als die Schule wieder anfing, kamen die Jungens und wollten schwarze Masken, nur schwarze! Aber so viel schwarzen Stoff hatten wir nicht. Also gingen wir durch unsere Räume und zerschnitten alles, was an schwarzer Kleidung dort hing. Überhaupt versuchen wir, uns in die Kunden hineinzuversetzen: Es ist ein bedrängendes Gefühl, eine Maske stundenlang tragen zu müssen.“ Komfort ist gefragt. Neuerdings gibt es individuelle Modelle in verschiedenen Größen und mit besonderen Aufdrucken oder Accessoirs, immer zum gewohnten, moderaten Preis. Aber die Produktion ist nicht alles. „Oft hat sich bei der Arbeit ein so bombiges Gefühl eingestellt, Kreativität, Erfolg, Lachen, gute Laune. Manchmal haben wir Corona komplett vergessen! Manchmal geben uns Firmen ein Trinkgeld, dann kaufe ich Pizza für alle. Unsere Nähwerkstatt ist so stark wie nie und wird das auch bleiben, denn ein neues Projekt läuft schon an, aber das ist ganz wörtlich: Stoff für eine andere Geschichte“. Claudia Bernardoni, Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn (siehe auch: „Mein Ottobrunn“, 06/2020, Seite 16)
Helferkreis Asyl Ottobrun/Hohenbrunn: Nachruf (April 2020)
Oscar WagnerOscar Wagner war ein Mensch, der bedingungslos geholfen hat. Seit Winter 2012 hatte er Kontakt zum Helferkreis Asyl, im Januar 2013 wurde er mit 80 Jahren Mitglied. Egal wie die Situation war: Oscar blieb immer ruhig und freundlich, war bescheiden und hielt sich im Hintergrund. Eine fehlende gemeinsame Sprache war kein Hindernis für ihn, er verständigte sich mit dem Herzen und über das Tun.
Heidi Maurer, Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn („Mein Ottobrunn“, 04/2020, Seite 14)
Helferkreis Asyl - Paten helfen Kinder (Mai 2020)
Schule daheim – Was bedeutet Corona für Flüchtlingskinder?Auf jeden Fall eine außergewöhnlich schwierige Situation. Lehrer der Grundschulkinder schicken einmal pro Woche einen Plan und Aufgaben, die Lösungen aber erst eine Woche später. Für jüngere Kinder ist dieser zeitliche Abstand sicher viel zu groß, wenn niemand ihnen zeitnah sagen kann, ob die Aufgabe richtig gelöst wurde. Gerade für sie ist die Beziehung zum Lehrer so wichtig, die jetzt fehlt. Die älteren Schüler brauchen zum Lernen einen ruhigen Ort, der kaum vorhanden ist, wenn man in einer Flüchtlingsunterkunft wohnt, und sie müssen zeigen, dass sie sich selbst organisieren können. Grundsätzlich sind die Probleme der Flüchtlingskinder beim „Homeschooling“ jetzt die Probleme aller Kinder, die in schwierigeren und ärmeren Verhältnissen leben, in denen Eltern wenig oder nicht helfen können. Für Flüchtlingseltern gilt es aber ganz besonders. Sie sprechen manchmal weniger gut Deutsch als die Kinder, die schon einige Jahre hier zur Schule gehen. Sie haben unser Schulsystem nicht selbst erlebt und wissen nicht sicher, was regelmäßig wiederholt werden muss, wie viel Eigeninitiative von den Schülern erwartet wird und wie viel Aufmerksamkeit die Eltern den Aufgaben ihrer Kinder geben sollten. Hinzu kommt, dass die digitale Ausstattung oft fehlt, denn Hausaufgaben