Helferkreis Asyl Ottobrunn / Hohenbrunn  

Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn



Presse / Nachrichten

Kolumne in dem Gemeinde-Journal "Mein Ottobrunn"


04 / 2019     Ottobrunner Schüler organisiert Spende
Helferkreis Asyl: Flüchtlings-Fußballmannschaft »Ramasuri« (Seite 18)
Motivierte Auszubildende
Helferkreis Asyl: Gelungene Integration Teil 5 (6) (Seite 19)
02 / 2019     Viel gewonnen – viel verloren
Helferkreis Asyl: Beispiele gelungener Integration – Teil 4 (5) (Seite 23)
12 / 2018     Auf Umwegen zur Ausbildung
Helferkreis Asyl: Beispiele gelungener Integration – Teil 3 (4) (Seite 21)

Artikel im "Gemeindeblatt Hohenbrunn"



04 / 2019     Wie gelingt Integration ? Aus der Wissenschaft in die Praxis.
Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn (Seite 55)
02 / 2019     Wie gelingt Integration ? Mit Arbeitsvisum in die Ausbildung zum Landschaftsgärtner
Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn (Seite 57)
12 / 2018     Wie gelingt Integration ? Von Afghanistan in die bayrische Küche.
Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn (Seite 61)


Die vollständige Liste der Artikel im Gemeinde-Journal "Mein Ottobrunn" und im "Gemeindeblatt Hohenbrunn" erhalten Sie hier.


Jahresberichte des Helferkreises Asyl


2018     Jahresbericht des Helferkreises Asyl
2017     Jahresbericht des Helferkreises Asyl
2016     Jahresbericht des Helferkreises Asyl
2015     Jahresbericht des Helferkreises Asyl
2014     Jahresbericht des Helferkreises Asyl und Bericht von der Nikolausfeier mit Flüchtlingen vom Eine-Welt-Kreis
2013     Erklärung des Helferkreises Asyl, unterzeichnet von 36 Mitgliedern
2012     Schritt ins Leben: Christen aus dem Landkreis unterstützen Asylbewerber
(Südost-Kurier, 30.10.2012),   (gedruckte Version, pdf)

Weitere Information erhalten Sie von unserem Team Öffentlichkeitsarbeit (E-Mail: presse@helferkreis-asyl.com ).



März 2019:   Fest der Kulturen 2019


Am 17. März 2019 hat der Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn am 7. Fest der Kulturen teilgenommen, das wie zuvor die Agenda Ottobrunn-Neubiberg veranstaltete. Unser Stand, reich ausgestattet mit Informationsmaterial und dekorativen Stücken aus den Herkunftsländern der Flüchtlinge, war wieder ein Anziehungspunkt für Besucher beim Markt der Initiativen und Kulturen. Viele Helfer, aber auch viele Flüchtlinge betreuten den Stand und beteiligten sich an den Gesprächen mit den Besuchern. Ein besonderes Angebot waren Proben von Fruchtblättern – Früchte aufs Wesentliche reduziert – des Start-Up-Unternehmens „Fruchtschmaus“, das von einer Russin aus dem Kreis unserer anerkannten Flüchtlinge mitbegründet wurde. Neu war dies Jahr ein Informationsstand über Kamerun. Er war von einem kamerunischen Arzt und seiner Frau, die mit dem Helferkreis kooperieren, mit ausgerichtet worden. Neben uigurischen und mongolischen Darbietungen auf der Bühne, legten ein kamerunscher Mini-Tanz-Workshop und der Kamerun-Stand Zeugnis ab für die ständige Erweiterung des interkulturellen Horizonts in unserer Region.


Foto: Evelyn von Hörmann

Foto: Evelyn von Hörmann

Foto: Gunter Hahn





Januar 2019:   Über‘n Tellerrand geschaut - Syrisch-kurdische Familie lud zum Essen ein