allein auf dem Handy zu bewältigen, ist nicht möglich. Da ist die Unterstützung von Seiten der Flüchtlingshelfer gefragt. Paten aus dem Helferkreis drucken die Arbeitsblätter aus und bringen sie den Familien. Für Notebooks und Drucker sorgt Michael Steinacker, der gespendete Geräte wieder aufrüstet. Unlängst hat er Jugendlichen aus vier Flüchtlingsfamilien Notebooks geliefert. Mit Ramez, einem 16jährigen Afghanen aus Riemerling, der die 9. Klasse eines Gymnasiums besucht, bearbeite ich die Aufgaben aus dem Literaturunterricht. Da ist es gut, im Live Chat darüber sprechen zu können. Ramez hat sich eine entsprechende App installiert, was funktioniert, wenn das Internet nicht gerade streikt. Die digitale Kompetenz von Schülern dieser Altersstufe kann also genutzt werden. Lediglich ganz neue Themen z. B. in Physik erwiesen sich für ihn als schwierig. Aber über Emails und in Online Meetings konnte er Fragen stellen, die auch sofort beantwortet wurden. In den Schulwochen vor den Ferien hat Ramez im Durchschnitt etwa so viel Zeit mit Lernen daheim verbracht, wie das in der Schule auch erforderlich gewesen wäre. Für die jüngeren Kinder zu sorgen, ist schwieriger. Die Helfer können ihre Patenfamilien nicht besuchen, und die digitalen Kompetenzen sind nicht so gut wie bei den älteren Schülern. Aber manchmal gelingt Hilfe, beispielsweise, wenn der Onkel, der in normalen Zeiten als Vermessungstechniker arbeitet, seine syrischen Nichten und Neffen unterrichtet.
Ruslan braucht im Herbst aber auch eine Lehrstelle, er möchte Elektriker werden. Bisher hatte er erst ein Vorstellungsgespräch. Das war leider nicht erfolgreich. Ich habe ihm also einen Fragenkatalog geschickt, den er sich anschauen und seine Antworten überlegen sollte. Dann haben wir per live Chat das „Vorstellungsgespräch“ geführt. Gar nicht so leicht für einen 16jährigen, er soll sich ja nicht verstellen, aber „Personaler“ erwarten auch ein sicheres Auftreten, das ein Flüchtlingsjunge nicht ohne weiteres vorweisen kann. Den Fragenkatalog werden wir noch ein paar Mal durchgehen, ergänzen und einfach weiter üben. Und dann wird er es trotz Corona zu gegebener Zeit hoffentlich schaffen, einen Ausbildungsvertag zu erhalten, der ihm Spaß macht und ihn auf seinem Lebens-und Berufsweg voranbringt. Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn, Ulla Müller Der Helferkreis Asyl für Flüchtlinge Ottobrunn/Hohenbrunn bittet um Spenden von gebrauchten Notebooks: spenden@helferkreis-asyl.com (siehe auch:„Mein Ottobrunn“, 05/2020, Paten helfen Kinder, Seite 16)
Helferkreis Asyl: Gelungene Integration – Teil 9 (8): (April 2020)
Riemerling, Neapel, NiebüllDie heute 46-jährige Stella kam im Jahr 2015 mit ihren beiden Kindern, Tochter Merit, damals neun, und Sohn Emmanuele, damals
drei Jahre, als Flüchtling nach Riemerling und zog in eine Unterkunft des Landratsamtes. Stella ist Nigerianerin und katholische
Christin. Das ist eine Seltenheit unter den Flüchtlingen, die der Helferkreis Asyl betreut, denn fast alle hiesigen Nigerianer
sind evangelikale Christen.