Nachbarn und Freunde aus dem Helferkreis waren die Gäste. Gleich zu Anfang erfuhren die Anwesenden, dass eine mit der Familie sehr vertraute Nachbarin am Vortag ihren 80. Geburtstag feierte. So konnten sie ihr ein Geburtstagsständchen bringen. Das Buffet im Flur der gemütlich eingerichteten Wohnung war reich gefüllt mit köstlichen, orientalischen Speisen, die man auch als Bestandteil des Hauptgangs isst. Mutter Rawan (37) und ihre beiden Söhne, Ahmad (17) und Reschad (12), haben gekocht und gebacken. Die Chefköchin Rawan erschien noch mit einer großen Platte gebratener Hühnerschenkel auf gewürztem Reis. Zum Nachtisch gab es vielfältige Gebäckstücke und ein raffiniert zubereitetes Kürbisdessert. Kein Wunder, dass die Gespräche lebhaft waren.
Rawan und Ahmad haben uns ein typisch kurdisches Rezept verraten:

„Jike“ – eine appetitanregende Speise
1 Joghurtbecher kleiner, feiner Bulgur wird eine Viertelstunde ½ Becher in Wasser eingeweicht, aber nicht gekocht. Eine fein gehackte Zwiebel, 2 Tomaten- und 1 Paprikaschote würfeln, pürieren und daruntermischen. Salz und Chili kommen dazu. Dann wird etwas Öl leicht angewärmt und unter die Masse geknetet. Anschließend kleine Portionen formen, gehackte Petersilie darauf streuen und auf Salatblättern servieren. Eine gehaltvolle Variante mit Tatar ist möglich.

Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn







September 2018:   Über‘n Tellerrand geschaut mit afghanischem Menü


Roqaya und Nadja, zwei Frauen, die mit ihren Familien seit mehreren Jahren hier leben, Roqaya mit Ehemann Ali, einer fünfjährigen Tochter und einem vierjährigen Sohn; Nadja mit Ehemann Mohammad, einer 12jährigen Tochter und einem 10jährigen Sohn, wollten sich schon lange bei allen, die ihnen in Ottobrunn und Umgebung geholfen haben, bedanken. Die Patin beider Familien aus dem Helferkreis Asyl und erprobte Organisatorin bei den verschiedensten Gelegenheiten, schlug ihnen vor, im Rahmen des Helferkreis-Projekts Über’n Tellerrand ein afghanisches Menü auszurichten und Unterstützer/innen; Freunde und Nachbarn einzuladen. Aber zunächst mussten beide noch die Prüfung Deutsch B 2 ablegen und die dringendsten Probleme der Integration wie Kindegarten und Schulbesuch der Kinder regeln, oder gar wie Nadja stundenweise einer Berufstätigkeit nachgehen. Ende Juni 2018 war es soweit: Man einigte sich über Vorlieben und Gerichte und beide Frauen kauften in München bei einschlägigen Geschäften ein: Fleisch und Gemüse beim Türken, Reis, Gewürze, Mandeln und Zutaten für die Süßspeisen in einem afghanischen Geschäft.

Im Pfarrsaal von St. Magdalena waren die Tische sommerlich festlich in hellem Grün gedeckt. Das Essen stand in großen chafing dishes auf den Buffettischen, professionell warm gehalten und sorgfältig in Vorspeisen, Hauptgericht und Nachspeise getrennt. Die Gäste, mehrere Helferkreismitglieder mit ihren jeweiligen Partnern, der Arbeitgeber des Bürojobs von Nadja, die Leiterin der Klawotte Kinder & kreativ, für die Nadja und Roqaya im vorigen Winter phantasievolle Taschen aus gespendeten Stoffresten genäht hatten, sowie Schulfreundin Helena von Roqayas Tochter Zahra mit ihren Eltern.

Die Gäste saßen wie im Restaurant an Tischen zusammen, unterhielten sich und holten sich die Leckerbissen vom Buffet: Als Vorspeise gab es Avocado-Salat, dann einen afghanischen Salat mit rohem Gemüse, ein Chutney und Mantoo (Teigtaschen mit frischem Korianderblättern, roten Linsen und Joghurt). Als Hauptgericht gab es unter anderem zum nacheinander Kosten oder kräftig Zulangen: Kabuli pilau (Reis mit Rosinen, Pistazien, Lammfleisch und Karotten); Zereshke polo (Reis auf iranische Art mit Safran und bei uns ungebräuchlichen, süß-sauren Beerenfrüchten) und Kotlet (Lammkotlette mit gebratenen Kartoffeln). Wer nach diesem reichhaltigen Menü schon streikte, war selbst schuld, denn die Wassermelone zum Nachtisch war bei der Wärme erfrischend und Ghatab (Teigtaschen mit Pistazien und Mandeln) und Goshe FU (Blätterteiggebäck) stellten einen runden Abschluss dar. Ein gelungener Abend für Gäste und Gastgeber.

Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn







August 2018:   Fünf Jahre Spielervereinigung Ramasuri


2013 gab es in Ottobrunn ein Fußballturnier für Flüchtlinge. Es mangelte an allem: am Equipment, an Sprachkenntnissen, an Erfahrung. Mit viel Mut gelang es, den Flüchtlingen eine Abwechslung vom grauen Alltag zu verschaffen. Aus diesem Turnier ist eine Spielervereinigung namens Ramasuri entstanden, die in diesem Sommer ihr fünfjähriges Bestehen feiert.

Ramasuri bedeutet auf bayerisch Durcheinander und beruht auf den vielen Herkunftsländern unserer Spieler: Afghanistan, Eritrea, Mali, Nigeria, Senegal, Somalia, Südafrika, Syrien und auch immer wieder deutsche Spieler.

Mittlerweile haben wir so etwas wie Tradition aufgebaut: Fast jeden Samstag Training, Teilnahme an ein paar Turnieren, ein Trainingslager im August und die Weihnachtsfeier.

Die Spieler sind zwischen 18 und 30 Jahren alt, alleinstehend. Die Männer und jungen Burschen sind mir, der Trainerin, stets mit Respekt begegnet, so wie auch ich ihnen respektvoll gegenüberstehe.

So habe ich in den Jahren unseres Zusammenseins an ihrem Leben teilnehmen dürfen. Ich habe erlebt, wie diese jungen Menschen, die erschöpft, ängstlich und traumatisiert hier angekommen sind, sich wieder aufgerappelt haben. Die deutsche Sprache gelernt haben, den Schulbesuch genossen haben („zu Hause musste ich die Schule verlassen, als ich schreiben gelernt hatte“). Ich habe gesehen, wie sie sich mittels Praktikumsplätzen für Berufe entschieden haben, die ihnen bis dato völlig unbekannt waren. Ich habe auch schon feiern dürfen, dass Ausbildungen abgeschlossen, die Zulassung für die FOS erreicht wurde.

Ich habe beobachtet, wie aus Jungen Männer wurden, wie sie in ihre Heimatsprachen deutsche Wörter wie Meinungsfreiheit importierten, diese Freiheit auch zu schätzen lernten. Wie sie über unterschiedliche Religionen philosophierten und über die Rolle der Frau in Deutschland nachdachten („die deutschen Frauen müssen viel mehr arbeiten als unsere zu Hause“). Wie sie sich über die Entdeckung freuten, dass man auch bei uns das Damespiel kennt. Wie sie vieles aus unserer Kultur annahmen, vieles aus ihrer eigenen zu hinterfragen begannen. So wie auch ich in diesen fünf Jahren gelernt habe, manche meiner Denkweisen als Vorurteil zu erkennen.

Wir sind in den Jahren aneinander gewachsen, haben gelernt über den Tellerrand zu schauen, Toleranz zu üben und uns in einer neuen Welt zu bewegen: die Männer in der deutschen Sprache und Kultur und ich in der Fußballwelt. Es war nicht immer einfach, die verschiedenen Sprachen, Kulturen, Religionen, Gewohnheiten und Erfahrungen unter einen Hut zu bringen. Aber wir haben es geschafft!

Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn





8.4.2018:   Der Helferkreis auf dem Fest der Kulturen 2018


Auch das sechste Fest der Kulturen am achten April im Wolf-Ferrari-Haus in Ottobrunn war ein voller Erfolg für die Veranstalter und unseren Helferkreis sowohl auf der Bühne als auch mit unserem dekorativen Stand beim Markt der Initiativen.

Im Bühnenprogramm traten die Musiker und Flüchtlinge aus Afghanistan Amir Ahmadi und Surush Ahmadi auf. Sie spielten zu Anfang vor der Begrüßung durch die Bürgermeister Loderer und Heiland und durch Aniko Balazs, die für die Veranstalter sprach, sowie gleich wieder danach, sodass sie die volle Aufmerksamkeit des Publikums genossen. Die Unterstützung durch eine günstige Platzierung hätten sie jedoch nicht nötig gehabt. Amir spielte auf dem Keyboard traditionelle afghanische Volksmusik und sang dazu, Surush begleitete ihn auf seinen Trommeln. Zu einer Hochzeitsmusik begannen eine afghanische Männerflüchtlingsgruppe und zwei Frauen spontan zu tanzen. Viel Applaus belohnte alle.

Amir ist gerade 17 Jahre geworden, er ist Hazara aus der Provinz Baghlan, mit 13 Jahren nach Deutschland gekommen und macht hier eine Ausbildung zum Lackierer. In Afghanistan hatte er keinen Musikunterricht, weil es in der Schule keinen gab. Und in Gegenden, die unter dem Einfluss der Taliban stehen, ist Musik als verpöntes weltliches Vergnügen verboten. Er hat zwar in zwei Jahren Schule lesen und schreiben gelernt, aber danach bei seinem Vater auf dem Feld gearbeitet. In München hat er Musikunterricht bei einem afghanischen Lehrer für Keyboard und afghanisches Harmonium genommen. Aber Noten? Ich höre und merke es mir einfach, erklärt er und ergänzt: Natürlich unterscheidet sich die Musik der Pashtunen von der der Hazara oder der Tadschikken. Nicht nur in der Sprache, sondern auch im Stil. Ich spiele aber alles und unterscheide nicht, ich habe Respekt vor jeder Kultur.

Surush ist 19 Jahre alt, auch er Hazara aus der Provinz Baghlan (die beiden sind nicht miteinander verwandt). Auch er ist seit mehreren Jahren in Deutschland und macht eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann. Surush hat gleichfalls bei dem afghanischen Musiklehrer in München Unterricht genommen, für das Trommeln auf der „tabla“. Genau wie Amir ist er der einzige Musiker in seiner Familie. Er sagt: Musik ist mir sehr wichtig. Meine tabla ist wie mein Freund, mein bester Freund. Er möchte mit Amir gemeinsam noch öfter auftreten. Manchmal werden sie zu Hochzeiten gebeten oder spielen auf den Treffen der Fußballmannschaft Ramasuri, die Brigitte Barthmann organisiert, die auch beiden Musiker seit Jahren betreut.


Der Helferkreis-Stand im Rahmen des Markts der Initiativen zeichnete sich nicht nur durch Fotowände und eine reiche Dekoration mit volkskundlichen Objekten und Informationsmaterial aus, sondern war während des gesamten Festprogramms sehr gut besucht. Zahlreiche Helferinnen und Helfer, die Gespräche mit vielen Gästen führten und immer wieder die von ihnen betreuten Flüchtlinge begrüßen konnten, berichteten, dass sie zu dieser Gelegenheit keine kritischen oder gar ablehnenden Stimmen zur Flüchtlingsarbeit hörten, sondern im Gegenteil anhaltendes Interesse spürten. Unser Dank für die Organisation unseres Teils am Fest der Kulturen gebührt Dorothea Blässing.

Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn 16.4.2018, Claudia Bernardoni




9.3.2018:    Fest zum fünfjährigen Bestehen des Helferkreises Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn


Im Herbst 2012, als die ersten Flüchtlinge in Ottobrunn eingetroffen und tatkräftig von der Gemeinde Ottobrunn vor allem in der Joseph-Seliger-Siedlung untergebracht worden waren, fand sich eine kleine Gruppe in der Pfarrei St. Magdalena zusammen, um die Flüchtlinge zu unterstützen. Aus dieser Initiativgruppe hat sich unser Helferkreis entwickelt und fünf Jahre lang engagiert gearbeitet. Das wollten wir feiern und luden am 09.03.2018 zu einem Abend mit Vortrag und Fest-Buffet in den Pfarrsaal von St. Otto in Ottobrunn ein.

Diakon Karl Stocker, seit Anfang an der Leiter unseres Helferkreises, begrüßte die zahlreichen Gäste, darunter Bürgermeister Loderer, die Sozialbtreuer/innen der Caritas, den Leiter und die stellvertretende Leiterin der Volkshochschule SüdOst, die Leiterinnen der beiden Klawotten, einige Vermieter von Wohnungen an anerkannte Flüchtlinge und ein engagierter Asylanwalt. Er erinnerte an unsere bewegte Geschichte als stetig anwachsender Kreis, der auch durch den Austausch auf regelmäßigen Treffen die unterschiedlichen Anforderungen durch Flüchtlinge aller Altersgruppen und vieler Herkunftsländer bisher bewältigen konnte.