Stellas holpriger Weg
Claudia Bernardoni, Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn / MO („Mein Ottobrunn“, 04/2020, Seite 16
Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn (März 2020)
Neues aus dem Café InternationalInternationale Kuchenspezialitäten, deutscher Kaffee oder wahlweise indischer Tee, gut gelaunte große und kleine internationale Gäste und engagierte Helfer – das ist der Mix, aus dem beim Café International des Helferkreises Ottobrunn Hohenbrunn seit 2016 einmal im Monat eine fröhliche Atmosphäre entsteht. Das Café im EJO Haus der Evangelischen Jugend Ottobrunn ist ein beliebter Treffpunkt, wo Paten und ihre Familien sich austauschen können. Meistens sind auch Mitglieder des Helferkreises vor Ort, mit denen die Gäste Ausbildungs- und Schulprobleme besprechen oder sich über die Möglichkeiten, (besser) Deutsch zu lernen informieren können. Der Spielplatz direkt nebenan ist für die Kinder ideal – sie können gefahrlos klettern und schaukeln, während die Eltern in Ruhe ihren Kaffee trinken. Auf der Wiese im Garten ist Platz zum Fußball spielen – genügend Fußbälle sind vorhanden! Seit drei Jahren bietet das Café International den Firmlingen des Pfarrverbandes 4 Brunnen die Möglichkeit, während der Vorbereitung auf die Firmung ein Sozialpraktikum machen. Die jungen Leute helfen beim Auf- und Abbau der Tische, suchen das Gespräch v.a. mit den jungen Geflüchteten und spielen mit ihnen. Und bekommen dabei einen Einblick in fremde Kulturen, aber auch in die Arbeit des Helferkreises. Die nächsten Termine sind 14. März und 24. April, 15 – 17 Uhr in der Gartenstraße 1, Ottobrunn. Auf interessierte Gäste freut sich das Helferkreisteam. Herzlich Willkommen! Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn, Ulla Wolf ("Gemeindeblatt Hohenbrunn", 03/2020, Seite 53)
Sendereihe “Einfach Leben" des Münchner Kirchenradios (3.3.2020) Integration:
In der Sendereihe "Einfach leben" des Münchner Kirchenradios waren Herr Stocker und Frau Bernardoni in den Faschingsferien zu Gast, und haben
ein beeindruckendes Plädoyer für die Integration der Flüchtlinge und unser aller ehrenamtlichen Arbeit gehalten.
Dauer 49 Minuten
Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn (Februar 2020)
Begegnungen schaffenDie Begegnung zwischen Einheimischen und Geflüchteten liegt dem Helferkreis Asyl besonders am Herzen. Deshalb bietet er Aktivitäten an, die dafür Raum schaffen wollen – u.a. das Café International, »Essen über den Tellerrand« oder die Weihnachtsfeier. Café International
Essen über den Tellerrand
Jährlicher Höhepunkt
Neben diesen Aktivitäten gibt es enge Kontakte zwischen den Familien und ihren Paten vom Helferkreis Asyl. Ulla Wolf, Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn / MO
Beim Café International: Ulla Wolf (2.v.l.) und Monika Löser (rechts daneben) vom Helferkreis Asyl mit Flüchtlingen
(v.l.) aus Afghanistan, Somalia, Kamerun und Sri Lanka. (Foto: privat)
(„Mein Ottobrunn“, 02/2020, Seite 23)
Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn (Februar 2020)
Jahresbericht 2019Im siebten Jahr seines Bestehens unterstützte der Helferkreis ca. 230 Flüchtlinge in Ottobrunn, Riemerling und Hohenbrunn, darunter 36 Ehepaare und 8 Alleinerziehende mit 113 Kindern und Jugendlichen. Die Flüchtlinge wohnen in dezentralen Asyl-Unterkünften des Landratsamtes sowie in eigenen Wohnungen. Zusätzlich werden ca. 30 Menschen, die in Nachbargemeinden gezogen sind, weiter von ihren Paten begleitet Vier anerkannte Flüchtlingsfamilien und ein Alleinstehender haben als Neuzugezogene Kontakt zum Helferkreis gesucht. Die zu uns geflüchteten Menschen kommen aus Afghanistan, Syrien, Iran, Irak, Somalia, Pakistan, Nigeria, Uganda, Senegal, Eritrea, Ukraine, Indonesien, Bangladesch. Die meisten der von uns Betreuten sind vor vielen Jahren aus ihren Herkunftsländern geflüchtet. In der Mehrheit sind sie aus humanitären Gründen anerkannt und besitzen eine Aufenthaltserlaubnis, einige die echte Flüchtlingseigenschaft nach der Genfer Flüchtlingskonvention. Manche haben bereits ein Visumverfahren durchlaufen, das heißt, sie sind kurzfristig ausgereist und mit einem Visum der deutschen Botschaft als Migranten wieder eingereist und arbeiten nun hier als ausländische Arbeit-nehmer. Einige wenige Geflüchtete haben ihr Asylverfahren noch immer nicht abschließen können oder leben hier mit einer Duldung. Unsere Aufgaben in Bezug auf die aufenthaltsrechtliche Integration hatten im letzten Jahr einen besonderen Schwerpunkt, nämlich Familienangehörige. Unsere Bemühungen bezogen sich auf die Aufenthaltssicherung für Familienangehörige, auf die Aufenthaltsverfestigung, zum Beispiel durch Niederlassungserlaubnis, und auf Familiennachzug. Bei der Aufenthaltssicherung für Familienväter ging es um traditionell geschlossene Ehen von Afrikanern, die nicht anerkannt werden, selbst, wenn sie von den Behörden im Herkunftsland beglaubigt sind. Sodass auch der Ehemann einer anerkannten Frau nur eine Duldung erhielt, aber durch einen festen Arbeitsplatz seine Chancen erhöhen konnte. Der sog. Spurwechsel einer wegen Bürgerkrieg im Herkunftsland hier Asylsuchenden zur Arbeitsmigrantin durch das Visumverfahren war für die Familienmutter erfolgreich, aber selbst die eigenen Kinder sind dadurch nicht automatisch mit dem gleichen Recht versehen, was weitere Schritte zur Existenzsicherung der Familie nötig macht. In Bezug auf Niederlassungserlaubnis erwies sich die Sonderregelung für anerkannte Jugendliche mit guten Schul- und Integrationsleistungen im Berichtszeitraum als nicht ohne weiteres umsetzbar, ist jedoch in Zukunft sicher zu erreichen. Schließlich erweist sich der Familiennachzug von Kindern aus Ländern, in denen sie besonders bedroht sind, wie Somalia, als extrem schwierig und langwierig. Erfolge sind andererseits bei der weiteren Sicherung des Aufenthaltsrechts durch Ausbildungsduldung und den Abschluss von anerkannten Ausbildungen durch bestandene Prüfungen zu verzeichnen. Integration durch Sprache und Arbeit
Integration durch gesicherte Wohnverhältnisse
Mit einer sicheren, bezahlbaren Wohnung kann man die Zukunft planen, Kontakte mit Nachbarn schließen, sich einbringen in das Wohnumfeld. Solange das Bleiben in einer Asyl-Unterkunft unsicher ist, besetzen Angst und Unsicherheit einen guten Teil der Lebensenergie. Der Helferkreis unterstützt Flüchtlinge bei der Wohnungssuche, bei Umzügen, bei der Möbelbeschaffung, auch noch bei Verlust der Wohnung und Einweisung in eine Obdachlosenunterkunft. Zwei alleinerziehende Mütter mit Kleinkindern zogen in Unterkünfte mit größerem Wohnraum, 6 Familien mit 12 Kindern und zwei Alleinstehende konnten in eigene Wohnungen ziehen. Integration durch Teilhabe am sozialen Leben
Entwicklung im Helferkreis
Eine Wohnung zu finden, ist eine der Hauptsorgen unserer anerkannten Flüchtlinge in Ottobrunn und Hohenbrunn. Bitte melden Sie sich bei Diakon Stocker, Tel. 089 / 42 00 179 - 01, E-Mail KStocker@ebmuc.de, wenn Sie dazu Auskünfte wünschen oder helfen können. Mit Geldspenden von Privatpersonen, Organisationen und Gemeinden können Angebote für Flüchtlinge finanziert werden, in Notlagen kann individuell und unbürokratisch geholfen werden. Dafür danken wir allen Spendern herzlich! „So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Bürger“, diese Worte aus dem Epheser-Brief im Neuen Testament werden auch im kommenden Jahr Leit-Motto für den Helferkreis sein. Heidi Maurer und Claudia Bernardoni
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