Heidi Maurer, ehrenamtliche Sprecherin, sprach von dem starken Zusammenhalt, von der emotionalen und humanitären Motivation der Helferinnen und Helfer, der guten Atmosphäre bei den Treffen und in der Zusammenarbeit und dankte für die Unterstützung von Seiten der Gemeinden, Organisationen und Vereine vor Ort. Sie berichtete, dass wir heute ca. 120 Jugendliche, Frauen und Männer zählen; dass unser jüngster Helfer bereits mit 10 Jahren in Begleitung seiner Mutter Kinder im Kirchenasyl besucht hat, dass unsere ältesten Mitglieder 85 Jahre alt sind, und dass auch zehn Flüchtlinge aus Afghanistan, Syrien, Jordanien, dem Senegal Mitglieder sind und anderen Flüchtlingen helfen. Sie rief uns ein Zitat des Alt-Bundespräsidenten Joachim Gauck von 2014 in Erinnerung, das eine gute Überleitung zum folgenden Vortrag bildete: ….“zu den Tragödien… können wir nicht schweigen, wenn wir unsere eigenen Werte ernst nehmen“.

Claudia Bernardoni, zweite ehrenamtliche Sprecherin, stellte den Referenten des Abends, einen Orientalisten, Politologen und wissenschaftlichen Bibliothekar an der Staatsbibliothek München vor. Sie erklärte, dass wir den Vorderen Orient als Vortragsthema gewählt hatten, weil Syrien und Irak seit dem Jahr 2016 die Hauptherkunftsländer der Flüchtlinge auch hier bei uns waren, und unsere Aktivitäten insofern durch das Weltgeschehen geprägt werden. Sie fand, dass die Tragödie des Kriegs im Vorderen Orient uns in Einzelschicksalen, das heißt allerdings auch in Schlaglichtern, vor Augen steht, wir jedoch ein Gesamtbild für ein Mehr an Verständnis und Einfühlungsvermögen brauchen.



Robert Staudigl kam dieser Aufgabe mit beeindruckender Klarheit und Prägnanz nach. Er zeigte, dass die Zerstörung der ältesten Kultur, die auch für unsere europäische Entwicklung entscheidende Impulse gegeben hat, und dass die menschliche Tragödie in der gesamten Region keineswegs ohne das Zutun der westlichen Welt zustande gekommen sind. Im Gegenteil, der Angriff der Amerikaner unter einem ungerechtfertigten Vorwand auf den Irak hat zwar den Sturz Saddam Husseins zur Folge gehabt, andererseits aber auch die Begründung des Islamischen Staates durch Saddams Geheimdienstleute und den Feldzug des IS in Syrien. Damit war der Grund für das heutige Schlachtfeld verschiedener Welt- und Regionalmächte gelegt. Von den Russen, den Iranern und Assad über die Saudis bis hin zur Türkei versuchen sie, dort ihre Interessen durchzusetzen, ihre Einflusszonen zu vergrößern oder verkaufen Waffen wie Deutschland. Er machte klar, dass der Islam nur einen „moralischen“ Deckmantel für die Anwerbung von Jihadsten und damit für Krieg, Terror und Eroberung darstellt und abgesehen von den lokalen Verheerungen auch zu einer tiefen Feindschaft zwischen Sunniten und Schiiten geführt hat. Die Hoffnung auf Frieden in einer so verzweifelten Lage ist seiner Meinung nach dennoch nicht illusionär, aber dazu müssten viele Beteiligte konkrete kleine Schritte der Vertrauensbildung und Versöhnung für eine sehr lange Zeit gehen. Der Referent wurde noch lange, während das Buffet eröffnet war, von begeisterten und diskutierfreudigen Zuhörern umringt.

Köche für unser reichhaltiges Buffet waren Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak. Bei einem Glas Rotwein aus der Beeka-Ebene im Libanon, einem Bier oder einem nicht-alkoholischen Getränk fanden noch viele angeregte Gespräche statt.

Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn





alte Einträge (Archiv, 2012-2017)

© 2019 Helferkreis Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn Datenschutzerklärung         Impressum          Bildnachweis